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Der Elch ist ein massiges Wesen: Bis zu 800 Kilogramm wiegt das
männliche Tier, bei einer Schulterhöhe von oft deutlich über zwei
Metern. Mit einem ausladenden Geweih bestückt, weiß der Elch zu
beeindrucken. Und beeindruckt war auch Revierpächter und Jäger
Burghart Schmidt aus dem Brandenburgischen Steinhöfel, als er im
Frühjahr 2007 durch sein Revier zog.
Burghart Schmidt: "Ich habe vor eineinhalb Jahren einen
Elchhirschen gesehen und selber eben ein Tier und ein Kalb
gefährtet. Das heißt also, dass die Spuren in der Erde zu sehen
waren.“
Das Tier – das ist in der Jägersprache der weibliche Elch. Und
Burghart Schmidt war mit seiner Beobachtung nicht allein. Mehrfach
berichteten Jäger aus dem Landkreis Oder-Spree unabhängig
voneinander, dass Elche in ihrem Revier aufgetaucht waren. Der wohl
spektakulärste Fall in dieser Zeit war zugleich auch der
Tragischste: Im November 2007 erschoss ein Jäger im Raum Baruth
einen Elchen. Allerdings nur, weil der sich in Stacheldraht
verfangen und an Unterkiefer, Läufen und Hals schwer verletzt
hatte. Ein Ausnahmefall - denn regulär ist der Elchabschuss in
Deutschland verboten. Für den Elchen eine günstige Bedingung, um
sich in der Mark niederzulassen. Doch Ralph Stephan, Chefredakteur
der Zeitschrift 'Unsere Jagd' und selbst Jäger, sieht noch weitere
wichtige Voraussetzungen erfüllt.
Ralph Stephan: "Die Elche finden in Brandenburg sicherlich sehr
günstige Bedingungen. Zum Beispiel die zusammenhängenden
Waldflächen, angrenzend in der Regel auch landwirtschaftliche
Flächen, auf denen sie Äsung finden. Und ein Vorteil ist natürlich
sicher auch, dass die Waldgebiete und die Feldgebiete durch ihre
Größe nicht an jeder Stelle von Besuchern – Radfahrern und
Spaziergängern – aufgesucht werden und sie dort ihre Ruhe
finden.“
Soll heißen: Weder Jäger noch Elch mögen Elchtouristen. Und weil es
sich für den Elch so gut lebt in Brandenburg, kommt er aus Polen
hinübergewandert. Dort nämlich gibt es eine wirklich große
Population: Mehr als 1.200 Tiere leben derzeit in den polnischen
Wäldern und Sümpfen. Und da es den Elch nicht in seinem
Angestammten Revier hält, sind bereits seit den 50er Jahren
Elchhirsche und Tiere immer wieder zu kurzen Besuchen nach
Brandenburg gezogen. Noch nie gab es allerdings so viele Sichtungen
wie in den vergangenen zwei Jahren. Der Chefredakteur von "Unsere
Jagd" Ralph Stephan meint deshalb, dass der Elch in Brandenburg
mittlerweile heimisch geworden ist - sprich eine Population
bildet.
Ralph Stephan: "Die Population ist nicht sehr groß. Wir wissen von
den Jägern, das etwa acht Stücken Wild bestätigt sind. Bestätigt
heißt, dass die also regelmäßig beobachtet worden sind, dass man
sicher sein kann, es handelt sich hier um ein und dasselbe Stück.
Und die tauchen allerdings nicht in einem Rudel auf, sondern sind
in kleinen Rudeln, in kleinen Gruppen unterwegs, oder auch
einzeln.“
So weit wie Ralph Stephan mag Gerd Schumann, Referatsleiter für
Artenschuz im Brandenburgischen Umweltministerium, allerdings nicht
gehen. Ja, vereinzelt wurden Elche in Brandenburg gesichtet - sie
werden auch weiter in die Mark kommen, allerdings nicht dauerhaft
hier bleiben. So wie bereits in der Vergangenheit sind sie auch
diesmal wohl wieder nach Polen zurückgezogen. Hinweise auf eine
dauerhafte Population sieht Schumann nicht - und auch nicht die
Notwendigkeit eines Elchplans, wie in jüngst Bayern verabschiedet
hat, nachdem dort immer wieder Elche aus Tschechien aufgetaucht
sind.
Gerd Schumann: "Also man sollte den Aufwand Pläne zu erstellen,
nicht Phantomen widmen. Sondern ich denke, der richtige Zeitpunkt
ist dann gegeben, wenn es wirklich erkennbar ist, dass Elche sich
in Brandenburg etablieren.“
Das Elchvorkommen soll jetzt erstmal richtig erfasst werden: Gerd
Schumann hat daher die Forstämter samt ihren Ober- und
Revierförstern darum gebeten, ihm alle Hinweise auf Elche in der
Mark zu melden. Ergebnisse werden wohl in den kommenden Monaten
vorliegen. Und so wie Gerd Schumann ist auch Jäger Burghardt
Schmidt skeptisch. Er, der Elche in seinem Revier selbst gesichtet
hat, glaubt nicht an eine dauerhafte Ansiedlung. Auch deshalb
nicht, weil er sie in den vergangenen Monaten nicht mehr zu Gesicht
bekam.
Burghart Schmidt: "Wenn ein Elchhirsch zur Brunft kein Kahlwild
findet, also sprich kein weibliches Wild, dann wird der also weit,
weit umherziehen und auch dann wieder dorthin zurückziehen, wo er
her gekommen ist letztendlich und wo denn eben auch eine stabile
Population Elchwild vorhanden ist. Und von einer stabilen
Population, denk’ ich mal, aus meiner Sicht sind wir davon noch ein
bisschen entfernt.“
Was bleibt, ist die Erkenntnis: Zwar werden Elche in Brandenburg
immer öfter gesichtet - doch wie bereits in der Vergangenheit wohl
nur als Gäste auf Zeit.