22.06. - Zwei Elche sind tot, zwei Kälber verwaist

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Am Samstag ist der gut 500 Kilo schwere Elchbulle Sören aus dem Wisentgehege in Springe ausgebrochen und wieder eingefangen worden. Weil es nicht gelang, das Tier im Gehege zu halten, hat Forstamtsleiter Joachim Menzel den Bullen erschossen. Der Tierparkleiter und Tierschützer fragen jetzt, ob es nicht andere Möglichkeiten gegeben hätte, den Elch zu stoppen.
Am Samstag ist ein aus dem Wisentgehege in Springe ausgebrochener Elchbulle von Forstamtsdirektor Joachim Menzel erschossen worden. Sören, 500 Kilo schwer, hatte am frühen Morgen ein Loch in den Zaun gewalzt und war dann rund acht Kilometer bis Eldagsen marschiert. In der Nähe des dortigen Sportplatzes gelang es einer Tierärztin, Sören mit einem Narkosepfeil zu betäuben. Der Elch wurde zurück ins Gehege gebracht, wo er, kaum erwacht, erneut ausgebrochen ist. Menzel erschoss den Elch mit einem großkalibrigen Jagdgewehr.

Thomas Henning, Leiter des Wisentgeheges, hat das Drama um Sören nur am Telefon miterlebt. Er war auf einer Fachtagung in Ungarn und gestern auf dem Rückflug. Henning konnte deshalb auf die Jagd nach dem Elch keinen Einfluss nehmen.

Die Frage, ob der Elch nicht etwas übereilt erschossen worden sei, nachdem es nicht gelungen war, beim zweiten Ausbruch erneut einen Narkosepfeil zu setzen, wollte Henning nicht direkt beantworten. Dafür sei er vom eigentlichen Geschehen zu weit weg gewesen, um das beurteilen zu können. Nur so viel: „Vielleicht hätte es eine andere Lösung gegeben?“ Auf der anderen Seite sei ein Elch potenziell gefährlich und „eine andere Liga als ein Rehwild auf der Straße.“ Und damit seien wohl Menschenleben in Gefahr gewesen. Vor allem, weil auf der Straße, auf die der Elch zugelaufen sei, „niemand 70 fährt.“

Das sind auch die Argumente, die Forstamtsdirektor Joachim Menzel als Hennings unmittelbarer Vorgesetzter den Kritikern des Abschusses vorträgt. Nach dem zweiten Ausbruch des Elches habe er keine andere Möglichkeit mehr gesehen, weil der Elch durch alle Zäune direkt in Richtung Straße gelaufen sei: „Die Unfallgefahr war zu groß.“ Und mit dem Narkosegewehr hätte man den Elch nicht mehr erreichen können. Damit lasse sich nur auf eine Distanz von rund 30 Metern noch sicher treffen.

Kritik kommt auch aus den Reihen der Tierschützer. Marius Tünte, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes wollte sich zwar über den Abschuss nicht äußern, da ihm für eine Stellungnahme zu wenig Fakten bekannt seien. Er frage sich allerdings, ob das Gehege von drei Hektar für sechs Tiere, wie gemeldet, nicht zu klein sei. In einem Gutachten zur Haltung von Wild in Gehegen gehe das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz davon aus, dass jedes erwachsene Tier eine Fläche von rund 10 000 Quadratmeter brauche. Vor allem, damit sich die Tiere bei Konflikten aus dem Weg gehen können. Denn Elche seien Einzelgänger, eine Gruppenhaltung in beengten Verhältnissen sorge für zusätzlichen Stress. Tünte hält es deshalb für möglich, dass in den Haltungsbedingungen die Ursache für den Ausbruch und die mögliche Gefährdung der Allgemeinheit zu suchen sei und so letztlich auch den Tod des Tieres verursacht haben könnte. Wäre das der Fall, wäre es mindestens als Fahrlässigkeit der Gehegebetreiber anzusehen, so Tünte.

Im Wildpark in der Lüneburger Heide bei Nindorf-Hanstedt ist vor 15 Jahren ein Elch ausgebrochen. Wildparkleiter Norbert Tietz erinnert sich: „Im Dorf in der Nachbarschaft hatte es am Abend ein Feuerwerk gegeben.“ Der ausgebüxte Elch sei in den folgenden Tagen mehrmals gesehen worden. Der entscheidende Tipp kam dann von einem Radfahrer, der den Elch im Wald entdeckte. Ein Ausbruch mit Happy End: Der Elch wurde narkotisiert und wieder in sein Gehege gebracht. Anders als im Wisentgehege in Springe ist das Elchgehege in der Lüneburger Heide inzwischen mit einem Elektrozaun gesichert. Tietz: „Davor haben die Tiere Respekt.“

Forstamtsleiter Joachim Menzel darauf angesprochen, erklärt, man werde jetzt prüfen, ob um das Elchgehege ein Elektrozaun installiert werden könne. Man habe bereits vor einigen Wochen begonnen, den Zaun um das Elchgehege zu erneuern.

Die Elchzucht im Wisentgehege steht offensichtlich derzeit ohnehin unter keinem guten Stern. Erst vor einer Woche ist eine Elchkuh gestorben. Nicht bei der Geburt, wie Henning betonte, sondern wenige Tage danach. Die Ursache für den plötzlichen Tod ist allerdings bis heute nicht bekannt. Pfleger entdeckten das vier Jahre alte Tier leblos im Gehege.

Jetzt bemühen sich Mitarbeiter des Wisentgeheges, die zwei verwaisten Kälber mit der Flasche aufzuziehen. Eine problematische und zeitaufwendige Sache, wie auch Henning in einem Telefongespräch einräumte. Ein Kalb trinkt pro Tag bis zu zwei Liter Milch, verteilt auf vier bis sieben Mahlzeiten. Wenn Kälber beginnen, Blätter zur fressen, droht als nächstes Gesundheitsrisiko Parasitenbefall. Außerdem leben in dem Gehege zwei Jährlinge.

Elche gelten als empfindliche und schwierig zu haltende Zootiere. Weder der Zoo in Hannover noch der Tierpark Hagenbeck in Hamburg halten Elche.

Elche bereite auch das sommerliche Klima Stress. Und vor allem während der Brunft seien die Tiere selbst für ihre Pfleger gefährlich.

Tierfreunde erinnert das Elchdrama von Springe an den Braunbär Bruno in Bayern: Der durchstreifte von Mitte Mai bis Ende Juni 2006 die Wälder, bevor er erlegt wurde.

Jetzt hat das Weserbergland Sören.

Der Elch liegt betäubt auf dem Sportplatz bei Eldagsen und soll verladen werden. Hinter dem Zaun haben sich viele Zuschauer versammelt, die das mächtige Tier bestaunen.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 27.06.2010