Schweden, Elche und mehr

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Wer an Schweden denkt, der verbindet mit diesem Namen Astrid Lindgren und ihre Pippi Langstrumpf, ABBA, Stefan Edberg, blutsaugende Mückenschwärme, Ikea, Volvo und vieles andere mehr. Aus zahlreichen Touren nach Schweden war mir das alles bereits mehr als vertraut, und Jahr für Jahr konnten sich bei mir die Kenntnisse über das 9 Mio. Volk im Norden nur noch vertiefen. Ich hatte Elche und Bären gesehen, in klaren, eiskalten Seen gebadet und in unzähligen Kilometern Wälder und Berge durchstreift.

Und doch gab es da noch etwas, das mir bislang immer verschlossen geblieben war! Nein, nicht das Schloß Drottningholm, in dem zuweilen Silvia mit Karl Gustav residiert. Auch dort hatte ich schon den Staub von der Fensterbank gewischt. Aber wie jeder weiß, sind Lehrer eigentlich immer im Dienst, und es war mir bislang bei all meinen Touren nie gelungen, mal eine schwedische Schule von innen zu betrachten, denn immer dann, wenn ich während der Sommerferien in Schweden war, hatten unglücklicherweise die Schweden auch gerade Ferien. Und so wäre es auch wohl Zeit meines Lebens geblieben, hätte sich nicht im Herbst letzten Jahres etwas ergeben, das mir Tür und Tor der schwedischen Schulen öffnete.

Der ,,Deutsch-Schwedische Hospitationsaustausch“, initiiert vom Kultusministerium bei der Landesregierung in Düsseldorf und der Universität in Uppsala gab mir die Möglichkeit, über den eigenen pädagogischen Tellerrand hinauszuschauen, um Neues zu erfahren, zu erleben und zu vermitteln. Begrüßenswert ist es daher auch, daß die Aktionsprogramme ,,Erasmus" und ,,Commenius“ der europäischen Union bis 1999 die Kooperation zwischen Schulen und Lehrern fördern, neue Partnerschaften ermöglichen sowie europäische Bildungsprojekte und deren Umsetzung in der Schule anregen.

Umrahmt vom herbstlichen Farbenspiel elch- und bärenreicher skandinavischer Wälder hatte ich also in der Zeit vom 7.-21. Oktober 1995 die Gelegenheit, das schwedische Schulsystem, den Schulalltag sowie die unterschiedlichen Aktivitäten schwedischer Schülerinnen und Schüler (nachfolgend: Schüler) kennenzulernen. Ort des Geschehens war Borlänge, eine - für deutsche Verhältnisse - kleine Stadt in der Region Dalarna, ca. 250 km nordwestlich von Stockholm. Nachdem bereits der schwedische Kollege Leif Franz (er spricht Deutsch mit einem Hauch österreichischem Akzent) zwei Wochen zuvor unsere Schule besucht hatte, begrüßte mich nun der Freund Leif in Stockholm am Flughafen Arlanda und beherbergte mich für zwei Wochen bei seiner liebenswerten Familie in Leksand am Siljan See. Doch bevor es in die Schule ging, war erstmal harte Knochenarbeit angesagt. Kaum angekommen hieß es auch schon umziehen, Gummistiefel an die Füße und rausrudern auf den See, Netze auslegen, damit am kommenden Abend auch etwas auf den Tisch kommt. Es war schon dunkel, als wir die 200 m Netze im Siljan See versenkten, und nur eine Lampe im Sommerhaus zeigte uns, wo wir losgerudert waren und wo wir wieder hinrudern mußten. DieAusbeute unserer nächtlichen Aktion offenbarte sich am nächsten Morgen: 3 kleine Lachsforellen hatten sich trotz unseres Lärms am Vorabend in die Netze verirrt und krönten unser reichhaltiges Sonntagsmahl.

