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Elchjagd in Alberta© by Ralf Lipka Es war ein unglaublich großes Tier, daß wußte ich genau, doch gerade dann, als ich mit dem kanadischen Guide Brian inSchußweite war, ist der Bulle, einer Kuh mit ihrem Kalb folgend, zwischen den Schwarztannen verschwunden... Die Pirsch Wir lassen das kleine Aluminiumboot nun langsam auf eine Landzunge zutreiben, vor der hohes Binsengras wächst. Brian hat die Hoffnung scheinbar noch nicht aufgegeben. Er ist sogar sichtlich zufrieden, daß die Kuh den Bullen vom Wasser in den Wald gelockt hat. "Ich hoffe, daß sie den Bullen möglichst weit weg lockt!", sagt Brian auf meinen fragenden Blick hin. "Wir bekommen so die Chance, das Boot so zu stellen, daß wir in guter Position bleiben. Der Bulle kommt, wenn wir es wollen.", erklärt Brian weiter. Inzwischen bringt uns die Strömung genau in den Winkel zwischen dem Ufer und der daraus hervorragenden Landzunge. Brian läßt vorsichtig den hinteren Anker aus dem Boot gleiten. Der Anker ist ein dickerStein, der an einem ca. 3m langen Tau befestigt ist. Die leichte Strömung zieht das Boot nun etwas herum. Als der Bug dann in die richtige Richtung zeigt, lasse ich den vorderen Anker ins Wasser. Das Boot liegt nun so, daß der Bug auf die Stelle zeigt an der die drei Elche in den Wald zogen und das Heck zur Spitze der Landzunge weist. Ich habe nun das gesamte Ufer der kleinen Bucht als Schußfeld. Die Entfernung zum Ufer ist nach meiner Schätzung ungefähr 150m entfernt, doch ich frage lieber Brian, der die Verhältnisse besser kennt als ich. "Nun, ich denke, daß Du etwa mit 200m rechnen mußt. Vielleicht auch etwas mehr.", sagt er lächelnd. "Du hast aber gleich ein schönes großes Ziel, warte ab.", beruhigt er mich. So hatte ich mir das nicht vorgestellt Das kleine Boot schwankt schon wenn ich das Fernglas anhebe. Ich drehe die Vergrößerung des Zielfernrohrs zurück auf 8. Brian bietet mir eine seiner starken Zigaretten an. "Wir haben noch Zeit. Weißt Du jetzt, warum die Kuh uns einen Gefallen getan hat?". Ich weiß es, denn ich werde noch einpaar Minuten brauchen bis ich mich in der Situation wohl fühle. Die Vorgeschichte Vor schon sieben Tagen wurden wir mit einem Wasserflugzeug allein in der Wildnis abgesetzt. Wir sind nicht weit von der Grenze zu den North-West-Territories, weit im Norden von Alberta. Ich kam mit einer Gruppe von sieben befreundeten Jägern nach Kanada. Wegen der Größe der Camps wurden wir aufgeteilt. Vier ins Hauptcamp, zwei in ein weiteres Camp und ich allein, von meinem Guide abgesehen, in ein ganz neues Camp. Ich war froh darüber, denn intensiver kann man die Wildnis nicht genießen und Brian ist ein richtig uriger Typ mit viel Humor. Brian ist ein sehr aufgeschlossener Mensch, der sehr viel über die jagdlichen Gepflogenheiten in Kanada erzählt. Sehr geduldig bringt er mir die englischen Fachausdrücke bei, obwohl ich der festen Überzeugung bin, daß der größte Teil davon Umgangssprache ist. Er lacht besonders laut, wenn ich als Greenhorn, gerade einmal zu einer mehr oder weniger flüssigen Unterhaltung fähig, ihn auf sprachliche Fehler hinweise. Dabei