16.03. - Rückkehr der Riesen

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Tierische Einwanderer in Bayern sind in letzter Zeit nicht gerade vom Glück verfolgt. Bär Bruno endete nach gezieltem Schuss auf einer Alm. Einer der jüngst aus Tschechien eingewanderten Elche erlag seinen Verletzungen nach einem Zusammenstoß mit einem Auto auf einer bayerischen Landstraße. Dafür aber ist Europas größte Hirschart zu Ehren gelangt: Schutzgemeinschaft Deutsches Wild in Bonn kürte den Elch zum Tier des Jahres 2007.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Elch in Deutschland endgültig ausgestorben, weil sein Fleisch in den Notzeiten begehrt war. „Jetzt kehrt er langsam wieder zurück“, sagt Wolfgang Burhenne, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft. Schon seit den Fünfzigerjahren sind einzelne Elche immer wieder in Deutschland gesichtet worden. Vor allem in Ostdeutschland, aber auch in Bayern, Westfalen und Württemberg tauchten sie als Einwanderer aus Polen auf, wo der Elch verbreitet ist. „Eine eigene Population gibt es nicht, allerdings wurde 1996 ein Kalb in der Lausitz geboren“, sagt Peter Heyne, Leiter des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft in Guttau bei Bautzen.

Tiere aus Tschechien

Die Fachleute rechnen nun damit, dass Elche bald auf Dauer in Deutschland bleiben. „Die natürliche Ansiedlung ist heute möglich“, sagt Ruth Petermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bundesamts für Naturschutz in Bonn. In Tschechien gibt es nahe der bayerischen Grenze zwei Vorkommen mit je 15 bis 20 Tieren. „Diese Populationen haben ihre maximale Größe erreicht. Nun wandern die ersten Tiere ab“, sagt Wildbiologe Manfred Wölfl, der für das bayerische Umweltministerium die Ausbreitung der Elche erforscht. 2005 und 2006 gab es mehrere Elch-Beobachtungen in Bayern.

In Ostdeutschland werden jedes Jahr Elche aus Polen gesichtet. Vor wenigen Jahren sorgte ein junger Bulle sogar in Dresden für Furore: Das Tier war durch die Lausitz über die Sächsische Schweiz bis in die Dresdner Heide gezogen und tauchte im Stadtgebiet auf. Es starb schließlich nach einem missglückten Sprung über einen eisernen Gartenzaun.

120 Beobachtungen hat der Elch-Experte Peter Heyne seit 1959 registriert. „Elche brauchen gewässerreiche Waldregionen mit ausreichend Rückzugsräumen“, erklärt Wildbiologe Mathias Herrmann vom Forschungsbüro Öko-Log Parlow in Brandenburg. Potenzielle Elch-Reviere sind daher zum Beispiel die Auwälder an der unteren Oder und der bayerischen Donau sowie ehemalige Truppenübungsplätze in Ostdeutschland.

Das Zusammenleben mit Elchen verläuft nicht ohne Konflikte. „Verkehrsunfälle mit Elchen sind wegen ihrer Größe nicht ungefährlich“, sagt Petermann. Weil es in Schweden schätzungsweise 300 000 Elche gibt, säumen vielerorts Elch-Warnschilder die Landstraßen. Dennoch gibt es jedes Jahr Unfälle, bei denen Autofahrer sterben. Elche sind wahre Riesen. Ein ausgewachsener Bulle ist größer als ein Pferd. Er kann eine Schulterhöhe von zwei Metern und ein Gewicht von einer halben Tonne erreichen.

Unmut bei Förstern

In der schwedischen Forstwirtschaft sorgt der Elch für Unmut. „Elche sind bei Förstern ungern gesehen, weil sie die Triebe junger Bäume verbeißen und die Rinde von den Bäumen schälen“, erklärt Mathias Herrmann. Um den Wald zu schützen, werden in Schweden jedes Jahr fast 100 000 Tiere geschossen. Doch solche Szenarien sind für Deutschland kaum denkbar. Eine flächendeckende Verbreitung hält Manfred Wölfl für wenig wahrscheinlich, da die denkbaren Lebensräume nicht groß genug sind. „Es wird wohl stellenweise kleine Populationen geben, zwischen denen einzelne Tiere hin und her ziehen.“





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008