Doch dann, am Montag ging es los. Während sich daheim in Deutschland Schüler und Kollegen noch im Bett wälzten und den ersten Tag der Herbstferien genießen konnten, hieß es für uns um 6:00 Uhr "Aufstehen“! Nach dem gemeinsamen Frühstück machten wir uns auf den Weg in das 45 km entfernte Borlänge zur Jakobsgardskolan. Der Himmel war blau, die Sonne schien und die Herbstfarben der Wälder ,,explodierten“. Es ging vorbei an Wäldern, glitzernden Flüssen, tiefblauen Seen und den für Dalarna typischen kupferfarbenen schwedischen Holzhäusern mit der Birke und der schwedischen Flagge vor dem Haus. Zuweilen sah man ,,rotbemützte Wesen“, die sich am Waldrand herumdrückten, und Leif klärte mich auf: Es war der erste Tag der Elchjagd, und sowohl Jäger als auch Treiber mußten rote Kappen tragen, um beim gezielten Schuß nicht mit einem Elch verwechselt zu werden (was leider schon häufig vorgekommen war).

Die Schulpflicht in Schweden besteht für alle Kinder zwischen dem 7. und 16. Lebensjahr, also neun statt zehn Jahre, wie in unserem Land üblich. Die Grundschule (so der Name der Schulform vom 1. -9. Schuljahr) ist in drei Stufen unterteilt, die jeweils drei Jahrgänge umfassen - Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe. Somit ist die Grundschule im eigentlichen Sinn eine Gesamtschule, da alle Schüler bis zum 9. Pflichtschuljahr dieselbe Schulform besuchen und keine konkurrierende parallele Schulform existiert.

Nach den ersten sechs Schuljahren wechseln die Kinder die Schule und besuchen die sog. Oberstufe (hier die Jakobsgardskolan). Eine Wahl unter verschiedenen Fächern ist erst hier möglich. In der 7. Klasse können die Schüler beispielsweise eine zweite Fremdsprache und / oder ein an der Schule unterrichtetes Wahlpflichtfach wählen.

Noten werden erst im Herbsthalbjahr in der 8. Klasse erteilt. Früher war die ,,Eins" die schlechteste, die ,,Fünf" die beste Note, jedoch gibt es seit Herbst 1995 ein neues Bewertungssystem, mit dem die Lehrer überhaupt nicht zufrieden sind.

Das neue Schema hat nur noch drei Bewertungsstufen: 1. Sehr gut 2. Gut - 3. Genügend / Bestanden

Nach Abschluß der neunten Klasse an der Grundschule wechseln 95% aller Schüler zu den sog. Gymnasien, um dort entweder eine dreijährige Berufsausbildung zu beginnen oder die Qualifikation für die Hochschule zu erwerben.

Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr und endet in der Regel gegen 14:30 Uhr. Jede Unterrichtsstunde dauert 40 Minuten. Unterrichtsbeginn und -ende werden nicht, wie bei uns in Deutschland üblich, durch ein akustisches Signal angekündigt, vielmehr achtet der Lehrer darauf, daß die Unterrichtszeit nicht über- oder unterschritten wird. Jedoch sind Hinweise aus den Reihen der Schüler auf das anstehende Unterrichtsende auch nicht selten!

Die Schüler haben keine eigenen Unterrichtsräume sondern jeder Lehrer hat seinen eigenen Klassenraum, mit Ausnahme bestimmter Fachräume (Biologie, Chemie, etc.), die sich die Fachlehrer teilen. Dies bedeutet, daß die Schüler unter Umständen nach jeder Stunde den Raum wechseln müssen. Die abschließbaren Schülerschränke (Fächer) sind daher nicht, wie häufig in deutschen Schulen, im Klassenraum untergebracht, sondern stehen auf den Fluren. Nach jeder Stunde tauschen die Schüler auf dem Weg zum nächsten Raum die Unterrichtsmaterialien aus und warten dann vor dem abgeschlossenen Raum auf den Lehrer der nachfolgenden Stunde.

