gesehen auf www.pnp.de
Anfangs konnte er nicht einordnen, was für ein Tier er da mitten
auf der Straße stehen gesehen hat. Mittlerweile ist ein 58-Jähriger
überzeugt: Das war ein Elchkalb. Es war am vergangenen Samstag,
zwischen 18 und 19 Uhr. „Am helllichten Tag und neblig war es auch
nicht“, erzählt der Mann aus Bad Griesbach.
Auf der Straße von St. Salvator nach Zehentreith, nach einer Kuppe,
bei einem Waldstück, stakste ein Tier auf die Straße, der
58-Jährige bremste, betrachtete das Tier aus 10, 20 Meter
Entfernung. Ein Tier mit langen Beinen, das etwas an ein Fohlen
erinnerte. Ein Reh oder Hirsch war das nicht, da war sich der
Autofahrer sicher. Die Kopfform war eher rechteckig. Und die Nase
nicht schwarz, sondern grau. Der Autofahrer hupte, das Tier
verschwand im Wald.
Tags darauf sah der Naturfreund im Fernsehen in der Reihe „Welt der
Tiere“ einen Beitrag über die Elche, die letztes Jahr in
Breitenberg gesehen wurden, da war er überzeugt, dass das Tier, das
er gesehen hat, ein Elch gewesen sein muss. Er ging ins Internet,
recherchierte zum Thema Elche. Las, dass sogar in Osterhofen schon
ein Elch gesichtet wurde, nur 30 Kilometer entfernt. Seine
Überzeugung festigte sich immer mehr. Es handelte sich um ein
Elchkalb. Die Mutter müsse im Wald verborgen gewesen sein.
Ein Jäger und ein ehemaliger Förster, denen der 58-Jährige von
seiner Sichtung erzählte, waren skeptisch. Der Mann fragte also bei
der PNP nach, ob außer ihm noch jemand den kleinen Elch gesehen
habe. „Bei uns ist nichts bekannt“, sagt Werner Raab,
stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Griesbach.
Ausgeschlossen sei es natürlich nicht, dass Wild aus Tschechien
einwandert.
Und auch Förster Georg Greil sagt: „Völlig ausgeschlossen ist es
nicht. Aber ich glaube nicht, dass es ein Elch war.“ In Tschechien
gibt es Elche, die gelegentlich auch in Bayern gesichtet
werden.
Kein Wunder: „Ein Elch wandert 50 bis 100 Kilometer in einer
Nacht“, so Greil. Aber er weiß auch: Elche ziehen im Herbst. Eine
Elchkuh geht nicht mit ihrem Jungen auf Wanderschaft. Das hieße,
dass das Junge in der Gegend geboren wurde - die Elchkälber werden
im Mai geboren - und Mutter und Kalb sich noch hier aufhalten. Dann
hätten die beiden aber mehrfach gesichtet werden müssen, ist Greil
überzeugt. „Ich glaube eher, dass es ein Tier aus einem Gehege
ist“, vermutet der Förster. Etwa Sikawild, eine kleine Hirschart,
die es zum Beispiel in Gehegen bei Ortenburg gibt.
Dass ein Elch in seiner Nachbarschaft lebt, glaubt Georg Greil
nicht. Wenn es so wäre, würde er sich aber freuen: „Ich hatte erst
kürzlich wieder Kontakt mit dem zuständigen Förster in Tschechien.
Demnächst wollte ich mir die Elche bei ihm anschauen. Das wäre ja
lustig, wenn sie schon da wären.“
ELCHE IM BAYERWALD
Für Aufsehen sorgte im vergangen Jahr ein Elchpaar, das im Februar
bei Breitenberg (Landkreis Passau) durch den Bayerischen Wald
streifte. Die Tiere kamen aus dem tschechischen Nationalpark
Sumava, wo etwa 20 bis 30 Tiere leben. Der Elchbulle wurde beim
Zusammenstoß mit einem Auto so schwer verletzt, dass er erschossen
werden musste. Am Pfingstsonntag 2007 erlitt die Elchkuh das
gleiche Schicksal wie ihr Gefährte: Ein Autofahrer fuhr das Tier
bei Elsenthal (Landkreis Freyung-Grafenau) an, die Elchkuh musste
erschossen werden. Seitdem ist es in der Region wieder ruhig
geworden um das Thema Elche.