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Die heimliche Hymne des Erzgebirges - das Lied vom Vugelbärbaam
- muss im ostsächsischen Altenberg unter Umständen neu geschrieben
werden. Denn dass es keinen schöneren Baum gibt, als den
Vogelbeerbaum, können die Förster dort nicht mehr bestätigen. Seit
sich Anfang November im Forstbezirk Bärenfels ein
eineinhalbjähriger Elch-Bulle niedergelassen hat, gehören
Ebereschen zu seiner bevorzugten Nahrung. Auf einer Waldfläche mit
245 dieser Bäumchen hat er sich bereits über 225 Pflanzen
hergemacht.
"Die Schäden auch an anderen Bäumen sind enorm", berichtete
Sachsenforstsprecher Thomas Rother am Montag. Bei einem
Nahrungsbedarf von mindestens 20 Kilogramm pro Tag sei das auch
nicht verwunderlich. "Der Bulle schält die Rinde von den Stämmen
oder macht sich über ganze Bäume her, neuerdings sogar über
Nadelgehölze." Durch die "Wunden" am Stamm könnten sich Bakterien
und Pilze einnisten, die die Holzstruktur zerstören. Dadurch würden
die Bäume instabil. Sie brechen bei Schnee und Eis schneller oder
sterben im nächsten Jahr völlig ab.
Elch mit untypischem Verhalten gibt den Fachleuten Rätsel auf
Rother räumt ein, dass das Verhalten des Elches, über dessen
Herkunft man bis heute nichts wisse, den Experten Rätsel aufgibt.
Sie hatten angenommen, dass das Tier im Osterzgebirge nur
Zwischenstation macht und dann weiter zieht. Doch der Elch denkt
gar nicht daran. Er hält sich weiter in einem relativ begrenzten
Gebiet nahe des Erzgebirgskamms auf. Und er lässt Förster und
Ausflügler sogar dicht an sich heran, man könnte fast meinen, er
posiert für Fotoshootings.
Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten geht jetzt nicht mehr nur
mit seinem Hund Boris joggen, sondern hat immer auch einen
Fotoapparat dabei. "Als der Elch am 16. November das erste Mal
nahezu majestätisch vor mir stand, sind mein Hund und ich in
Ehrfurcht erstarrt. Zuhause glaubte mir diese Begegnung niemand",
so der Stadtchef. "Wahrscheinlich gefällt es dem Elch bei uns,
sonst würde er ja nicht bleiben", spekuliert Kirsten.
Zugleich wundert er sich, dass die Altenberger kaum Ideen haben, um
aus dem prächtigen Tier Kapital zu schlagen. "Weder die Hoteliers
noch die Schnitzer reagieren. Wenn ich daran denke, wie Bruno, der
Bär, in Bayern seinerzeit den Tourismus zumindest für kurze Zeit
belebt hat, da verschenken wir uns hier einiges." Kirsten denkt an
forstkundliche Wanderungen oder an Safaris unter Anleitung von
Experten.
Fresslust des Tieres würde im Fluchtfall noch wachsen
Doch beim Sachsenforst hält man davon nichts. Rother bittet
ausdrücklich darum, dass niemand auf Elch-Pirsch gehen soll. "Wird
das Tier erst durch Touristenscharen in die Flucht geschlagen oder
zum Ausweichen gezwungen, steigt sein Energiebedarf enorm. Die
Schäden in dem Wald, der sich gerade erst langsam von den
Umweltsünden der 1980er Jahre erholt hat, werden noch größer",
warnt Thomas Rother.
Inzwischen hat zumindest ein Seiffener Männelmacher den Elch zu
klingender Münze gemacht. In der Reifendreherei Werner, einem
Traditionsbetrieb, sind bisher 400 Elche, etwa sechs Zentimeter
hoch, aus gedrehten Reifen abgespalten und bemalt worden. "Sie
werden auf dem Striezelmarkt, in der Loschwitzer Kunststube in
Dresden und in Altenberg am Skilift verkauft, für 8,95 Euro das
Stück", erzählt Andreas Werner, Sohn von Firmenchef Christian
Werner. Und während die Altenberger ihrem Original noch keinen
Namen verpasst haben, ging das in Seiffen bei der Miniatur-Kopie
ganz schnell. Dieser Elch heißt Dustav.