Da nach jeder Stunde der Unterrichtsraum sofort wieder verschlossen wird, ist eine mögliche Beschädigung des Inventars (OHP-Projektoren, Videorecorder, Leinwände und Kartenmaterial, etc.) durch die Schüler weitgehend ausgeschlossen. Die Funktionsfähigkeit aller Medien ist somit stets gewährleistet.

Beschädigungen oder ,,Graffiti-Kunstwerke“ waren in allen Schulen, die ich besuchen konnte, die Ausnahme. Das eher ländliche Umfeld von Borlänge sowie die gesunde Mischung der Schülerschaft (Beamten-, Angestellten- u. Arbeiterkinder), die sich nicht ausschließlich aus sozialen Brennpunkten rekrutiert, mögen sich hier positiv auswirken.

Jedoch wurde mir auch von Kollegen bestätigt, daß in den Großstädten Malmö, Göteborg und Stockholm z.T. andere Verhältnisse an den Schulen herrschen, Zerstörung und Vandalismus häufiger vorzufinden sind.

Die Schüler schreiben von der ersten bis zur letzten Klasse allesamt in allen Fächern und bei jeder Gelegenheit mit Bleistiften, die sie kostenlos - zusammen mit den Radiergummis - von der Schule erhalten. Papier, welches im Unterricht benötigt wird, ist, wie alle Lehrmittel, kostenlos. Lineale, Farbstifte und andere Utensilien stehen in Klassensätzen den Schülern im jeweiligen Unterrichtsraum zur Verfügung und werden bei Bedarf ausgegeben.

Nachträgliche Täuschungsversuche, insbesondere nach Rückgabe der mit Bleistiften abgefassten Klausuren, wurden von den Kollegen ausgeschlossen.

Die Jakobsgardskolan, an der ich hauptsächlich hospitieren und unterrichten durfte, ist Teil eines Schulkomplexes, der zu Beginn der 80er Jahre gebaut wurde und zwei weitere Grundschulen für die Jahrgänge 1-6, zwei Kindergärten sowie eine Schule für Behinderte beherbergt. Die 350 Kinder, die die Jakobsgardskolan besuchen, werden von 35 Lehrern betreut. In jeder Klasse sind ca. 23-25 Schüler.

Die Jakobsgardskolan ist, wie alle schwedischen Schulen, eine Ganztagsschule mit der Möglichkeit, das Essen, welches jeden Tag frisch in der Schule gekocht und zubereitet wird, dort kostenlos einzunehmen.

Doch nicht nur Schule stand auf meinem 14-tägigen Besuchsprogramm. Nach dem nächtlichen Fischfang am ersten Wochenende wurde am zweiten Wochenende Hand angelegt, um das für alle Schweden typische Sommerhaus am See winterfest zu machen. Da wurde das schwere Ruderboot aus dem See gewuchtet, die Pumpe entwässert, Gartenmobiliar im Haus verstaut und alles wetterfest gemacht. Auch das bereits erwähnte Fischernetz mußte für den Winter gereinigt und zum Trocknen aufgehängt werden, was uns letztlich mit einer ganz besonderen Duftnote versah. Nachdem dann noch 150 m Hecke von beiden Seiten geschnitten und die Dachrinnen gereinigt waren, konnte der Winter kommen.

Die Kupfergruben von Falun waren ebenso Ausflugsziel wie ,,geheime Stellen“ am Siljan See, die ein oft überwältigendes Panorama, getaucht in herbstlich warmes Licht, eröffneten. Der Duft des Wassers und der Wälder liegt mir noch heute in der Nase.

Bären gab es auch, und gelegentlich hörte man im Dickicht des Waldes merkwürdige Geräusche, ein Knacken und Knistern. Es mögen aber auch Trolle und Nissen (Berg-, Wald und Seegeister) gewesen sein, die nur der sieht, der auch an sie glaubt.

