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Nicht nur in Wildgehegen wie seit neuestem im Tierfreigelände am
Nationalpark Bayerischer Wald bei Neuschönau gibt es Elche bei uns:
Der Elch ist in Bayern auch in freier Wildbahn auf dem
Vormarsch.
Die Hirschart ist in Bayern ein alter Bekannter: Über Elchvorkommen
im früheren Germanien berichteten schon Plinius und Caesar. Bis ins
Mittelalter war das Tier in unseren Gefilden weit verbreitet, durch
Bejagung, Rodung von Wäldern und Besiedelung wurde es jedoch in
ganz Deutschland ausgerottet. 1570 wurde der letzte Elch in Böhmen
geschossen. Die gesamte Verbreitung in Europa ging in der folgenden
Zeit konstant zurück. Erst nach dem 2. Weltkrieg erholte sich die
Zahl der Elche in Nord- und Osteuropa wieder. Einzeltiere und
kleine Gruppen begannen sich langsam in Richtung Süden und
Südwesten auszubreiten.
So kehrten nach 400 Jahren Abwesenheit Elche in den späten 50er
Jahren wieder nach Mitteleuropa zurück. Der Weg der Elche führt von
Polen ausgehend, wo heute landesweit wieder 4000 Tiere gezählt
werden, über den Biosphärenpark Trebon (Wittingau) in den
Böhmerwald.
In Ostbayern tauchen seit längerem wieder Elche aus Tschechien auf.
Rund 30 der großen Hirsche werden dort vermutet. Die nächste
Elchpopulation lebt dort nahe dem Moldaustausee im Nationalpark
Sumava. Immer öfter kommen die Tiere über die Grüne Grenze. Im Jahr
2005 wurde in Bayern nur ein einziges Mal ein Elch beobachtet, 2006
waren es neun Mal, 2007 wurden über 20 Tiere gesichtet. Bisher
liegen Elchmeldungen aus den drei ostbayerischen Bezirken
Niederbayern, Oberpfalz und Oberfranken vor.
2008 sah sich das Bayerische Ministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten daher genötigt, einen "Elchplan" zum
Umgang mit dieser Tierart aufzustellen. Verkehrsunfälle, Wildbiss,
Jagd auf und Begegnungen mit den großen Tieren – all dies wird im
"Elchplan" geregelt. Davor wusste niemand genau, wie viele wild
lebende Elche in Bayern unterwegs sind. Im Rahmen des Plans hat man
auch ein Elchmonitoring eingeführt. Damit soll vor allem ein
Meldesystem aufgebaut werden, um festzustellen, ob die Zuwanderung
zu- oder abnimmt, ob einzelne Tiere sesshaft werden und welche
Wanderrouten sie bevorzugen. Die Daten werden in einer
Elch-Datenbank gesammelt.
Zuletzt kam es im Juni dieses Jahres zu einem Zusammenstoß mit
einem Elch bei Furth im Wald (Landkreis Cham), der erste
Verkehrsunfall mit einem Elch seit 2007. Wieder einmal vermutete
man, dass das wandernde Tier aus Tschechien kam. Eine Population
der Wandertiere lebt in einem südböhmischen Weihergebiet nahe
Terbon und fände nach Einschätzung von Experten in der Oberpfalz
vergleichbare Gebiete, in denen sich die Tiere durchaus wohl fühlen
würden. In der Oberpfalz gilt der Truppenübungsplatz Grafenwöhr mit
seinen riesigen Flächen ohne Bewirtschaftung und Verkehr als
besonders geeignet für Elche. Auf dem Militärareal wurden bereits
einzelne Tiere gesichtet. Eine Herde hat sich aber auch dort noch
nicht niedergelassen. Ansiedlungen von Elchen sind in Bayern laut
Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nicht
geplant.
Auch in diesem Jahr wurden bereits mehrere Elche gesichtet: Im Juni
gab es Meldungen aus dem Bereich Cham - Bayerisch Eisenstein, wobei
es sich am 30. Juni evtl. um mehrere Elche gehandelt haben könnte.
Im Juni erfolgte dann der Verkehrsunfall. Am 14. Oktober gab es
eine Verkehrsmeldung über einen Elch auf der A 9 im Be-reich
Triptis / Dittendorf. Zur Bestimmung der Herkunft wurden Proben zur
genetischen Analyse gesichert, die Auswertungen erfolgen
noch.
Den Grund für die Wanderschaft der Elche sehen Experten darin, dass
die Tiere in jenen Gebieten Europas, in denen sie überlebt haben,
konsequent geschützt werden und sich stark vermehren. Als
ausdauernder Läufer, der im Durchschnitt 15 Kilometer täglich
wandert, wenn nötig aber auch Distanzen bis zu 80 Kilometer
zurücklegt, kann Elchwild in kurzer Zeit in bisher unbesiedelte
Gebiete vordringen. Es gibt kaum natürliche Hindernisse, die einen
wandernden Elch stoppen können. Die Tiere sind gute Schwimmer und
können dank ihrer spreizbaren Klauen auch sumpfiges Gelände leicht
durchqueren.
Wer gezielt Elche in Ostbayern sehen will, musste bislang den
Bayerwald-Tierpark Lohberg im Landkreis Cham besuchen. Nun gibt es
sie auch in Neuschönau in Niederbayern.