31.03. - Elch-Flüsterer bezwingt Elche

gesehen auf www.net-tribune.de

Es gibt nicht viele Menschen, denen es gelingt, einen ausgewachsenen Elch zu bezwingen. Alaskas "Elch-Flüsterer" Rick Sinnott jedoch hat sowohl den Mut als auch den Grips dazu. In Anchorage ist beides nicht gerade selten gefordert, da die rund 500 Kilogramm schweren Tiere aus den umliegenden Wäldern häufige und eher ungebetene Gäste in dem kleinen Küstenstädtchen sind. Die Elche haben anscheinend auch eine besondere Neigung, in Schwierigkeiten zu geraten: Mal verhaken sie sich mit ihrem Geweih in Weihnachtslichterketten, mal brechen sie im Eis ein, stecken im Moor fest oder finden nicht mehr aus den engen Straßen heraus.

Nähern sich ihnen dann Menschen, geraten sie in Panik und greifen an. "Sie sind die gefährlichsten Tiere in der Stadt", sagt Sinnott. Grizzlybären, Wölfe, Füchse und Kojoten würden viel seltener Menschen attackieren. Jedes Jahr müssten rund ein halbes Dutzend durch Elchattacken schwer verletzte Menschen ins Krankenhaus eingeliefert werden, erzählt Sinnott. Ein älterer Mann wurde attackiert, als ein Elch den Zugang zu seinem Swimmingpool versperrte. Eine Frau wurde in ihrem Hof niedergetrampelt.

Zur Verhinderung solcher Vorfälle wird Sinnott geholt. Der Biologe und Mitarbeiter der Wildtier- und Fischereibehörde weigert sich jedoch strikt, die Tiere mit Betäubungsmitteln ruhig zu stellen. Zum einen aus Kostengründen - ein Schuss mit dem Betäubungsgewehr kostet den Staat rund 220 bis 300 Euro, zum anderen, um den Tieren nicht zu schaden. Seine Methoden seien harmloser: "Manchmal gelingt es, ein Lasso um ein Hinterbein werfen, sie zu Boden zu bringen, auf sie zu springen und ihnen auf den Kopf zu hauen." Oder er versuche, ihre Augen zu bedecken. "Dann werden sie viel ruhiger und hören auf zu kämpfen", sagt Sinnott. Aber häufig genug klappe das alles nicht und die Tiere griffen an.

Einmal ist Sinnott selbst Opfer der Elche geworden. Er habe versucht, einem Jungtier, das sich in einer Hecke verfangen hatte, zu helfen. Zwar habe er sich gedacht, dass die Mutter in der Nähe sei, aber ihr Huftritt kam zu schnell - und sehr heftig. "Ich habe Sterne gesehen."

Viele Zwischenfälle mit den Tieren laufen jedoch eher glimpflich ab. In etlichen der ungefähr 500 Beschwerdeanrufe, die er jährlich bekomme, gehe es darum, dass die Elche kostbare Pflanzendekorationen abkauten. "Im Mai, Juni und Juli sind die Leute verängstigt, weil vielfach Elchkühe mit ihrem Nachwuchs im Hof herumstehen und angreifen, wenn sich Menschen nähern", erzählt Sinnott. Auf solche Anrufe reagiere er nicht, weil er die Kühe nur von einem Hof zum anderen jagen könne.

Nicht jeder ließe sich jedoch mit dieser Erklärung abwimmeln. Dann sage er den Anrufern, er könne nichts tun, außer die Tiere zu erschießen. Das wollten viele Bürger dann auch nicht. In Fällen wirklicher Lebensgefahr hätten die Bewohner von Anchorage allerdings das Recht, die Elche zu töten. Sinnott macht nur in äußersten Notfällen davon Gebrauch. Er sei nicht sehr hartgesotten im Töten von Tieren. Die Entsorgung der Tierkadaver übernimmt er dennoch. Das Elchfleisch spendet er wohltätigen Zwecken. Rund 400 Pfund Fleisch bringt ein großes Tier auf die Waage. Genug, um eine vierköpfige Familie über den Winter zu bringen.

Trotz der häufigen Anrufe sind die meisten Bewohner von Anchorage glücklich über die Elche und anderen Tiere in der Stadt. Vor zehn Jahren äußerten drei Viertel der Bürger in einer Umfrage die Ansicht, sie hätten genau die richtige Zahl von Bären und Elchen in der Stadt. Für Sinnott ist Anchorage denn auch ein gelungenes Beispiel für die Eingliederung der Wildnis in das Stadtleben.

"Viele Menschen haben die Vorstellung, dass die Städte für Menschen sind und die Natur für wilde Tiere." Aber da sich Städte und Farmland weiter ausdehnten und Grünflächen seltener würden, bliebe immer weniger Raum für wild lebende Tiere. "Das könnte eine ganz schön armselige Welt werden", meint Sinnott.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008