möchte ich nur wissen, ob die Redewendung in Kanada so üblich ist. Indian Summer Der Indian Summer zeigt sich von seiner besten Seite. Goldgelb leuchten in der Sonne die kleinen Birken, die rund um den See und zwischen Schwarztannen und Kiefern wachsen. Der See ist durchschnittlich zwei Kilometer breit und etwa sechs Kilometer lang. Kaum zu glauben, daß der See fast vollständig von Bibern gebaut wurde. Das ganze Ufer ist aber eindeutig eingedämmt worden. Wie viele Biber-Generationen mögen dafür nötig gewesen sein? Die Dämme sind bestimmt schon über hundert Jahre alt und teilweise mit Bäumen bestanden. Um den See herum ist es bis auf wenige Hügel sehr flach. Die Bäume, vom Ufer entfernt, sind hauptsächlich Kiefern, die im Abstand von fünf bis fünfzehn Metern recht karg wachsen. Der lichte Boden, frei von Sträuchern oder Unterholz, ist bedeckt von einer dicken Schicht blaugrauem Moos. Hin und wieder findet man ausgedehnte Blaubeer-Flächen, deren Früchte nicht nur den Schwarzbären schmecken, sondern auch uns ein vorzügliches Dessert bieten. Heute morgen begann der Tag wie auch sonst immer. Sternklar und bitterkalt. Wecken war um fünf Uhr und schon längst war der Ofen im Zelt kalt. Hier, so weit im Norden war der Indian Summer sehr kalt. Die Temperatur lag morgens bei zwölf Grad unter dem Gefrierpunkt und am Tage bei vier Grad. Brian machte sich schon bei der Ankunft Sorgen über den See. Es wird nicht lange dauern bis er zufriert. Morgens war das dünne Eis am Ufer gute drei Meter breit und taute durch Strömung und leichte Wellen wieder ab. Auch heute morgen mußten wir uns beim ablegen mit dem Boot das Eisbrechen. Die ersten Jagdtage
Noch in der Dunkelheit brachen wir auf. Der kräftige Außenborder und das brechende Eis machten einen ungeheuren Lärm in der Einsamkeit. Zuerst führte uns der in eine kleine Bucht am Westufer. Die Sonne sollte uns so früh wie möglich erreichen. Als wir vor Anker gingen, begann es gerade zu dämmern und die Sonne hat uns noch lange warten lassen. Ich dachte wie jeden Morgen, daß heute der große Tag werden würde, obgleich ich schon fast die Hoffnung verloren hatte. Ich merkte, daß Brian auch immer unzufriedener wurde. Wohin wir in den vergangenen Tagen auch gingen, fanden wir unzählige Elchfährten vor. Leider aber, war die frischeste Fährte schon zwei oder drei Tage alt. Die Elchbrunft war auf ihrem Höhepunkt, doch bisher hatten wir keinen Elchruf gehört. Am dritten Jagdtag sahen wir vom Boot aus kurz ein Kalb, welches wohl der Mutter in den Wald folgte. Doch selbst die Kuh ließ sich durch den nachgeahmten Elchruf nicht ans Ufer zurück locken. Warum auch, denn schließlich ist sie wegen dem Boot von dort geflüchtet. Auch Schwarzbären oder Wölfe ließen sich nicht sehen. Letztere hatten wir jedoch schon gehört. Ich zweifelte schon lange daran, daß die Jagd vom Boot überhaupt sinnvoll ist. Aber was soll man schon machen. Der Wald ist so licht, daß jedes Stück Wild uns eher bemerken würde, als daß wir es sehen könnten. Die kleinen Dickungen am Ufer sind wiederum so dicht, daß man sie kaum betreten kann. Also, vom Boot hat man das größte Sichtfeld. Was wäre wenn...