Als wir uns dann nach zwei Wochen voneinander verabschiedeten, wußten wir, daß Leif und ich sowie unsere Familien uns auf alle Fälle wiedersehen würden. Außerdem wollten wir auch versuchen, unsere Schüler zueinander zu bringen, vielleicht eine Schulpartnerschaft einzugehen.

All diese Gedanken bewegten mich, als ich nach zwei aufregenden und ,,arbeitsreichen“ Wochen Schweden wieder mit den Errungenschaften des Düsenzeitalters verließ.

Ulrich Lauber

Es war so Mitte Januar 1996. Draußen klirrender Frost, Seen und Kanäle zugefroren, das Thermometer im Minusbereich mal echt gefordert. Drinnen wohlige Wärme, Gedanken an den Sommer und ein Teller mit dem verbliebenen Weihnachtsgebäck, dazu Glühwein (für die innere Wärme) und ein gutes Buch - ich glaube, es war der Bericht über das Schicksal der Franklin Polar-Expedition 1848 mit dem Titel, “Der eisige Schlaf“.

Unsanft wird diese abendliche Idylle von einer Errungenschaft der Neuzeit unterbrochen - das Telefon klingelt. Die ,,frostige" Lektüre aus der Hand gelegt ergreife ich den Hörer und vernehme eine wohlvertraute Stimme, die mich auf Deutsch mit schwedisch-österreichischem Akzent begrüßt: ,,Ja! Hallo Uli, ich bin's. Du, wie geht es Dir?"

Es ist Leif aus Leksand, der Kollege, der an der Jakobsgardskolan in Borlänge unterrichtet (der aufmerksame Leser erinnert sich noch!), der Freund aus Schweden. Wir plaudern über Weihnachten, das neue Jahr und unsere Familien. Wir vergleichen die Temperaturen: Deutschland gewinnt in diesem Winter mit Längen - bei uns ist es im Januar kälter als in Schweden, dafür liegt dort mehr Schnee.

Nach geraumer Zeit rückt er mit der Sprache heraus: ,,Du kennst doch meinen Deutschkurs aus der 9. Klasse?" Ich entsinne mich, daß ich in einem Deutschkurs unterrichtet hatte, damals im Herbst. Auf Anhieb fallen mir drei Namen ein, Linn' Anna und Therese. Mit ihnen hatte ich auch außerhalb der Unterrichte mal auf ,,deutschschwedischnorwegischenglisch" geplaudert - auf jeden Fall hatten wir uns gegenseitig verstanden! Ich bestätige Leifs Nachfrage und er fährt fort: ,,Du", sagt er, ,,die haben sich vorgenommen, ihre Abschlußfahrt am Ende der 9.Klasse nach Deutschland zu machen und möchten gerne in das ,,sonnendurchflutete" (Originalzitat) Castrop-Rauxel kommen. Wie sieht es damit aus? Was meinst Du? Ist das möglich?"

Ich denke lange und reichlich nach, und nach 1 Sekunde steht meine Antwort fest: ,,Natürlich wird das möglich sein, und ich denke, auch in der Schule wird man sich über dieses Vorhaben sehr freuen."

Das Gespräch wird noch eine Weile fortgesetzt, Details ausgetauscht - so z.B. der geplante Besuchstermin in der Pfingstwoche - und letztlich verbleiben wir mit guten Wünschen für unsere Familien und weiteren, ständigen Kontakten in bezug auf die gewünschte Klassenfahrt.

Wie bereits am Abend zuvor angenommen stieß der Wunsch der schwedischen Schü1er auch in der Schule auf positive Resonanz, und man ließ mir freie Hand bei der Planung mit der Zusage jedweder Unterstützung.

