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Am Samstag ist der gut 500 Kilo schwere Elchbulle Sören aus dem
Wisentgehege in Springe ausgebrochen und wieder eingefangen worden.
Weil es nicht gelang, das Tier im Gehege zu halten, hat
Forstamtsleiter Joachim Menzel den Bullen erschossen. Der
Tierparkleiter und Tierschützer fragen jetzt, ob es nicht andere
Möglichkeiten gegeben hätte, den Elch zu stoppen.
Am Samstag ist ein aus dem Wisentgehege in Springe ausgebrochener
Elchbulle von Forstamtsdirektor Joachim Menzel erschossen worden.
Sören, 500 Kilo schwer, hatte am frühen Morgen ein Loch in den Zaun
gewalzt und war dann rund acht Kilometer bis Eldagsen marschiert.
In der Nähe des dortigen Sportplatzes gelang es einer Tierärztin,
Sören mit einem Narkosepfeil zu betäuben. Der Elch wurde zurück ins
Gehege gebracht, wo er, kaum erwacht, erneut ausgebrochen ist.
Menzel erschoss den Elch mit einem großkalibrigen Jagdgewehr.
Thomas Henning, Leiter des Wisentgeheges, hat das Drama um Sören
nur am Telefon miterlebt. Er war auf einer Fachtagung in Ungarn und
gestern auf dem Rückflug. Henning konnte deshalb auf die Jagd nach
dem Elch keinen Einfluss nehmen.
Die Frage, ob der Elch nicht etwas übereilt erschossen worden sei,
nachdem es nicht gelungen war, beim zweiten Ausbruch erneut einen
Narkosepfeil zu setzen, wollte Henning nicht direkt beantworten.
Dafür sei er vom eigentlichen Geschehen zu weit weg gewesen, um das
beurteilen zu können. Nur so viel: „Vielleicht hätte es eine andere
Lösung gegeben?“ Auf der anderen Seite sei ein Elch potenziell
gefährlich und „eine andere Liga als ein Rehwild auf der Straße.“
Und damit seien wohl Menschenleben in Gefahr gewesen. Vor allem,
weil auf der Straße, auf die der Elch zugelaufen sei, „niemand 70
fährt.“
Das sind auch die Argumente, die Forstamtsdirektor Joachim Menzel
als Hennings unmittelbarer Vorgesetzter den Kritikern des
Abschusses vorträgt. Nach dem zweiten Ausbruch des Elches habe er
keine andere Möglichkeit mehr gesehen, weil der Elch durch alle
Zäune direkt in Richtung Straße gelaufen sei: „Die Unfallgefahr war
zu groß.“ Und mit dem Narkosegewehr hätte man den Elch nicht mehr
erreichen können. Damit lasse sich nur auf eine Distanz von rund 30
Metern noch sicher treffen.
Kritik kommt auch aus den Reihen der Tierschützer. Marius Tünte,
Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes wollte sich zwar über den
Abschuss nicht äußern, da ihm für eine Stellungnahme zu wenig
Fakten bekannt seien. Er frage sich allerdings, ob das Gehege von
drei Hektar für sechs Tiere, wie gemeldet, nicht zu klein sei. In
einem Gutachten zur Haltung von Wild in Gehegen gehe das
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz davon aus, dass jedes erwachsene Tier eine Fläche
von rund 10 000 Quadratmeter brauche. Vor allem, damit sich die
Tiere bei Konflikten aus dem Weg gehen können. Denn Elche seien
Einzelgänger, eine Gruppenhaltung in beengten Verhältnissen sorge
für zusätzlichen Stress. Tünte hält es deshalb für möglich, dass in
den Haltungsbedingungen die Ursache für den Ausbruch und die
mögliche Gefährdung der Allgemeinheit zu suchen sei und so
letztlich auch den Tod des Tieres verursacht haben könnte. Wäre das
der Fall, wäre es mindestens als Fahrlässigkeit der Gehegebetreiber
anzusehen, so Tünte.
Im Wildpark in der Lüneburger Heide bei Nindorf-Hanstedt ist vor 15
Jahren ein Elch ausgebrochen. Wildparkleiter Norbert Tietz erinnert
sich: „Im Dorf in der Nachbarschaft hatte es am Abend ein Feuerwerk
gegeben.“ Der ausgebüxte Elch sei in den folgenden Tagen mehrmals
gesehen worden. Der entscheidende Tipp kam dann von einem
Radfahrer, der den Elch im Wald entdeckte. Ein Ausbruch mit Happy
End: Der Elch wurde narkotisiert und wieder in sein Gehege
gebracht. Anders als im Wisentgehege in Springe ist das Elchgehege
in der Lüneburger Heide inzwischen mit einem Elektrozaun gesichert.
Tietz: „Davor haben die Tiere Respekt.“
Forstamtsleiter Joachim Menzel darauf angesprochen, erklärt, man
werde jetzt prüfen, ob um das Elchgehege ein Elektrozaun
installiert werden könne. Man habe bereits vor einigen Wochen
begonnen, den Zaun um das Elchgehege zu erneuern.
Die Elchzucht im Wisentgehege steht offensichtlich derzeit ohnehin
unter keinem guten Stern. Erst vor einer Woche ist eine Elchkuh
gestorben. Nicht bei der Geburt, wie Henning betonte, sondern
wenige Tage danach. Die Ursache für den plötzlichen Tod ist
allerdings bis heute nicht bekannt. Pfleger entdeckten das vier
Jahre alte Tier leblos im Gehege.
Jetzt bemühen sich Mitarbeiter des Wisentgeheges, die zwei
verwaisten Kälber mit der Flasche aufzuziehen. Eine problematische
und zeitaufwendige Sache, wie auch Henning in einem Telefongespräch
einräumte. Ein Kalb trinkt pro Tag bis zu zwei Liter Milch,
verteilt auf vier bis sieben Mahlzeiten. Wenn Kälber beginnen,
Blätter zur fressen, droht als nächstes Gesundheitsrisiko
Parasitenbefall. Außerdem leben in dem Gehege zwei Jährlinge.
Elche gelten als empfindliche und schwierig zu haltende Zootiere.
Weder der Zoo in Hannover noch der Tierpark Hagenbeck in Hamburg
halten Elche.
Elche bereite auch das sommerliche Klima Stress. Und vor allem
während der Brunft seien die Tiere selbst für ihre Pfleger
gefährlich.
Tierfreunde erinnert das Elchdrama von Springe an den Braunbär
Bruno in Bayern: Der durchstreifte von Mitte Mai bis Ende Juni 2006
die Wälder, bevor er erlegt wurde.
Jetzt hat das Weserbergland Sören.
Der Elch liegt betäubt auf dem Sportplatz bei Eldagsen und soll
verladen werden. Hinter dem Zaun haben sich viele Zuschauer
versammelt, die das mächtige Tier bestaunen.