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In Skandinavien hat die Jagdsaison begonnen – 250.000 Jäger
werden allein in Schweden in den kommenden Wochen in ihrer Freizeit
schätzungsweise 100000 Elche erlegen. Und weil Skandinavier
akribischere Regelliebhaber sind, kommt es regelmäßig schon zu
Beginn der Saison zu seltsam anmutenden Konflikten. Denn der
kollektive Blutrausch läuft nie wirklich geregelt ab.
Der dänische Jäger wird jetzt selbst mit dem Tode bedroht
In diesem Jahr ist der Skandal besonders groß: Noch bevor die
Saison überhaupt offiziell eröffnet wurde, schaffte es ein
besonders skrupelloser Elchjäger fast gleichzeitig in die
Hauptnachrichten Schwedens, Dänemarks und Norwegens. Der Däne
tötete gegen die Regeln auf norwegischem Hoheitsgebiet den
Albino-Elch „Albin“. Weil sie extrem selten sind, dürfen
Albino-Elche eigentlich nicht geschossen werden – wegen ihrer
weißen Farbe sind sie aber für Jäger besonders gut sichtbar. Albin
stand zudem unter ganz besonderem Schutz: Seit er im Jahr 2006
auftauchte, wurde er dank seiner stattlichen Größe als „König des
Waldes“ berühmt.
Nachdem eine Zeitung titelte: „Däne tötet Promi-Elch Albin“, und
auch gleich den Namen des Jägers enthüllte, klagt dieser nun über
zahlreiche Morddrohungen von norwegischen Nationalisten. Der Jäger
wird zum Gejagten. Er hat den falschen Elch erlegt.
Dennoch tritt der Mann mutig auf: „Als ich den Elch ein paar
Hundert Meter entfernt sah, wollten mir einfach keine Regeln
einfallen, die ihn irgendwie besonders beschützen würden“, sagte
er. Im Fernsehen erinnern sich unterdessen alte Elchjäger wehmütig
an beeindruckende Begegnungen mit Albin. Es sei selbstverständlich
gewesen, ihn am Leben zu lassen, sagt etwa Oddbjörn Onsaker – und
spricht von „Jägerehre“. Auch der Jagdverband tobt. Einen so
„selten dummen“ Jäger, wie diesen Dänen habe man schon lange nicht
mehr erlebt.
Andere, die sich an die Regeln halten, bekommen unterdessen viel
Anerkennung: Dem 91-jährigen schwedischen Jäger Holger Eklund etwa
gratuliert die Zeitung Vimmerby Tidning zu seiner 68. Jagdsaison.
Er habe in „wenigen Sekunden“ ein Elchkalb und dessen Mutter
hingerichtet. Und das in seinem hohen Alter.
Und auch der Jäger Martin Söderberg hat es in die Medien geschafft:
Er schoss einen Elch, an dessen Hals die Schnur einer
Kinderschaukel festgewachsen war – vermutlich nach einem Unfall.
Das Tier, glaubt man nun, habe unter der Leine arg gelitten und sei
jetzt von seiner Qual befreit: „Das muss doch gestört haben“, wird
der einfühlsame Jäger zitiert.
Eine andere Regionalzeitung lobt unterdessen die Entscheidung der
örtlichen Grundschule. Die hat einem Neunjährigen eine Woche
schulfrei gegeben, damit er mit dem Vater ungestört Tiere töten
darf.
Und die Jagd geht weiter.