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Der Ausbruch zweier Elche im Wildgehege wirft
weiter Fragen auf. Die Elchzucht soll trotzdem fortgesetzt
werden.
Weder verstört noch anderweitig verhaltensauffällig bewegten sich
die Elche gestern im Moritzburger Wildgehege. Schon eine Stunde
nach dem Ausbruch des Muttertieres und des Bullen Anfang Juni (die
SZ berichtete gestern) aus ihrem Zuhause sei wieder alles normal
gewesen, erinnert sich Gehegeleiter Rüdiger Juffa.
Mittlerweile sind auch die Verletzungen so gut wie verheilt –
sowohl die Bastverletzung am Bullengeweih als auch die am rechten
Hinterlauf der Kuh. Tierarzt Matthias Ehrlich aus Langebrück hatte
sich darum gekümmert. Was für Juffa und alle anderen Experten
jedoch weiter ein Rätsel bleibt, ist die Frage, warum beide Elche
in einer Nacht Anfang Juni in Panik gerieten und ihre zwei Meter
hohe Gehegemauer zur Brandwiese in einem Satz übersprangen? War es
ein wilder Wolf aus der Lausitz, der sich auf Nahrungssuche oder
angezogen von den eingesperrten Wölfen im Gehege nach Moritzburg
verirrt hat? „Das sind alles Spekulationen“, sagt Juffa.
Fest stehe für ihn nur, dass die beiden keinesfalls ausgebrochen
seien, weil es ihnen in Moritzburg nicht gefalle oder sie Hunger
hatten. Schließlich sei ihr Gehege mit fünf Hektar viel größer als
gesetzlich vorgeschrieben und biete zudem alles, was ein Elchherz
begehre – Suhlen, trockene und nasse Standorte.
Das Verwunderlichste für Juffa sei, dass nicht nur der Bulle,
sondern auch die Mutter ausgebrochen sei und sie damit ihr erst
vier Wochen altes Junges alleine gelassen hat. „Das ist total
ungewöhnlich“, so Juffa. Dass ein Bulle allein ausbrach, hatte der
Gehegeleiter schon einmal vor 20 Jahren erlebt.
Die traurigste Folge des Vorfalls: Durch die Verletzung des
Muttertieres hatte es nicht mehr genug Milch für ihr Jungtier.
Dieses trank dann laut Juffa Wasser, bekam den Durchfall, wurde von
Fliegen befallen – und starb letztlich. Auch die große Mühe des
Pflegers und eine Zwangsfütterung konnten das nicht mehr
verhindern. Der Verlust des Jungtieres schmerzt besonders, nachdem
im vergangenen Jahr von vier Jungtieren aufgrund der Hitze drei
verendeten. So leben derzeit in Moritzburg noch drei Elche – die
vierjährige Mutter, der fünfjährige Vater und das überlebende
Jungtier aus dem Jahr 2010. Seit über 40 Jahren werden in
Moritzburg schon Elche gehalten. Und auch in Zukunft will man daran
festhalten.
Die Mauern will Rüdiger Juffa trotz des Ausbruchs nicht erhöhen
lassen. Zum einen stünden diese unter Denkmalschutz, zum anderen
würde ein losgelassener Elch trotz 400 Kilogramm Körpergewicht auch
eine Mauer von drei Metern überspringen.
Der Vorfall hätte auch noch viel schlimmer ausgehen können. Denn
als am Morgen die zwei ausgebüxten Elche wieder in ihr Gehege
getrieben wurden, waren schon über 400 Kinder auf dem Gelände. Doch
Juffa und Co. behielten klaren Kopf, sperrten sofort den
Gefahrenbereich ab und brachten die Tiere wieder an ihren Platz.
Dabei übersprang der Bulle sogar noch zweimal den Gehegezaun zum
Weißen Rotwild. Marco Mach