Ich malte mir auch an diesem Morgen aus, wie es wäre, wenn der Bulle dort ans Ufer treten würde. Oder würde er dort zwischen den Schwarztannen ziehen? Nun, ich hatte wie jeden Morgen eine blühende Fantasie. Die Kälte wurde so erträglicher. Ich hatte nicht bemerkt wie die Sonne empor kam. Plötzlich erstrahlte das ganze Ufer in grellem goldenen Licht. Die Sonne hatte noch keine Kraft, aber es gab Hoffnung, daß es wenigstens wärmer wurde. Gleichzeitig war es aber auch das Zeichen, daß es wohl auch heute früh keinen Elch geben würde. Brian ließ erneut seinen Elchruf erschallen. Ich blickte auf die Uhr und sah, daß seit dem letzten Ruf nicht mal zehn Minuten vergangen waren. Weil ich inzwischen wußte, daß alle 20 Minuten gerufen wird, war mir klar daß auch Brian nicht mehr wirklich an ein Jagdglück dachte. Dann halt Angeln
Missmutig legte ich den Repetierter zur Seite und griff zur Angel. Hechte gab es wenigstens. Brian folgte meinem Beispiel wortlos. "Hier Elche zu jagen ist so als wenn man in den 80ern zum Einkaufen nach Dresden gereist wäre!", sagte ich. Brian grinste und fragte wie das meinen würde. Nun hatten wir ein Thema über das wir uns leise unterhielten. Zum zweitenmal warf Brian seinen Blinker aus, als schon ein Hecht biß. Um ihm zu helfen holte ich so schnell wie möglich meine Schnur ein, die auch erst zum dritten Wurf gehörte. Mein Blinker hob gerade aus dem Wasser, da sah ich einen großen Schatten unter mit. Ich stippte den Blinker kurz zurück und der Hecht war mein. Da hatten wir zwei Exemplare, die es zu bergen galt. Brian meinte sofort: "Schön, daß ist mehr als wir essen können, lass uns zurückfahren." In den sieben vergangenen Tagen hatten wir insgesamt achtzehn Hechte hauptsächlich dadurch gefangen, daß wir auf dem Heimweg den Blinker rechts und links neben dem Boot herzogen. Die meisten warfen wir zurück, weil wir soviel nicht essen konnten. Ich hätte gern auf alle Hechte verzichtet, wenn ich dafür nur einen Bullen rufen gehört hätte. Der besondere Tag
Wie jeden Morgen fuhren wir eine große Schleife zum Camp zurück um das Ufer nach Elchen abzuleuchten. Wir waren vielleicht zweihundert Meter weit gekommen, als Brian den Motor drosselte. "Schau darüber, zum anderen Ufer, Was ist das Schwarze dort?", fragte er. Ich nahm das Glas und schaute in die Richtung in die er zeigte. Die Prozedur kannte ich bereits, denn auf diese Weise habe ich bereits das Ufer besser kennen gelernt als meinen eigen Garten. Auch Brian war es schon fast unangenehm, immer wieder falsche Hoffnungen zu machen. Er gab bereits wieder Gas, als ich auf deutsch rief: "Halt, warte noch. Das ist kein Baum." Brian hielt den Motor an, denn mein deutsch sagte ihm zumindest, daß dort etwas außergewöhnliches zu sehen war. Ich konnte trotz der 8fachen Vergrößerung durch das Glas nichts genaues erkennen, doch der dunkle Fleck war so schwarz, daß es er sich auch vom Schatten der Bäume deutlich abhob. Der schwarze Fleck...
