23.06. - Warum ließ die Mutter ihr Junges zurück?

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Der Ausbruch zweier Elche im Wildgehege wirft weiter Fragen auf. Die Elchzucht soll trotzdem fortgesetzt werden.

Weder verstört noch anderweitig verhaltensauffällig bewegten sich die Elche gestern im Moritzburger Wildgehege. Schon eine Stunde nach dem Ausbruch des Muttertieres und des Bullen Anfang Juni (die SZ berichtete gestern) aus ihrem Zuhause sei wieder alles normal gewesen, erinnert sich Gehegeleiter Rüdiger Juffa.

Mittlerweile sind auch die Verletzungen so gut wie verheilt – sowohl die Bastverletzung am Bullengeweih als auch die am rechten Hinterlauf der Kuh. Tierarzt Matthias Ehrlich aus Langebrück hatte sich darum gekümmert. Was für Juffa und alle anderen Experten jedoch weiter ein Rätsel bleibt, ist die Frage, warum beide Elche in einer Nacht Anfang Juni in Panik gerieten und ihre zwei Meter hohe Gehegemauer zur Brandwiese in einem Satz übersprangen? War es ein wilder Wolf aus der Lausitz, der sich auf Nahrungssuche oder angezogen von den eingesperrten Wölfen im Gehege nach Moritzburg verirrt hat? „Das sind alles Spekulationen“, sagt Juffa.



Fest stehe für ihn nur, dass die beiden keinesfalls ausgebrochen seien, weil es ihnen in Moritzburg nicht gefalle oder sie Hunger hatten. Schließlich sei ihr Gehege mit fünf Hektar viel größer als gesetzlich vorgeschrieben und biete zudem alles, was ein Elchherz begehre – Suhlen, trockene und nasse Standorte.

Das Verwunderlichste für Juffa sei, dass nicht nur der Bulle, sondern auch die Mutter ausgebrochen sei und sie damit ihr erst vier Wochen altes Junges alleine gelassen hat. „Das ist total ungewöhnlich“, so Juffa. Dass ein Bulle allein ausbrach, hatte der Gehegeleiter schon einmal vor 20 Jahren erlebt.

Die traurigste Folge des Vorfalls: Durch die Verletzung des Muttertieres hatte es nicht mehr genug Milch für ihr Jungtier. Dieses trank dann laut Juffa Wasser, bekam den Durchfall, wurde von Fliegen befallen – und starb letztlich. Auch die große Mühe des Pflegers und eine Zwangsfütterung konnten das nicht mehr verhindern. Der Verlust des Jungtieres schmerzt besonders, nachdem im vergangenen Jahr von vier Jungtieren aufgrund der Hitze drei verendeten. So leben derzeit in Moritzburg noch drei Elche – die vierjährige Mutter, der fünfjährige Vater und das überlebende Jungtier aus dem Jahr 2010. Seit über 40 Jahren werden in Moritzburg schon Elche gehalten. Und auch in Zukunft will man daran festhalten.

Die Mauern will Rüdiger Juffa trotz des Ausbruchs nicht erhöhen lassen. Zum einen stünden diese unter Denkmalschutz, zum anderen würde ein losgelassener Elch trotz 400 Kilogramm Körpergewicht auch eine Mauer von drei Metern überspringen.



Der Vorfall hätte auch noch viel schlimmer ausgehen können. Denn als am Morgen die zwei ausgebüxten Elche wieder in ihr Gehege getrieben wurden, waren schon über 400 Kinder auf dem Gelände. Doch Juffa und Co. behielten klaren Kopf, sperrten sofort den Gefahrenbereich ab und brachten die Tiere wieder an ihren Platz. Dabei übersprang der Bulle sogar noch zweimal den Gehegezaun zum Weißen Rotwild. Marco Mach





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 08.07.2011