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Nicht nur WM-Touristen und Journalisten, sondern auch viele Athleten zieht es
in das Hinterland von Östersund. Sie wollen Beppe, Elvira, Blenda und deren
Freunde besuchen - halbzahme Elche, die im "Moose Garden" ihr Zuhause haben.
"Vor zwei Tagen haben wir ein ganz besonderes Erlebnis gehabt," erzählt Sune
Häggmark, seines Zeichens Elchvater und Gründer der Elchfarm "Moose Garden". Vor
zwei Tagen nämlich war Magdalena Neuner zu Besuch. Häggmark gerät ins Schwärmen
über die deutsche Skijägerin, die ihre wenige Freizeit für einen Ausflug zu den
Elchen genutzt hatte. "Ich schwöre, Magda hat die Elche gezähmt, so etwas habe
ich in den vergangenen zehn Jahren noch nie erlebt: Es war Liebe auf den ersten
Blick zwischen den Tieren und ihr, sie konnte sie umarmen und herzen wie
Kuscheltiere", lacht Sune. Der pfiffige Elchpappa hat deshalb auch schon eine
super Idee: "Das nächste Kalb, das im Frühjahr hier geboren wird, nennen wir
Magda!" Derzeit leben sechs Tiere auf der Elchfarm: Beppe, Elvira, Helge,
Blenda, Bettan und Nordis. Der Boss, die Alpha-Kuh, ist Blenda. Sie ist es auch,
die im Frühjahr Nachwuchs erwartet, Zwillinge, wie bei Elchen üblich. Und eines
davon ist Magda. Begonnen hat das Elchabenteuer des etwas kauzigen Sune Häggmark
vor zehn Jahren. Zwei Elchkälber, beide erst eine Woche alt und Opfer eines
Verkehrsunfalls, sind buchstäblich in Häggmarks Armen gelandet. Obwohl niemand
daran geglaubt hat, hat es der Eigenbrödler geschafft, die Tiere großzuziehen.
Er hat ein Gehege gebaut und sich fortan rund um die Uhr um "seinen" Nachwuchs
gekümmert. Und siehe da, nur zwei Jahre später ist das erste Elchkalb geboren
worden. Ein Zeichen, dass es den Tieren gut gefällt bei Sune. So weit so gut,
hat er sich gedacht. Wenn man schon mal Elche hat, könnte man doch auch
probieren, aus ihnen Kapital zu schlagen. Und so ist er auf die Idee gekommen,
aus dem Elchmist Papier zu erzeugen ("eine Ladung von zehn Bällchen ergibt ein
Blatt, jedes Tier scheidet am Tag gut 15 Mal das Verdaute aus", rechnet er vor).
Elche ernähren sich im Winter vor allem von Ästen und Zweigen. "Was die Tiere
ausscheiden, ist reinste Zellulose", erklärt Sune. Aus dem Papier wiederum
stellt Häggmark nicht nur Schreibpapier, Visitenkarten, Postkarten und ähnliches
her, nein, er druckt damit auch Geldscheine. "Wir führen Währungen aus 150
Ländern - aber auch dieses Geld stinkt nicht, denn es ist zu Hundert Prozent
Zellulose", lacht der Unternehmer. Souvenirladen auf der Elchfarm nahe
ÖstersundNeben Papier produziert Elchvater Häggmark Elchmilch, Elchkäse,
Elchseife (Seife mit einem sterilen Elchkotbällchen in der Mitte) - und sogar
Elchhonig. Letzteren allerdings stellt er in starker Kooperation mit Bienen her,
die den Hauptanteil an dem Produkt beisteuern. Elche und Bienen in einem Topf?
Sunes Erklärung: Elche und Bienen mögen dieselben Blüten. Ach so... Blenda und
ihre Artgenossen lassen sich von dem Besuchertrubel zweimal am Tag nicht aus der
Ruhe bringen. Sie nutzen das "Meeting", um sich mit leckeren Kartoffeln den
Bauch vollzuschlagen, bevor sie sich wieder in die Wälder des 15 Hektar großen
Geheges zurückziehen. Dort leben sie geschützt, im Gegensatz zu ihren rund
300.000 Artgenossen in freier Wildbahn. Da der Elch keinen natürlichen Feind
hat, werden jedes Jahr bis zu 100.000 Tiere abgeschossen, um eine Überpopulation
zu verhindern. Die majestätischen Tiere, die zur Familie der Hirsche gehören,
sind ein Symbol der Provinz Jämtland, zu der Östersund gehört. So ist es auch
der König des Waldes, der das Stadtwappen des WM-Gastgebers ziert. Magdalena
Neuner hat bei ihrem Besuch einen Topf voll Elchhonig mitgenommen. Auch Andrea
Henkel war schon auf der Elchfarm und hat sich ebenfalls mit Honig eingedeckt.
"Das ist das reinste Bio-Doping, und wie man an den Erfolgen der Mädels sieht,
wirkt es ja", lacht Sune. Er freut sich jedenfalls schon auf das Elchkalb Magda,
das im Frühjahr das Licht der Welt erblicken wird.