copyrights by VOX Die Isle Royale ist die größte Insel im Lake Superior
und ein Forscherparadies. Ein letztes Stück unberührter Wildnis, das
Biologen gerne als "Großraumlabor" bezeichnen. Dort haben die Forscher die
einmalige Gelegenheit, das Räuber/Beute-Verhältnis zwischen Wolf und Elch zu
erforschen, und das tun sie seit fast 50 Jahren. 2004 standen schätzungsweise
750 Elche 3 Wolfsrudeln mit insgesamt 29 Tieren gegenüber. Der Clou für die
Wissenschaftler: Weder Wölfe noch Elche können von der Insel entkommen. Das
nächste Ufer befindet sich in Kanada und ist 40 Kilometer entfernt.
Elche und Wölfe gab es auf der Isle Royale nicht immer. Bis zu Anfang
des 20. Jahrhunderts lebten auf der knapp 80 Kilometer langen und 15 Kilometer
breiten Insel nur Karibus, Luchse und zur Jagd eingeführte Hirsche und Kojoten.
Erst 1912 erreichten die ersten Elche die Insel. Wie sie das schafften, darüber
wird bis heute spekuliert. Offiziell heißt es, dass sie die Isle Royale
schwimmend erreichten.
Für die weltweit größte Hirschart begannen
jedenfalls paradiesische Zeiten. Feind- und konkurrenzlos vermehrten sie sich
innerhalb kürzester Zeit auf einen Bestand von 4.000 Tieren. Danach begann das
große Sterben. Die Elche hatten ihre Nahrungsgrundlagen aufgefressen und das
Landschaftsbild komplett verändert. Erst in den nachfolgenden Jahrzehnten
erholte sich der Bestand wieder.
Der Winter 1948/49 brachte dann die
Wende. Ein Rudel Wölfe wanderte über den zugefrorenen See ein und machte von nun
an Jagd auf die Elche. Seitdem variieren die Bestände der Jäger und Gejagten
enorm. 1980 erreichte der Wolfsbestand mit 50 Tieren seinen Höhepunkt. Den
bislang niedrigsten Stand der Elche gab es 1998 mit ungefähr 600 Tieren.
Die Ursachen für die extremen Schwankungen sind vielfältig. Höhere
Sommertemperaturen und mildere Winter machen den Elchen im Gegensatz zu früheren
Jahren heute das Leben schwer, meint Rolf Peterson. Der Wildbiologe der
Universität Houghton leitet seit 35 Jahren die Wolf/Elch-Studie auf der Isle
Royale. Seit er das renommierte Projekt übernommen hat, verbringt er jedes Jahr
mehrere Monate auf der Insel. Er untersucht vor allem die Todesursachen der
Elche. Seit geraumer Zeit sind die Forscher einem neuen Phänomen auf der Spur:
der zahlenmäßigen Explosion so genannter Winterzecken. Diese befallen die
Schaufelträger in bislang kaum gekannten Ausmaßen und sorgen dafür, dass die
Tiere kaum noch eine Chance haben, sich gegen die Wölfe zu wehren.
tierzeit ist auf die Isle Royale gereist und hat sich mit dem legendären
Elch- und Wolfsforscher getroffen, seine kriminalistischen Forschungsmethoden
kennen gelernt und ist auf Tuchfühlung mit den ansonsten scheuen Tieren
gekommen. Herausgekommen sind einmalige Aufnahmen von tauchenden Elchen und von
Wölfen, die bei meterhohem Schnee einen Elchbullen erlegen. |
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