14.02. - Ein Elch namens Magda

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Nicht nur WM-Touristen und Journalisten, sondern auch viele Athleten zieht es in das Hinterland von Östersund. Sie wollen Beppe, Elvira, Blenda und deren Freunde besuchen - halbzahme Elche, die im "Moose Garden" ihr Zuhause haben. "Vor zwei Tagen haben wir ein ganz besonderes Erlebnis gehabt," erzählt Sune Häggmark, seines Zeichens Elchvater und Gründer der Elchfarm "Moose Garden". Vor zwei Tagen nämlich war Magdalena Neuner zu Besuch. Häggmark gerät ins Schwärmen über die deutsche Skijägerin, die ihre wenige Freizeit für einen Ausflug zu den Elchen genutzt hatte. "Ich schwöre, Magda hat die Elche gezähmt, so etwas habe ich in den vergangenen zehn Jahren noch nie erlebt: Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen den Tieren und ihr, sie konnte sie umarmen und herzen wie Kuscheltiere", lacht Sune. Der pfiffige Elchpappa hat deshalb auch schon eine super Idee: "Das nächste Kalb, das im Frühjahr hier geboren wird, nennen wir Magda!" Derzeit leben sechs Tiere auf der Elchfarm: Beppe, Elvira, Helge, Blenda, Bettan und Nordis. Der Boss, die Alpha-Kuh, ist Blenda. Sie ist es auch, die im Frühjahr Nachwuchs erwartet, Zwillinge, wie bei Elchen üblich. Und eines davon ist Magda. Begonnen hat das Elchabenteuer des etwas kauzigen Sune Häggmark vor zehn Jahren. Zwei Elchkälber, beide erst eine Woche alt und Opfer eines Verkehrsunfalls, sind buchstäblich in Häggmarks Armen gelandet. Obwohl niemand daran geglaubt hat, hat es der Eigenbrödler geschafft, die Tiere großzuziehen. Er hat ein Gehege gebaut und sich fortan rund um die Uhr um "seinen" Nachwuchs gekümmert. Und siehe da, nur zwei Jahre später ist das erste Elchkalb geboren worden. Ein Zeichen, dass es den Tieren gut gefällt bei Sune. So weit so gut, hat er sich gedacht. Wenn man schon mal Elche hat, könnte man doch auch probieren, aus ihnen Kapital zu schlagen. Und so ist er auf die Idee gekommen, aus dem Elchmist Papier zu erzeugen ("eine Ladung von zehn Bällchen ergibt ein Blatt, jedes Tier scheidet am Tag gut 15 Mal das Verdaute aus", rechnet er vor). Elche ernähren sich im Winter vor allem von Ästen und Zweigen. "Was die Tiere ausscheiden, ist reinste Zellulose", erklärt Sune. Aus dem Papier wiederum stellt Häggmark nicht nur Schreibpapier, Visitenkarten, Postkarten und ähnliches her, nein, er druckt damit auch Geldscheine. "Wir führen Währungen aus 150 Ländern - aber auch dieses Geld stinkt nicht, denn es ist zu Hundert Prozent Zellulose", lacht der Unternehmer. Souvenirladen auf der Elchfarm nahe ÖstersundNeben Papier produziert Elchvater Häggmark Elchmilch, Elchkäse, Elchseife (Seife mit einem sterilen Elchkotbällchen in der Mitte) - und sogar Elchhonig. Letzteren allerdings stellt er in starker Kooperation mit Bienen her, die den Hauptanteil an dem Produkt beisteuern. Elche und Bienen in einem Topf? Sunes Erklärung: Elche und Bienen mögen dieselben Blüten. Ach so... Blenda und ihre Artgenossen lassen sich von dem Besuchertrubel zweimal am Tag nicht aus der Ruhe bringen. Sie nutzen das "Meeting", um sich mit leckeren Kartoffeln den Bauch vollzuschlagen, bevor sie sich wieder in die Wälder des 15 Hektar großen Geheges zurückziehen. Dort leben sie geschützt, im Gegensatz zu ihren rund 300.000 Artgenossen in freier Wildbahn. Da der Elch keinen natürlichen Feind hat, werden jedes Jahr bis zu 100.000 Tiere abgeschossen, um eine Überpopulation zu verhindern. Die majestätischen Tiere, die zur Familie der Hirsche gehören, sind ein Symbol der Provinz Jämtland, zu der Östersund gehört. So ist es auch der König des Waldes, der das Stadtwappen des WM-Gastgebers ziert. Magdalena Neuner hat bei ihrem Besuch einen Topf voll Elchhonig mitgenommen. Auch Andrea Henkel war schon auf der Elchfarm und hat sich ebenfalls mit Honig eingedeckt. "Das ist das reinste Bio-Doping, und wie man an den Erfolgen der Mädels sieht, wirkt es ja", lacht Sune. Er freut sich jedenfalls schon auf das Elchkalb Magda, das im Frühjahr das Licht der Welt erblicken wird.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.02.2008