14.02. - Elche verirren sich im Paragrafendschungel

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Weil sie nicht genug fressen, der Tierschutz fraglich ist und ein gültiger Vertrag fehlt, müssen die Tiere ihr Gelände bei Dauban vielleicht verlassen.
Noch staksen sie auf ihren langen dünnen Beine über Oberlausitzer Heideland. Noch locken sie Neugierige in Scharen an. Noch sind die Elche Toke, Runa und Co nahezu unumstrittene Repräsentanten der Region. Doch mit der Landschaftspflege durch das vierbeinige Großwild auf dem einstigen Daubaner Truppenübungsplatz nahe Niesky könnte bald Schluss sein.

Ein Grund: Die Tiere machen ihre Arbeit nicht ordentlich, Seit 2001 sollen sie die besondere Heidelandschaft erhalten, in dem sie Büsche, kleine Bäume und Sträucher wegfressen. „Das Projekt war nicht so erfolgreich wie gedacht“, sagt Franz von Plettenberg, Leiter des Bundesforstamtes Lausitz. Dem Amt gehört die 150 Hektar große Fläche, auf der die Elche leben. Doch in spätestens zwei bis drei Jahren geht sie an die Naturerbe GmbH der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) über. Ob die DBU am Elchprojekt festhält, ist fraglich. „Der Erfolg ist nicht so, wie man sich das vorgestellt hat“, sagt auch Uwe Fuellhaas von der DBU und bestätigt Plettenberg. Man werde überlegen, wie es weitergeht, mit den Beteiligten sprechen und eine Lösung suchen.

Die sieht Franz von Plettenberg nicht unbedingt in den Elchen. Auch aus Tierschutzgründen nicht. Um die Landschaft besser zu pflegen, müsste man künftig noch mehr Elche auf dem Gelände halten. Seiner Meinung nach ist dafür die Fläche zu klein. Zum Vergleich: Beim kleineren Rotwild gebe es nur ein bis drei Tiere auf hundert Hektar. Für neun Elche bieten 150 Hektar somit zu wenig Platz. Es sei zu harten Kämpfen zwischen männlichen Tieren gekommen und zu Missbildungen, ein sogenanntes Perückengeweih, das in die Augen wachsen kann. Letzteres bestätigt Elchbetreuer Michael Striese. Das lässt sich aber entfernen.

Vierbeiner ohne Pachtvertrag

Aktuell gibt es noch ein zweites, dringenderes Problem: Die Elche, beziehungsweise ihre Vertreter, haben keinen gültigen Pachtvertrag mehr für das Gelände. Der letzte zwischen dem zuständigen Förderverein „Natur in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ und dem Bundesforstamt lief Ende 2009 aus, bestätigen alle Seiten. Trotz aller Bemühung sei nichts Neues zustande gekommen, sagt Annett Hertweck vom Förderverein. „Damit haben wir keine Rechtssicherheit“, sieht Franz von Plettenberg das Problem. Sollten die Tiere davonlaufen, was dann? So etwas könnte durchaus passieren. Denn der Zaun um das Gelände herum muss instand gesetzt werden. Um die 60.000 Euro kostet das. Dafür fehlt dem Förderverein das Geld. Zumal das Elchprojekt seit 2007 nicht mehr vom Freistaat Sachsen bezahlt wird. Zuletzt gab es nur noch finanzielle Unterstützung vom Umweltministerium.

Im Übrigen ist der Erhalt der Heidelandschaft laut Förderverein ohnehin vor allem den im Gelände lebenden Moorschnucken zuzuschreiben. Und der Pflege durch Mitarbeiter und Verein. Das hieße, die Elche sind überflüssig. Doch soweit will sich Annett Hertweck nicht aus dem Fenster lehnen.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 14.02.2011