Trotz der Erregung dachte ich daran, wie geschult die Augen des Guides sein mußten, wenn er den Fleck auf die Entfernung bemerkt hatte. Ein Schwarzbär dachte ich, als ich das Glas absetzte und die Waffe griff. Brian gab wieder Gas und warf das Boot scharf herum. Er steuerte mit Vollgas direkt auf das mögliche Ziel zu. Inzwischen hatte ich die Vergrößerung des Zielfernrohrs auf 12 gedreht, meinen Rucksack auf die Bank gelegt und mich dahinter gekniet. Das Boot hatte eine solche Geschwindigkeit, das es bis auf wenige Wellen recht ruhig das Wasser durchpflügte. Es reichte zumindest um den Punkt wiederzufinden. Wir hatten die Mitte des Sees erreicht, als Brian die Geschwindigkeit drosselte und das Boot nun langsamer durch das Wasser glitt. Jetzt konnte ich klare Umrisse erkennen, doch was ich sah war verwirrend. Die Konturen passten zu keinem Lebewesen. Ich war enttäuscht, doch auch neugierig. Was sah ich dort, fragte ich mich. Die Erkenntnis
Dann blitzte etwas helles auf. Etwas hatte sich bewegt, da war ich mir sicher. Bald glaubte ich Schaufeln zu erkennen, die nochmals hell aufblitzten, doch das konnte nicht sein, denn die Stelle an der ich die Schaufeln glaubte zu sehen, war mittig über dem Wildkörper, welcher wiederum anatomisch unmöglich war. Dann kam des Rätsels Lösung. Aus dem schwarzen Fleck wurden zwei. Ich erkannte eindeutig zwei Elche, die versetzt hintereinander standen und sich nun optisch voneinander trennten. Ein Bulle war dabei, denn das Helle waren tatsächlich die Schaufeln. Ohne mich umzuwenden, hob ich den Daumen um dem Guide endlich eine Information zukommen zulassen. Er drosselte nochmals die Geschwindigkeit und sagte mit deutlich erkennbarer Freude: "Laß' Dir nur nicht einfallen zu schießen, denn der Lauf ist noch unter der Bordwandung und Du hast keine Raketen." Daß es noch zu weit war wußte ich trotz der ansteigenden Nervosität, denn trotz der Vergrößerung verdeckte das Kreuz meines Absehens Nr.4 den gesamten Brustkorb. Ohne ihm zu antworten beobachtete ich die Elche weiter. Ich fragte mich, wie lange wir bei der Geschwindigkeit benötigen würden, bis wir auf Schußentfernung sind. Sogleich fragte ich Brian wie er gedachte mit dem Motorboot an die Elche heranzukommen. "Die haben noch nie ein Boot gesehen.", sagte er. Die "Anpirsch"
"Elche sind neugierig. Die werden sich nicht nehmen lassen das Boot zu beobachten. Außerdem erkennen sie keine Bewegung von uns, da wir direkt auf sie zuhalten. Bleib' ruhig. Heute wird ein anstrengender Tag.", erklärte er weiter. Die Zeit schien sich ins Endlose zu ziehen. Nur langsam wurde das Ziel größer. Die Elche verhofften tatsächlich. Vom einäugigen Beobachten müde, setzte ich mich auf. Inzwischen konnte man die Situation sehr gut mit bloßem Auge erkennen. Brian fluchte leise, denn in diesem Moment tauchte neben der Kuh ein Kalb ins Blickfeld. Ich sah Brian an. "Wegen dem verfluchten Kalb wird die Kuh uns nicht besonders lange aushalten", sagte er flüsternd. Das Motorgeräusch ließ mich die Worte nur erahnen. "Mach' Dich fertig!", sagte er. "Heute mußt Du vielleicht zeigen, daß Du zu schießen gelernt hast." Ich dachte mir, daß ich die Worte möglicherweise falsch verstanden hatte, doch Brian meinte es ernst. Ich versuchte den Rucksack hochkant auf die Bank zu stellen, damit der Lauf über den leicht hochgezogenen Bug zu liegen kam. Als ich anlegte um Maß zu nehmen, sah ich die Elche bereits aus dem Wasser steigen und das Kalb verschwand bereits zwischen den ersten Stämmen. Für einen Schuß eine unmögliche Situation. Auf diese Entfernung zu schießen wäre Wahnsinn gewesen, zumal auf ein sich bewegendes Ziel. Fast erleichtert hörte ich den Guide sagen: "Warte, es ist noch zu weit. Ich habe eine bessere Idee!" Er stellte den Motor ganz ab und das Boot glitt nun langsam auf die Stelle zu, von der das Geräusch brechender Zweige zu uns herüber schallte. Bange Minuten...