Seit unserem Lehreraustausch im Herbst waren gerade einmal knapp 3 Monate vergangen und unsere gemeinsame Absicht, auch Schüler an einem Austausch teilnehmen zu lassen, sollte nach so kurzer Zeit Realität werden. Nicht genug damit! Unsere Absicht ging ja noch weiter. Wir wollten versuchen, eine Schulpartnerschaft zwischen der Jakobsgardskolan in Borlänge und der Willy-Brandt-Gesamtschule in Castrop-Rauxel einzugehen. Es sollte etwas von Dauer werden, eine feste Institution mit regelmäßigen gegenseitigen Besuchen von Schülern und Lehrern in der jeweiligen Partnerschule. Diese Zielsetzung, der Wunsch nach einer solchen Schulpartnerschaft, war auf beiden Seiten gleich groß.

Die Planung begann also im Januar. ,,Der eisige Schlaf" mußte erstmal weiterruhen und die Suche nach Gastfamilien unter unseren Schülern des 10. Jahrgangs leitete die gesamte Aktion ein. Letzteres erwies sich zunächst als sehr problematisch, da gerade viele Familien die freien Tage in der Pfingstwoche verplant hatten. Die Resonanz war zunächst also schwach, so daß weitere Nachfragen und Elternbriefe nötig wurden. Der Kreis der möglichen Gastfamilien wurde erweitert, und auch die 9. Jahrgänge sowie die Oberstufe einbezogen.

Inzwischen stand auch die Zahl der schwedischen Schüler fest, die uns besuchen wollten: 9 Mädchen und 2 Jungen sowie der Kollege Leif nebst einer weiteren Begleitperson.

Dank moderner Kommunikationsmittel klappte der Datenaustausch zwischen Borlänge und mir reibungslos und schnell: ein Fax jagte das andere und Änderungen, Wünsche oder Anregungen konnten sofort in die Gesamtplanung einfließen.

Das Rahmenprogramm entstand langsam und war bis Ostern weitgehend vertraglich unter Dach und Fach, wenngleich zu dem Zeitpunkt erst knapp die Hälfte der schwedischen Gäste untergebracht war. Erneut hieß es durch die Klassen tingeln und ein wenig ,,klappern", Bereitschaft zu erzielen und Neugierde zu wecken.

Weitere Schüler und deren Eltern waren bereit, einen schwedischen Gast für eine Woche aufzunehmen, und letztlich waren alle untergebracht, ja, gab es sogar zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten. Das Spektrum der Partnerschüler unserer Schule war weit gefächert und von Jahrgang 9 bis Jahrgang 12 alles vertreten.

Inzwischen zeichnete sich ab, daß das Rahmenprogramm für die schwedischen Gäste und unsere Schüler doch einiges an Kosten verursacht, und seitens der Stadt und leerer Kassen diesbezüglich keine Hilfe zu erwarten war. Natürlich wollten wir nicht die Gäste und unsere Gastfamilien für alles zahlen lassen. Die große Frage lautete also: ,,Wie kommen wir an Geld ????"

,,Not macht erfinderisch", und so entschied ich mich, einfach dort nach ,,Geld zu suchen", wo ich tagtäglich arbeitete: in der Schule. Ich hängte eine Spendenliste aus, versah diese im Vorwort mit einer kurzen Erläuterung meiner Absicht und wartete. Lange brauchte ich jedoch nicht zu warten, denn schon am ersten Tag trugen sich die Kolleginnen und Kollegen mit ansehnlichen Beträgen in die Liste ein. Die nachfolgenden Wochen verlängerten die Liste der finanziellen Hilfe erheblich, und eine Kollegin kommentierte die Aktion mit den Worten: ,,Bei so großer Bereitschaft ist es schon fast ein ,,Muß", sich auf dieser Liste einzutragen."

