15.12. - Altenberger Elch frisst Vugelbärbaam kahl

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Die heimliche Hymne des Erzgebirges - das Lied vom Vugelbärbaam - muss im ostsächsischen Altenberg unter Umständen neu geschrieben werden. Denn dass es keinen schöneren Baum gibt, als den Vogelbeerbaum, können die Förster dort nicht mehr bestätigen. Seit sich Anfang November im Forstbezirk Bärenfels ein eineinhalbjähriger Elch-Bulle niedergelassen hat, gehören Ebereschen zu seiner bevorzugten Nahrung. Auf einer Waldfläche mit 245 dieser Bäumchen hat er sich bereits über 225 Pflanzen hergemacht.

"Die Schäden auch an anderen Bäumen sind enorm", berichtete Sachsenforstsprecher Thomas Rother am Montag. Bei einem Nahrungsbedarf von mindestens 20 Kilogramm pro Tag sei das auch nicht verwunderlich. "Der Bulle schält die Rinde von den Stämmen oder macht sich über ganze Bäume her, neuerdings sogar über Nadelgehölze." Durch die "Wunden" am Stamm könnten sich Bakterien und Pilze einnisten, die die Holzstruktur zerstören. Dadurch würden die Bäume instabil. Sie brechen bei Schnee und Eis schneller oder sterben im nächsten Jahr völlig ab.

Elch mit untypischem Verhalten gibt den Fachleuten Rätsel auf

Rother räumt ein, dass das Verhalten des Elches, über dessen Herkunft man bis heute nichts wisse, den Experten Rätsel aufgibt. Sie hatten angenommen, dass das Tier im Osterzgebirge nur Zwischenstation macht und dann weiter zieht. Doch der Elch denkt gar nicht daran. Er hält sich weiter in einem relativ begrenzten Gebiet nahe des Erzgebirgskamms auf. Und er lässt Förster und Ausflügler sogar dicht an sich heran, man könnte fast meinen, er posiert für Fotoshootings.

Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten geht jetzt nicht mehr nur mit seinem Hund Boris joggen, sondern hat immer auch einen Fotoapparat dabei. "Als der Elch am 16. November das erste Mal nahezu majestätisch vor mir stand, sind mein Hund und ich in Ehrfurcht erstarrt. Zuhause glaubte mir diese Begegnung niemand", so der Stadtchef. "Wahrscheinlich gefällt es dem Elch bei uns, sonst würde er ja nicht bleiben", spekuliert Kirsten.

Zugleich wundert er sich, dass die Altenberger kaum Ideen haben, um aus dem prächtigen Tier Kapital zu schlagen. "Weder die Hoteliers noch die Schnitzer reagieren. Wenn ich daran denke, wie Bruno, der Bär, in Bayern seinerzeit den Tourismus zumindest für kurze Zeit belebt hat, da verschenken wir uns hier einiges." Kirsten denkt an forstkundliche Wanderungen oder an Safaris unter Anleitung von Experten.

Fresslust des Tieres würde im Fluchtfall noch wachsen

Doch beim Sachsenforst hält man davon nichts. Rother bittet ausdrücklich darum, dass niemand auf Elch-Pirsch gehen soll. "Wird das Tier erst durch Touristenscharen in die Flucht geschlagen oder zum Ausweichen gezwungen, steigt sein Energiebedarf enorm. Die Schäden in dem Wald, der sich gerade erst langsam von den Umweltsünden der 1980er Jahre erholt hat, werden noch größer", warnt Thomas Rother.

Inzwischen hat zumindest ein Seiffener Männelmacher den Elch zu klingender Münze gemacht. In der Reifendreherei Werner, einem Traditionsbetrieb, sind bisher 400 Elche, etwa sechs Zentimeter hoch, aus gedrehten Reifen abgespalten und bemalt worden. "Sie werden auf dem Striezelmarkt, in der Loschwitzer Kunststube in Dresden und in Altenberg am Skilift verkauft, für 8,95 Euro das Stück", erzählt Andreas Werner, Sohn von Firmenchef Christian Werner. Und während die Altenberger ihrem Original noch keinen Namen verpasst haben, ging das in Seiffen bei der Miniatur-Kopie ganz schnell. Dieser Elch heißt Dustav.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008