Brian wirft den Stummel seiner Zigarette über Bord. Das zischende Geräusch unterbricht meine Anspannung. Laut ertönt darauf der Ruf eines Bullen aus einem Trichter, den der Guide aus Birkenrinde zusammengedreht hatte. Schon oft hatte ich diesen Ruf aus seinem Munde gehört, doch niemals zuvor in einer Situation, in der mit so hoher Wahrscheinlichkeit der Ruf auch gehört wurde. Ganz leise erklärt Brian: "Es muß ein Bullenruf sein, denn Dein Bulle scheint trotz der Größe noch recht jung zu sein. Bevor die Kuh ihn rann läßt, wird sie prüfen wollen ob nicht ein älterer Bulle da ist." Ich nicke, denn es ist mir in dem Moment egal warum die Kuh zurückkommt. Hauptsache der Bulle folgt ihr, denke ich. Als wenn der Guide Gedanken lesen könnte sagt er wispernd: "Er wird ihr folgen, denn keiner weiß besser wie viele Bullen hier sind als ein Elchbulle. Mich kennt er nicht und er wird sehr neugierig sein." Bestimmt zum zwanzigstenmal überprüfe ich den Zustand meines Gewehrs. Nun nimmt auch Brian sein Ding, was mehr Rost als Brünierung aufweist und mehr einem Scheit Kaminholz gleicht als einem Präzisionswerkzeug. Ich muß grinsen, denn das verhältnismäßig neue Zielfernrohrscheint die Waffe eher verhöhnen zu wollen. Das Kaliber .300 Savage sollte seiner Aussage nach aber noch beste Schußleistung bringen. Er wird es wohl wissen, denn beim Militär war Brian zum Scharfschützen ausgebildet worden. Während meine Unruhe langsam nachläßt, beobachte ich wieder das Ufer. Erneut ruft Brian als Elch den Rivalen. Keine Antwort bisher. Ich sehe ihn fragend an und Brian winkt lässig ab. Ein Vogel fliegt auf. Jetzt weiß ich instinktiv, daß der Moment bald gekommen ist. Auch Brian legt den Elchruf ins Boot und ergreift sein Gewehr. Ich sitze rittlings auf der Bank, als ein deutliches Knacken zu hören ist. Woher kam das Geräusch nur. Hastig fliegt mein Blick entlang der Uferlinie hin und her. Das Geräusch wiederholt sich. Noch einmal. Jetzt hört man deutlich Schritte. Ein großer schwarzer Körper schiebt sich durch die letzten Bäume eines kleinen Birkenhains. "Die Kuh!", zischt Brian. Das Tier zieht ohne uns zu beachten ins Wasser. Es ist nicht tief. Ich bin erleichtert, daß wir nicht stören, obwohl das Boot völlig ohne Deckung vor Anker liegt. Wellen schlagen recht laut gegen die Aluminiumwandung. Erstaunlich leise taucht plötzlich der Bulle an der gleichen Stelle auf, an der zuvor die Kuh die Deckung verlassen hat. Der Bulle bleibt stehen. Kurz vor dem Schuß
Noch ist der Körper verdeckt und eigentlich steht der Bulle zu spitz. Dennoch flüstert der Guide: "Der Bulle! Schieß!". In diesem Augenblick werde ich unglaublich nervös, doch gleichzeitig habe ich das Gefühl, daß ich alle Zeit der Welt habe. Ich hebe die Waffe nicht. Brian bleibt still. Der Bulle schlägt mit den Schaufeln in die Birken. Es steht schon besser. Ich suche das Kalb, doch sehe ich es nirgends. Jetzt steht er wieder zu spitz, denke ich als er langsam einen Schritt vor tritt. Ich spüre wie Brian vor Wut platzen könnte, denn ich habe den Repetierer immer noch nicht im Anschlag. Dann kommt der Moment auf den ich so lange gewartet hatte. Der Bulle stellt sich breit und ist ohne jede Deckung. Wie auf dem Schießstand. Ich hebe langsam das Gewehr in den Anschlag, ziehe seitlich und von vorn in das Ziel und der Schuß bricht hochblatt. Die .375 Holland & Holland gibt dem Boot einen Ruck, daß sich die Ankertaue spannen. Trotz des Rückschlags bin ich bald wieder auf dem Wildkörper und die Waffe ist nachgeladen. Der Bulle steht genau so wie ich ihn durch das Feuer gesehen hatte. Ich bin verwirrt. Er hat nicht gezeichnet. Ich schieße erneut und diesmal komme ich noch höher, fast schon an der Rückenlinie ab. Sofort bin ich wieder schußbereit im Ziel, denn wieder hat der Bulle nicht gezeichnet. Erneut