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Pilzsucher in den ausgedehnten Wäldern westlich der Oder aber auch Autofahrer
in diesen Regionen sollten vorsichtig sein. Wagen sie sich zu weit ins Unterholz
oder rasen sie in der Dämmerung unaufmerksam durch die Gegend, könnten sie
unverhofft vor einem Elch stehen. Immerhin neun verschiedene Exemplare wurden
von Jägern im Kreis Oder-Spree jüngst gesichtet, ein weiteres Tier ist im
Nationalpark Unteres Odertal im Nordosten Brandenburgs aufgetaucht.
Elche würden beim Anblick von Menschen nicht etwa panisch das Weite
suchen. "Dazu sind sie viel zu phlegmatisch, außerdem haben sie vor uns nicht
unbedingt Angst", erklärt Matthias Fochtmann von der unteren Jagdbehörde
Oder-Spree. So eine Begegnung im Dickicht des Waldes oder mitten auf der Straße
könnte in der bis Mitte Oktober anhaltenden Brunftzeit der Elche durchaus
gefährlich werden. Fühlen sich die jeweils bis zu 800 Kilogramm schweren Tiere
bedrängt, reagierten sie aggressiver.
Dass der imposante König des
Waldes durch die Gegend zwischen Oder und Spree streift, ist Jägern und
Naturschützern schon länger bekannt. Da die Tiere anhand ihrer Geweihe zu
unterscheiden sind, wissen die Beobachter, dass einige von ihnen schon zwei,
drei Jahre hier leben. Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude,
dämpft die Hoffnungen von Interessierten, im Wald einem Elch zu begegnen. "Er
wird bei uns niemals so häufig vorkommen, wie Rehe oder Wildschweine." Auch
Polizisten hielten in en vergangenen Wochen dicht. Polizisten hatten unlängst
einen Elch an der Autobahn 12 gesehen. "Glücklicherweise ist die Trasse nahezu
komplett von einem Wildzaun gesäumt, sonst wäre es wohl schon zu folgenschweren
Kollisionen gekommen", so Fochtmann.
Für den Chef der Jagdbehörde sind
die Zuwanderer keine Sensation. "Das ehemalige Ostpreußen ist traditionelles
Elchland. Von dort aus überquerten die überwiegend als Einzelgänger lebenden
Tiere auch immer wieder die Oder – auf ihren traditionellen Wanderrouten über
Schleswig-Holstein bis nach Dänemark." Nach dem Zweiten. Weltkrieg habe es
östlich der Oder noch etwa 200 Exemplare gegeben, in den vergangenen Jahrzehnten
sei die Population auf etwa 4000 Tiere gestiegen. Sie leben überwiegend im
Warthebruch, einem 4500 Hektar großen Vogelschutzgebiet mit idealen Bedingungen:
Ausgedehnte Wälder mit großen Feuchtgebieten – ein Paradies für Elche, deren
Leibspeise Wasserpflanzen, insbesondere Seerosen, sind. Bereits Anfang der 90-er
Jahre hatte es laut Fochtmann eine Zunahme der Elche in Ostbrandenburg gegeben.
"Das endete nach einigen Jahren, als Elche in Polen stark bejagt wurden." In der
Zwischenzeit hätten sich die Waidmänner des Nachbarlandes jedoch besonnen aber
verstärkt auf die Hege konzentriert.
"Im Warthe-Paradies ist offenbar
nicht mehr Platz für alle", vermutet Fochtmann. Ob die Tiere Brandenburg nur als
"Transitland" benutzen oder hier – und damit erstmals wieder in Deutschland –
heimisch werden ist unklar. Für Matthias Freude ist die Wiederansiedlung nur
eine Frage der Zeit. "Neben Mecklenburg-Vorpommern haben wir die größten
zusammenhängenden Naturflächen." Traditionell ziehen die männlichen Tiere in
neue Gebiete. Unter den im Oder-Spree-Kreis Gesichteten sind aber auch zwei
weibliche Tiere, eines davon sogar mit Nachwuchs. Und die werden eher
sesshaft.
Doch nicht jeder würde sich über die Rückkehr der Elche in der
Mark freuen. Kritiker befürchten Schäden in der Forstwirtschaft, ernähren sich
die nordischen Hirsche doch auch von jungen Trieben und fressen ganze Schonungen
leer. 40 Kilogramm Grünzeug kann ein Elch pro Tag
wegputzen.