24.11. - Die Elche kommen

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Der Elch ist ein massiges Wesen: Bis zu 800 Kilogramm wiegt das männliche Tier, bei einer Schulterhöhe von oft deutlich über zwei Metern. Mit einem ausladenden Geweih bestückt, weiß der Elch zu beeindrucken. Und beeindruckt war auch Revierpächter und Jäger Burghart Schmidt aus dem Brandenburgischen Steinhöfel, als er im Frühjahr 2007 durch sein Revier zog.

Burghart Schmidt: "Ich habe vor eineinhalb Jahren einen Elchhirschen gesehen und selber eben ein Tier und ein Kalb gefährtet. Das heißt also, dass die Spuren in der Erde zu sehen waren.“

Das Tier – das ist in der Jägersprache der weibliche Elch. Und Burghart Schmidt war mit seiner Beobachtung nicht allein. Mehrfach berichteten Jäger aus dem Landkreis Oder-Spree unabhängig voneinander, dass Elche in ihrem Revier aufgetaucht waren. Der wohl spektakulärste Fall in dieser Zeit war zugleich auch der Tragischste: Im November 2007 erschoss ein Jäger im Raum Baruth einen Elchen. Allerdings nur, weil der sich in Stacheldraht verfangen und an Unterkiefer, Läufen und Hals schwer verletzt hatte. Ein Ausnahmefall - denn regulär ist der Elchabschuss in Deutschland verboten. Für den Elchen eine günstige Bedingung, um sich in der Mark niederzulassen. Doch Ralph Stephan, Chefredakteur der Zeitschrift 'Unsere Jagd' und selbst Jäger, sieht noch weitere wichtige Voraussetzungen erfüllt.

Ralph Stephan: "Die Elche finden in Brandenburg sicherlich sehr günstige Bedingungen. Zum Beispiel die zusammenhängenden Waldflächen, angrenzend in der Regel auch landwirtschaftliche Flächen, auf denen sie Äsung finden. Und ein Vorteil ist natürlich sicher auch, dass die Waldgebiete und die Feldgebiete durch ihre Größe nicht an jeder Stelle von Besuchern – Radfahrern und Spaziergängern – aufgesucht werden und sie dort ihre Ruhe finden.“

Soll heißen: Weder Jäger noch Elch mögen Elchtouristen. Und weil es sich für den Elch so gut lebt in Brandenburg, kommt er aus Polen hinübergewandert. Dort nämlich gibt es eine wirklich große Population: Mehr als 1.200 Tiere leben derzeit in den polnischen Wäldern und Sümpfen. Und da es den Elch nicht in seinem Angestammten Revier hält, sind bereits seit den 50er Jahren Elchhirsche und Tiere immer wieder zu kurzen Besuchen nach Brandenburg gezogen. Noch nie gab es allerdings so viele Sichtungen wie in den vergangenen zwei Jahren. Der Chefredakteur von "Unsere Jagd" Ralph Stephan meint deshalb, dass der Elch in Brandenburg mittlerweile heimisch geworden ist - sprich eine Population bildet.

Ralph Stephan: "Die Population ist nicht sehr groß. Wir wissen von den Jägern, das etwa acht Stücken Wild bestätigt sind. Bestätigt heißt, dass die also regelmäßig beobachtet worden sind, dass man sicher sein kann, es handelt sich hier um ein und dasselbe Stück. Und die tauchen allerdings nicht in einem Rudel auf, sondern sind in kleinen Rudeln, in kleinen Gruppen unterwegs, oder auch einzeln.“

So weit wie Ralph Stephan mag Gerd Schumann, Referatsleiter für Artenschuz im Brandenburgischen Umweltministerium, allerdings nicht gehen. Ja, vereinzelt wurden Elche in Brandenburg gesichtet - sie werden auch weiter in die Mark kommen, allerdings nicht dauerhaft hier bleiben. So wie bereits in der Vergangenheit sind sie auch diesmal wohl wieder nach Polen zurückgezogen. Hinweise auf eine dauerhafte Population sieht Schumann nicht - und auch nicht die Notwendigkeit eines Elchplans, wie in jüngst Bayern verabschiedet hat, nachdem dort immer wieder Elche aus Tschechien aufgetaucht sind.

Gerd Schumann: "Also man sollte den Aufwand Pläne zu erstellen, nicht Phantomen widmen. Sondern ich denke, der richtige Zeitpunkt ist dann gegeben, wenn es wirklich erkennbar ist, dass Elche sich in Brandenburg etablieren.“

Das Elchvorkommen soll jetzt erstmal richtig erfasst werden: Gerd Schumann hat daher die Forstämter samt ihren Ober- und Revierförstern darum gebeten, ihm alle Hinweise auf Elche in der Mark zu melden. Ergebnisse werden wohl in den kommenden Monaten vorliegen. Und so wie Gerd Schumann ist auch Jäger Burghardt Schmidt skeptisch. Er, der Elche in seinem Revier selbst gesichtet hat, glaubt nicht an eine dauerhafte Ansiedlung. Auch deshalb nicht, weil er sie in den vergangenen Monaten nicht mehr zu Gesicht bekam.

Burghart Schmidt: "Wenn ein Elchhirsch zur Brunft kein Kahlwild findet, also sprich kein weibliches Wild, dann wird der also weit, weit umherziehen und auch dann wieder dorthin zurückziehen, wo er her gekommen ist letztendlich und wo denn eben auch eine stabile Population Elchwild vorhanden ist. Und von einer stabilen Population, denk’ ich mal, aus meiner Sicht sind wir davon noch ein bisschen entfernt.“

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Zwar werden Elche in Brandenburg immer öfter gesichtet - doch wie bereits in der Vergangenheit wohl nur als Gäste auf Zeit.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 29.11.2008