Das Resultat der Sammlung nach einigen Wochen: DM 780,00. Hierfür auch an dieser Stelle allen Spendern im Kollegium und von außerhalb herzlichen Dank. Die wesentlichen Kosten des Besuchsprogramms für alle Beteiligten konnten hiervon bestritten werden, so daß die Belastung für den einzelnen Schüler sehr gering blieb.

Und dann war es soweit! Die Schweden kommen - nicht Ausruf des Entsetzens wie im 30-jährigen Krieg, sondern Anlaß großer Freude, besonders bei den an der gesamten Aktion beteiligten Schülern, Eltern und Lehrern.

Nach einem gemütlichen Kaffeetrinken und der ersten Kontaktaufnahme in der Mensa unserer Schule am Pfingstmontag ging es erstmal in die Gastfamilien zur Erholung von der langen Reise und von den Strapazen einer Bahnfahrt. Auch der zweite schwedische Kollege, Lennert Karlhager, fand freundliche Aufnahme bei einem Kollegen und wollte zuguterletzt gar nicht wieder abreisen!!

Der Dienstag stand ganz im Zeichen der abendlichen Veranstaltung für unsere schwedischen Gäste in Bochum: Starlight-Express stand auf dem Programm und die Schweden genossen die Aufführung nachhaltig. Um 22:45 Uhr ging's dann zurück nach Castrop-Rauxel, wo die Schweden von ihren Gastfamilien abgeholt wurden.

Am Mittwoch war wieder Schule - auch für die Gäste. Nun mußten sie auf ihrer Klassenfahrt nicht den ganzen Tag die Schulbank drücken, jedoch bekamen sie die Gelegenheit, auch mal in eine deutsche Schule hineinzuschnuppern, Deutsch-, Englisch- oder Mathematikunterricht bei uns mitzumachen. In vielen Fällen blieb es bei der Unterrichtsabsicht, denn zunächst wurden den schwedischen Gästen ,,Löcher in den Bauch gefragt“, im einen oder anderen Fall sorgte auch die Anwesenheit insbesondere der schwedischen Schülerinnen für ,,hormonelle Turbulenzen“ bei unseren männlichen Schülern.

Hormone hin, Hormone her - am Nachmittag wurde es offiziell. Frau Bürgermeisterin Wellmann empfing die gesamte Gruppe. Es gab Sekt und Orangensaft, kleine Geschenke und last but not least überreichten die schwedischen Gäste mit den besten Grüßen aus Borlänge ein Tischbanner ihrer Stadt.

Während drinnen noch der letzte Sekt getrunken wurde, formierte sich die Gruppe draußen zum Gruppenbild für die Lokalpresse.

Die anschließende Stadtrundfahrt, moderiert von Frau Delord und begleitet von Radio FIV, führte uns vorbei an Bekanntem und Unbekanntem, zeigte aber auch, daß Castrop-Rauxel als Stadt im Ruhrgebiet ein grünes Herz besitzt.

Den Abschluß der Rundfahrt bildete ein Besuch im Hebewerk in Henrichenburg. Angesichts so vieler technischer Details und drückender Hitze kapitulierte ein Großteil der Gäste und Schüler recht schnell vor der Wortgewaltigkeit des Museumsführers und seiner Erklärungen.

Der Abend gehörte den Schülern allein und man munkelte, daß die Kneipenszene, insbesondere der „Heuwagen“ in Deutsch-Schwedischer Hand gewesen sei.

Der Donnerstag wurde um 7:25 Uhr eingeleitet durch die Radio-FIV Übertragung der Interviews vom Vortag. Danach stand nach der obligatorischen Teilnahme am Vormittagsunterricht das Bergbaumuseum in Bochum auf dem Programm.

Mit viel Sorgfalt und Einfühlungsvermögen erzählte der Museumsführer in englischer Sprache unseren deutschen Schülern und ihren schwedischen Gästen Wissenswertes zur Geschichte des Bergbaus in der Region, so daß wir nach 45 Minuten ,,unter Tage" mit guten Eindrücken und Informationen wieder ins Tageslicht entlassen werden konnten.

