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Tierische Einwanderer in Bayern sind in letzter Zeit nicht gerade vom Glück
verfolgt. Bär Bruno endete nach gezieltem Schuss auf einer Alm. Einer der jüngst
aus Tschechien eingewanderten Elche erlag seinen Verletzungen nach einem
Zusammenstoß mit einem Auto auf einer bayerischen Landstraße. Dafür aber ist
Europas größte Hirschart zu Ehren gelangt: Schutzgemeinschaft Deutsches Wild in
Bonn kürte den Elch zum Tier des Jahres 2007.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
war der Elch in Deutschland endgültig ausgestorben, weil sein Fleisch in den
Notzeiten begehrt war. „Jetzt kehrt er langsam wieder zurück“, sagt Wolfgang
Burhenne, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft. Schon seit den
Fünfzigerjahren sind einzelne Elche immer wieder in Deutschland gesichtet
worden. Vor allem in Ostdeutschland, aber auch in Bayern, Westfalen und
Württemberg tauchten sie als Einwanderer aus Polen auf, wo der Elch verbreitet
ist. „Eine eigene Population gibt es nicht, allerdings wurde 1996 ein Kalb in
der Lausitz geboren“, sagt Peter Heyne, Leiter des Biosphärenreservats
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft in Guttau bei Bautzen.
Tiere aus
Tschechien
Die Fachleute rechnen nun damit, dass Elche bald auf Dauer in
Deutschland bleiben. „Die natürliche Ansiedlung ist heute möglich“, sagt Ruth
Petermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesamts für Naturschutz in
Bonn. In Tschechien gibt es nahe der bayerischen Grenze zwei Vorkommen mit je 15
bis 20 Tieren. „Diese Populationen haben ihre maximale Größe erreicht. Nun
wandern die ersten Tiere ab“, sagt Wildbiologe Manfred Wölfl, der für das
bayerische Umweltministerium die Ausbreitung der Elche erforscht. 2005 und 2006
gab es mehrere Elch-Beobachtungen in Bayern.
In Ostdeutschland werden
jedes Jahr Elche aus Polen gesichtet. Vor wenigen Jahren sorgte ein junger Bulle
sogar in Dresden für Furore: Das Tier war durch die Lausitz über die Sächsische
Schweiz bis in die Dresdner Heide gezogen und tauchte im Stadtgebiet auf. Es
starb schließlich nach einem missglückten Sprung über einen eisernen
Gartenzaun.
120 Beobachtungen hat der Elch-Experte Peter Heyne seit 1959
registriert. „Elche brauchen gewässerreiche Waldregionen mit ausreichend
Rückzugsräumen“, erklärt Wildbiologe Mathias Herrmann vom Forschungsbüro Öko-Log
Parlow in Brandenburg. Potenzielle Elch-Reviere sind daher zum Beispiel die
Auwälder an der unteren Oder und der bayerischen Donau sowie ehemalige
Truppenübungsplätze in Ostdeutschland.
Das Zusammenleben mit Elchen
verläuft nicht ohne Konflikte. „Verkehrsunfälle mit Elchen sind wegen ihrer
Größe nicht ungefährlich“, sagt Petermann. Weil es in Schweden schätzungsweise
300 000 Elche gibt, säumen vielerorts Elch-Warnschilder die Landstraßen. Dennoch
gibt es jedes Jahr Unfälle, bei denen Autofahrer sterben. Elche sind wahre
Riesen. Ein ausgewachsener Bulle ist größer als ein Pferd. Er kann eine
Schulterhöhe von zwei Metern und ein Gewicht von einer halben Tonne
erreichen.
Unmut bei Förstern
In der schwedischen Forstwirtschaft
sorgt der Elch für Unmut. „Elche sind bei Förstern ungern gesehen, weil sie die
Triebe junger Bäume verbeißen und die Rinde von den Bäumen schälen“, erklärt
Mathias Herrmann. Um den Wald zu schützen, werden in Schweden jedes Jahr fast
100 000 Tiere geschossen. Doch solche Szenarien sind für Deutschland kaum
denkbar. Eine flächendeckende Verbreitung hält Manfred Wölfl für wenig
wahrscheinlich, da die denkbaren Lebensräume nicht groß genug sind. „Es wird
wohl stellenweise kleine Populationen geben, zwischen denen einzelne Tiere hin
und her ziehen.“