13.10. - König des Waldes ist wieder da

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Pilzsucher in den ausgedehnten Wäldern westlich der Oder aber auch Autofahrer in diesen Regionen sollten vorsichtig sein. Wagen sie sich zu weit ins Unterholz oder rasen sie in der Dämmerung unaufmerksam durch die Gegend, könnten sie unverhofft vor einem Elch stehen. Immerhin neun verschiedene Exemplare wurden von Jägern im Kreis Oder-Spree jüngst gesichtet, ein weiteres Tier ist im Nationalpark Unteres Odertal im Nordosten Brandenburgs aufgetaucht.

Elche würden beim Anblick von Menschen nicht etwa panisch das Weite suchen. "Dazu sind sie viel zu phlegmatisch, außerdem haben sie vor uns nicht unbedingt Angst", erklärt Matthias Fochtmann von der unteren Jagdbehörde Oder-Spree. So eine Begegnung im Dickicht des Waldes oder mitten auf der Straße könnte in der bis Mitte Oktober anhaltenden Brunftzeit der Elche durchaus gefährlich werden. Fühlen sich die jeweils bis zu 800 Kilogramm schweren Tiere bedrängt, reagierten sie aggressiver.

Dass der imposante König des Waldes durch die Gegend zwischen Oder und Spree streift, ist Jägern und Naturschützern schon länger bekannt. Da die Tiere anhand ihrer Geweihe zu unterscheiden sind, wissen die Beobachter, dass einige von ihnen schon zwei, drei Jahre hier leben. Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, dämpft die Hoffnungen von Interessierten, im Wald einem Elch zu begegnen. "Er wird bei uns niemals so häufig vorkommen, wie Rehe oder Wildschweine." Auch Polizisten hielten in en vergangenen Wochen dicht. Polizisten hatten unlängst einen Elch an der Autobahn 12 gesehen. "Glücklicherweise ist die Trasse nahezu komplett von einem Wildzaun gesäumt, sonst wäre es wohl schon zu folgenschweren Kollisionen gekommen", so Fochtmann.

Für den Chef der Jagdbehörde sind die Zuwanderer keine Sensation. "Das ehemalige Ostpreußen ist traditionelles Elchland. Von dort aus überquerten die überwiegend als Einzelgänger lebenden Tiere auch immer wieder die Oder – auf ihren traditionellen Wanderrouten über Schleswig-Holstein bis nach Dänemark." Nach dem Zweiten. Weltkrieg habe es östlich der Oder noch etwa 200 Exemplare gegeben, in den vergangenen Jahrzehnten sei die Population auf etwa 4000 Tiere gestiegen. Sie leben überwiegend im Warthebruch, einem 4500 Hektar großen Vogelschutzgebiet mit idealen Bedingungen: Ausgedehnte Wälder mit großen Feuchtgebieten – ein Paradies für Elche, deren Leibspeise Wasserpflanzen, insbesondere Seerosen, sind. Bereits Anfang der 90-er Jahre hatte es laut Fochtmann eine Zunahme der Elche in Ostbrandenburg gegeben. "Das endete nach einigen Jahren, als Elche in Polen stark bejagt wurden." In der Zwischenzeit hätten sich die Waidmänner des Nachbarlandes jedoch besonnen aber verstärkt auf die Hege konzentriert.

"Im Warthe-Paradies ist offenbar nicht mehr Platz für alle", vermutet Fochtmann. Ob die Tiere Brandenburg nur als "Transitland" benutzen oder hier – und damit erstmals wieder in Deutschland – heimisch werden ist unklar. Für Matthias Freude ist die Wiederansiedlung nur eine Frage der Zeit. "Neben Mecklenburg-Vorpommern haben wir die größten zusammenhängenden Naturflächen." Traditionell ziehen die männlichen Tiere in neue Gebiete. Unter den im Oder-Spree-Kreis Gesichteten sind aber auch zwei weibliche Tiere, eines davon sogar mit Nachwuchs. Und die werden eher sesshaft.

Doch nicht jeder würde sich über die Rückkehr der Elche in der Mark freuen. Kritiker befürchten Schäden in der Forstwirtschaft, ernähren sich die nordischen Hirsche doch auch von jungen Trieben und fressen ganze Schonungen leer. 40 Kilogramm Grünzeug kann ein Elch pro Tag wegputzen.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008