Der Rest des Nachmittags gehörte dem Konsum und dem Müßiggang in der Bochumer Innenstadt, und so manche Krone und DM wird hier für Geschenke und Souveniers den Besitzer gewechselt haben.

Das abendliche Grillvergnügen bei Stefanie Metzler soll sehr kurzweilig gewesen sein und gar mancher litt am Folgetag unter Schlafmangel, war indisponiert und benötigte ein Alka Seltzer zum Frühstück.

Und so war am Freitag auch die Dynamik einzelner Schüler ein wenig gebremst. Man zog es vor, sich geistig und körperlich auf die am Abend stattfindende große Fete ,,Bands against Aids" und ,,Castrop kocht über" vorzubereiten.

Zum Abschied und zur Bekräftigung der neuen Schulpartnerschaft gab es für die schwedischen Gäste von Seiten der Schulleitung noch ein wertvolles Buchgeschenk mit eindrucksvollen Illustrationen und Bildern aus Castrop-Rauxel und der Region.

Eine kleine Delegation nahm noch die Gelegenheit wahr, am Nachmittag Radio FIV zu besuchen, um mit reichlich Informationen und Werbegeschenken versehen anschließend auch den letzten gemeinsamen Abend anzugehen.

Der Abend war für alle ein Erlebnis und es kursierten Gerüchte, daß die letzten erst am kommenden Morgen gegen 8:00 Uhr schadlos, jedoch übermüdet die heimischen Gefilde erreichten. Wie gesagt, nur Gerüchte!

Am Nachmittag führte der Abschiedsschmerz die Regie des Tages. Ein paar gemeinsame Tage waren vorüber, und man hatte viel Spaß miteinander gehabt. Freundschaftliche Bande waren geknüpft worden und so mancher schwedische Schüler begann erst jetzt so richtig ,,aufzutauen". Nun hieß es also Abschied nehmen, und alle waren zum Bahnhof gekommen: Schüler und Eltern, ein großartiges Bild, das das gesamte Besuchsprogramm freundlich beschloß. Man fiel sich noch einmal in die Arme, es gab Photos und den small-talk über gemeinsame Aktionen und Erlebnisse während der letzten Tage, und dann kam auch schon der Zug. Die ersten Taschentücher wurden noch am Bahnhof gezogen.

Kurzer Aufenthalt: ,,Die Türen schließen automatisch - zurückbleiben!" Der Zug rollt an. Es wird gewunken und noch einmal zugelacht. Dann sind wir außer Sichtweite, der Technik mal wieder ausgeliefert, wären vielleicht gerne noch ein paar Minuten geblieben. Die Tränen fließen nun heftiger, auch Leif, Lennert und ich sind still, schlucken ein-, zweimal und lassen die Woche still vorüberziehen. Wir nehmen unsere Eindrücke mit. Die kann kein Zug mit sich nehmen.

In Dortmund sieht die Welt schon wieder ein wenig rosiger aus der Abschiedsschmerz muß den ersten Süßigkeiten weichen, die zum Teil liebevoll von den Gasteltern mitgegeben und eingepackt wurden. Letzte Umarmungen, und der IC nach Hamburg trennt nun auch mich von den schwedischen Gästen, die hinter den getönten Scheiben des klimatisierten Abteils kaum noch zu erkennen sind.

God tur, och vi sis i Borlänge!

Nun haben wir eine Partnerschule, und Partnerschaft lebt nur, wenn man miteinander redet, sich schreibt oder sich besucht. Wir planen weitere Kontakte zur Jakobsgardskolan und natürlich einen ersten Gegenbesuch im kommenden Frühjahr Dank der Unterstützung unserer Schüler und deren Eltern sowie vieler anderer Beteiligter haben wir Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen können, die hoffentlich auch über die Schule hinaus Bestand haben.

Ulrich Lauber





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008