19.12. - Der Elch in freier Wildbahn in Bayern auf dem Vormarsch

gesehen auf www.pnp.de

Nicht nur in Wildgehegen wie seit neuestem im Tierfreigelände am Nationalpark Bayerischer Wald bei Neuschönau gibt es Elche bei uns: Der Elch ist in Bayern auch in freier Wildbahn auf dem Vormarsch.

Die Hirschart ist in Bayern ein alter Bekannter: Über Elchvorkommen im früheren Germanien berichteten schon Plinius und Caesar. Bis ins Mittelalter war das Tier in unseren Gefilden weit verbreitet, durch Bejagung, Rodung von Wäldern und Besiedelung wurde es jedoch in ganz Deutschland ausgerottet. 1570 wurde der letzte Elch in Böhmen geschossen. Die gesamte Verbreitung in Europa ging in der folgenden Zeit konstant zurück. Erst nach dem 2. Weltkrieg erholte sich die Zahl der Elche in Nord- und Osteuropa wieder. Einzeltiere und kleine Gruppen begannen sich langsam in Richtung Süden und Südwesten auszubreiten.

So kehrten nach 400 Jahren Abwesenheit Elche in den späten 50er Jahren wieder nach Mitteleuropa zurück. Der Weg der Elche führt von Polen ausgehend, wo heute landesweit wieder 4000 Tiere gezählt werden, über den Biosphärenpark Trebon (Wittingau) in den Böhmerwald.

In Ostbayern tauchen seit längerem wieder Elche aus Tschechien auf. Rund 30 der großen Hirsche werden dort vermutet. Die nächste Elchpopulation lebt dort nahe dem Moldaustausee im Nationalpark Sumava. Immer öfter kommen die Tiere über die Grüne Grenze. Im Jahr 2005 wurde in Bayern nur ein einziges Mal ein Elch beobachtet, 2006 waren es neun Mal, 2007 wurden über 20 Tiere gesichtet. Bisher liegen Elchmeldungen aus den drei ostbayerischen Bezirken Niederbayern, Oberpfalz und Oberfranken vor.

2008 sah sich das Bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten daher genötigt, einen "Elchplan" zum Umgang mit dieser Tierart aufzustellen. Verkehrsunfälle, Wildbiss, Jagd auf und Begegnungen mit den großen Tieren – all dies wird im "Elchplan" geregelt. Davor wusste niemand genau, wie viele wild lebende Elche in Bayern unterwegs sind. Im Rahmen des Plans hat man auch ein Elchmonitoring eingeführt. Damit soll vor allem ein Meldesystem aufgebaut werden, um festzustellen, ob die Zuwanderung zu- oder abnimmt, ob einzelne Tiere sesshaft werden und welche Wanderrouten sie bevorzugen. Die Daten werden in einer Elch-Datenbank gesammelt.

Zuletzt kam es im Juni dieses Jahres zu einem Zusammenstoß mit einem Elch bei Furth im Wald (Landkreis Cham), der erste Verkehrsunfall mit einem Elch seit 2007. Wieder einmal vermutete man, dass das wandernde Tier aus Tschechien kam. Eine Population der Wandertiere lebt in einem südböhmischen Weihergebiet nahe Terbon und fände nach Einschätzung von Experten in der Oberpfalz vergleichbare Gebiete, in denen sich die Tiere durchaus wohl fühlen würden. In der Oberpfalz gilt der Truppenübungsplatz Grafenwöhr mit seinen riesigen Flächen ohne Bewirtschaftung und Verkehr als besonders geeignet für Elche. Auf dem Militärareal wurden bereits einzelne Tiere gesichtet. Eine Herde hat sich aber auch dort noch nicht niedergelassen. Ansiedlungen von Elchen sind in Bayern laut Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nicht geplant.

Auch in diesem Jahr wurden bereits mehrere Elche gesichtet: Im Juni gab es Meldungen aus dem Bereich Cham - Bayerisch Eisenstein, wobei es sich am 30. Juni evtl. um mehrere Elche gehandelt haben könnte. Im Juni erfolgte dann der Verkehrsunfall. Am 14. Oktober gab es eine Verkehrsmeldung über einen Elch auf der A 9 im Be-reich Triptis / Dittendorf. Zur Bestimmung der Herkunft wurden Proben zur genetischen Analyse gesichert, die Auswertungen erfolgen noch.

Den Grund für die Wanderschaft der Elche sehen Experten darin, dass die Tiere in jenen Gebieten Europas, in denen sie überlebt haben, konsequent geschützt werden und sich stark vermehren. Als ausdauernder Läufer, der im Durchschnitt 15 Kilometer täglich wandert, wenn nötig aber auch Distanzen bis zu 80 Kilometer zurücklegt, kann Elchwild in kurzer Zeit in bisher unbesiedelte Gebiete vordringen. Es gibt kaum natürliche Hindernisse, die einen wandernden Elch stoppen können. Die Tiere sind gute Schwimmer und können dank ihrer spreizbaren Klauen auch sumpfiges Gelände leicht durchqueren.

Wer gezielt Elche in Ostbayern sehen will, musste bislang den Bayerwald-Tierpark Lohberg im Landkreis Cham besuchen. Nun gibt es sie auch in Neuschönau in Niederbayern.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 20.12.2011