14.09. - Das große Geheimnis um die Elche

gesehen auf www.berlinonline.de

Acht der Tiere leben zum Teil seit Jahren östlich von Berlin - Behörden schwiegen, um sie vor Nachstellungen zu schützen
Es sind große, bullige Tiere, bis zu 450 Kilo schwer. Sie traben gemächlich durch den Wald, scheinen vor niemandem Angst zu haben. Eigentlich sind sie in Skandinavien, der russischen Tundra oder in Polen heimisch. Doch am Montag wurde ein stolzer Elch bei Friedland, südlich von Beeskow, gesichtet. Mit diesem Neuzugang leben nun insgesamt acht Elche im Oder-Spree-Kreis zwischen Berlin und der polnischen Grenze.

Tier des Jahres

Offenbar hat sich Brandenburg als Elchland etabliert - wenn auch im kleinen Stil. "Wir hatten in der Region bisher vier Elchbullen und zwei Kühe, eine hat ein Kalb", sagt Matthias Fochtmann von der Jagdbehörde Beeskow. "Einige Tiere sind bereits seit drei Jahren hier."

Das ist eine kleine Sensation und passt gut dazu, dass der Elch zum Tier des Jahres 2007 erklärt wurde, weil er immer öfter nach Deutschland einwandert. Bisher wurden pro Jahr bis zu fünf Elche in Brandenburg gesehen, aber die blieben nicht lange. "In der Grenzregion gibt es jedes Jahr aus Polen einwandernde Elche", sagt Bernd Möller, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes. "Doch ihr Aufenthalt bei uns endete meist tragisch, weil sie von Autos angefahren wurden." Die Tiere aus dem dünner besiedelten Polen kämen hier mit dem Verkehr nicht klar. Jahrelang hielt die Jagdbehörde es geheim, dass so viele Elche in Brandenburg sesshaft sind. "Wir wollten nicht, dass ihnen Hobbyfotografen nachstellen", so Fochtmann. Doch als nun der Elch bei Friedland gesichtet wurde, habe ein Naturschützer behauptet, das Tier sei durch Jäger gefährdet. "Das stimmt nicht", sagt Fochtmann. "Wir haben die aktuellen Zahlen herausgegeben, um zu zeigen, dass wir seit Jahren unsere Hände schützend über die Elche halten." Auch der Jagdverband ist erbost. "Der Elch unterliegt einer ganzjährigen Schonzeit", sagt Möller. "Ihn zu schießen ist eine Straftat. Das macht kein Jäger."

Elche - mit bis zu 2,30 Meter Schulterhöhe die weltweit größten Hirsche - waren auf deutschen Gebiet im Mittelalter weit verbreitet. Seit Jahrzehnten gelten sie hier als ausgerottet. Zu DDR-Zeiten kamen insgesamt etwa 100 Elche aus dem benachbarten Polen. Dort lebten Anfang der 90er-Jahre etwa 4 000 Elche. Da sie zunächst nicht gejagt werden durften, wuchs die Population schnell auf 7 000 - seitdem werden wieder Elche geschossen.

"Es gibt Spekulationen, dass die Elche auch wegen des so genannten Jagddrucks in Polen zu uns kommen", sagt Matthias Freude,Präsident des Landesumweltamtes. Ein Tier wanderte sogar bis zum Rhein. "Ob sich der Elch bei uns dauerhaft ansiedelt, hängt auch davon ab, ob wir ihn hier akzeptieren."





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008