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Hinter Kris Hundertmarks Bürofenster liegt der Parkplatz der
Universität von Alaska in Fairbanks. Ein paar Geländewagen stehen
auf der schmalen Asphaltfläche.
Dahinter beginnt der Wald, und mit ihm der Lebensraum von Kris
Hundertmarks Studienobjekten. Elche streifen dort durch Sträucher,
Büsche und Laubbäume. Die Temperaturen in Alaska steigen schon seit
einigen Jahrzehnten und der Lebensraum der Elche breitet sich immer
weiter nach Norden aus. Weiden und Sträucher besiedeln ehemals
karge Tundra-Böden. Das sei gut für die Elche, sagt der
Biologe.
Elche, so meint er, könnten zu den Gewinnern des Klimawandels
gehören. Wenn da nicht ein Problem wäre.
Was uns Sorgen macht, ist die Tatsache, dass die Zahl der Elche in
der Vergangenheit mehrmals stark abgenommen hat, und während dieser
Zeiten hat die Art eine Menge ihrer genetischen Vielfalt verloren.
Heutzutage sind sich alle Elche auf der Welt genetisch sehr
ähnlich.
Seit Jahren vergleicht der Forscher das Erbgut von europäischen,
asiatischen und nordamerikanischen Elchen. An der Wand hinter
seinem Schreibtisch hängt eine Urkunde, die Kris Hundertmark als
Elchbiologen des Jahres 2007 ausweist. Verliehen auf der
Nordamerikanischen Elchkonferenz.
Das Problem ist, die genetische Vielfalt ist die Voraussetzung
dafür, sich an Veränderungen anpassen zu können. Wenn Elche kein
genetisches Reservoir haben, aus dem sie schöpfen können, um auf
den Klimawandel zu reagieren, dann werden sie sich irgendwann nicht
mehr anpassen können und möglicherweise zu großen Verlierern
werden.
Sorgen bereitet dem Biologen besonders ein Parasit, der in weiten
Teilen Nordamerikas vorkommt. Normalerweise lebt er im Hirnstamm
von Weißwedelhirschen. Für die Hirsche ist er ungefährlich, aber
befällt er Elche, so tötet er sie. In Ost- und Zentralkanada ist
der Parasit weit verbreitet - dort gibt es kaum noch Elche.
Dieser Parasit kommt noch nicht in Alaska vor, da er unter den
klimatischen Bedingungen hier nicht überleben kann. Im Zuge des
Klimawandels werden die sich aber ändern und der Parasit könnte
dann hier hergelangen. Elche sterben durch diesen Parasiten und da
sie sich alle genetisch so ähnlich sind, werden wir auch nicht
plötzlich eine Gruppe finden, die mit dem Parasiten zurecht
kommt.
Für die Elche hat der Klimawandel zwei Seiten: Noch profitieren sie
davon, dass sich ihr Lebensraum mit den steigenden Temperaturen
immer weiter nach Norden ausbreitet. Aber ihnen fehlt die
genetische Vielfalt. Und das könnte ihnen in der Zukunft zum
Verhängnis werden.