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Gesprungen ist Runa nicht. „Der Zaun ist ganz“, sagt
Elchbetreuer Michael Striese. Täglich kontrolliert der Biologe die
Umzäunung des Geheges auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz im
Daubaner Wald – Runas Zuhause und das ihrer neun Artgenossen.
Dennoch ist die Elchdame am Sonntag ausgebüxt, wie jetzt bekannt
geworden ist. „Sie muss unten drunter durch sein“, so Striese. Der
Zaun endet bereits 50 Zentimeter über dem Erdboden, um anderen
Wildtieren ungehinderten Durchgang zu gewähren.
Auch Gunda Hanke tippt darauf, dass das Runas Weg in die freie
Wildbahn ist. „Sie ist ein graziles Tier“, sagt die für das
Bundesforstrevier Dauban zuständige Revierförsterin. Es ist einer
ihrer Waldarbeiter auf dem Weg zum Feuerwachturm gewesen, der sie
am Sonntagvormittag über die Freigängerin informiert hat. „Ob ich
einen Elch im Teich sehen wolle, hat er gefragt“, so die Försterin,
die sich prompt die Kamera schnappt, um das Tier zu beobachten. Und
sie informiert den Elchbetreuer, nachdem am Halsband erkennbar ist,
dass es sich um ein Tier aus dem Gehege handelt. „Angst habe ich
nicht“, sagt Gunda Hanke. Doch ihre Waldarbeiter hätten sich schon
einige Male erschrocken. Es stecke eine ganz schöne Wucht dahinter,
komme so ein Elch angerannt.
Elchbetreuer Michael Striese hat deshalb gesunde Ehrfurcht vor der
größten Hirschart. „Angucken ja, aber möglichst nicht zu nahe auf
die Pelle rücken“, rät er jenen Waldbesuchern, die zufällig auf
eines der imposanten Tiere treffen. „Ein Wildelch dreht ab, wird es
ihm zu viel“, sagt der Experte. Die Gatterbewohner seien jedoch an
Menschen gewöhnt und neugierig. Ohne aggressiv zu sein, könne ein
Elch durch normale Bewegungen seiner Hufe oder des Kopfes
Verletzungen zufügen, die zu einem Krankenhausaufenthalt
führen.
Ausflüge, wie der des Elchweibchens, lassen sich nicht
hundertprozentig unterbinden, sagt Striese. „Runa ist das einzige
der Alttiere, das bisher draußen war.“ Zum zweiten Mal nach ihrem
ersten Ausflug vor fünf Jahren, ausgerechnet wieder an einem
Sonntag. Und erneut ist sie bis zum zwei Kilometer entfernten
Tauerwiesenteich gelaufen. „Wahrscheinlich gefällt es ihr dort“,
sagt Striese. Jungtiere seien dagegen häufiger jenseits des Zaunes
gewesen, aber nie weit gegangen, so der Biologe: „Wichtig ist, dass
wir bei Elchsichtungen informiert werden.“ Gehegetiere tragen
Halsbänder mit Sender. Auch die zuletzt vor zwei Jahren geborenen
Jungtiere Runas sollen diese demnächst erhalten.
Michael Strieses Sonntag ist gelaufen gewesen. Bis nach Einbruch
der Dunkelheit versuchte er vergeblich, die Elchkuh mit Futter in
ihr Zuhause zu locken. Das sei erst am Montag mittels Narkose
gelungen. Unklar ist, warum die Elchdame ab und an das Weite sucht.
Aufregender Besuch an der anderen Zaunseite? Unruhe durch die
Daubaner Wölfe? Darüber könne er nur spekulieren, so Striese: „Der
letzte nachweisliche Besuch eines jungen Elchbullen war im Frühjahr
2005.“
Seit 2001 leben Elche auf dem 150 Hektar großen Gelände und halten
die seltene Heidelandschaft von unerwünschtem Bewuchs frei. Im Mai
sollen auch Wildpferde zum Einsatz kommen.
Kontakt bei Elchsichtung:
Michael Striese, Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie
„lutra“ 035895/50383
Gunda Hanke, Bundesforstrevier Dauban 035932/32028