zu schießen bringt keinen Sinn, denke ich, denn ich weiß nicht wohin die schweren TUG Projektile treffen. Ich komme mir vor wie in einem Film, der in Zeitlupe gedreht wurde. Der Bulle dreht sich in unsere Richtung. Bei der Bewegung sehe ich, daß der Vorderlauf einknickt. Er hat Schuß und immer noch zu tief, kommt mir in den Sinn. Das kann nicht sein! Ohne weiter darüber nachzudenken bricht der Schuß über dem Haupt zwischen den Schaufeln. Ein Zittern durchfährt den Bullen. Er schwankt. Brian jubelt und mein Magazin ist leer. Ich bin den Tränen vor Wut und Verzweiflung nahe. Während ich hastig das Magazin fülle, blicke ich voller Ehrfurcht auf den Bullen, der noch leicht schwankend steht. Das Kaliber ist auf Elefanten zugelassen und hier steht nur ein Elch, der aber einfach nicht umfallen will. Als ich erneut in den Anschlag gehe, frage ich mich warum Brian nicht schon längst geschossen hat. Der Bulle steht wieder breit und zeigt uns seine andere Seite. Ich halte jetzt die gleiche Entfernung wie vom Blatt bis zur Rückenlinie über den Elch hinweg. Ein zäher Bursche
Der vierte Schuß löst sich und beidäugig, der Rückschlag hat längst die Waffehochgerissen, sehe ich wie die Wucht der Kugel das mächtige Tier nach hinten wirft. Der Spuk hat endlich ein Ende. Ich schäme mich und scheue mich fast die Gratulation von Brian anzunehmen. Ich kann nicht verhindern, daß mir eine Träne über die Wange rollt. "Warum hast Du nicht geschossen?", frage ich ihn, obwohl ich es eigentlich nicht gewollt hätte. "Ich weiß nicht was los war. Ich kann mir das nicht erklären und ich habe noch nie so schlecht geschossen.", versuche ich zu erklären. Brian schaut mich erst lange an. Dann sagt er ruhig aber ohne Ton: "Es war mein Fehler, doch ich hätte Dir nicht helfen können. Erst als ich sah daß Du zu tief lagst, wußte ich, daß ich mich in der Entfernung verschätzt hatte. Da wußtest Du es bereits schon selbst." Ich bin erleichtert, doch habe ich kein richtiges Vertrauen mehr in meine Waffe. Ich schlage vor, daß wir erst zurück ins Camp fahren um zu frühstücken. Brian ist erfreut, daß ich nicht wie andere Jäger sofort zu dem Bullen möchte. Im Camp macht Brian sich an die Arbeit um ein gutes und reichhaltiges Frühstück zuzubereiten, während ich mir einen Baum suche, der für einen Kontrollschuß geeignet ist. Die Treffpunktlage ist einwandfrei. Ich beschließe, daß ich Brian nicht sagen werde, wie hoch ich beim letzten Schuß abgekommen bin. Ich bin auf die Treffpunktlage im Wildkörper gespannt. Nach dem Essen geht es dann endlich zu meinem Elch. Der Erfolg
Das Boot kommt nur bis zwanzig Meter ans Ufer, dann wird es zu flach. Das eiskalte Wasser läuft schnell in die Gummistiefel, doch das ist mir egal. Mit vorgehaltener Waffe gehen wir den Elch an. Regungslos liegt er mit offenen Augen vor uns. Er ist tot. Ich bin überwältigt, denn es ist mein erster Elch und ich hätte nie gedacht, daß er so riesig ist. Auch Brian pfeift beeindruckt durch die Zähne: "Der tapfere Kerl ist jung und hat nicht besonders große Schaufeln, doch es ist mit Abstand der größte Bulle den ich in den letzten fünf Jahren gesehen habe. Vielleicht der größte überhaupt. Nun laß Dir ein angemessenes Gebet für ihn einfallen!" Beten war noch nie meine Stärke, doch eigenartigerweise fällt es mir heute nicht schwer. Allerdings nur auf deutsch. Sodann suche nach den Einschüssen. Der letzte Schuß ging sauber auf's Blatt, der dritte traf tief im Stich und ist noch vor dem Zwerchfell ausgetreten. Den zweiten Schuß finde ich leicht als Muskeltreffer am Vorderlauf und der erste Schuß ging sicherlich ins Grüne. Staunend stehe ich vor dem Tier als Brian ruft: "Komm' faß an, denn wenn wir bei Tageslicht fertig sein wollen, dann müssen wir uns beeilen!" |
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