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Die schlechte Nachricht überbrachte am Montagmorgen die Polizei:
Ein Autofahrer hat am Sonntagabend gegen 22.25 Uhr auf der B 20,
unmittelbar nach der Auffahrt Furth im Wald, einen Elch
totgefahren. Die Überraschung: Das Tier ist männlich. Nach den
Beobachtungen der letzten Wochen (wir berichteten) wird nun davon
ausgegangen, dass noch ein zweiter Elch durch den Landkreis Cham
läuft, eine Elchkuh. Das hätte sogar eine Logik: Elchkälber
verlassen normalerweise ihre Elterntiere gleichzeitig und
gemeinsam. Die beiden Jungtiere haben in etwa die gleiche Größe und
dasselbe Alter.
„Nein, das ist ein Elch!“
Der getötete Elchbulle hat nach Angaben der Polizei eine
Schulterhöhe von etwa 1,60 Metern. Er wurde kurz nach der Auffahrt
der B 20 in Furth auf der Bundesstraße von dem Auto erfasst, mit
großer Wucht am Kopf getroffen und auf den Asphalt geschleudert.
Weil es sich um keinen Frontalaufprall handelte, blieben alle
Insassen unverletzt und kamen mit dem Schrecken davon. Am Auto
entstand Schaden von rund 4000 Euro. Der tote Elch wurde von Jägern
mit einem Traktor geborgen. Nicht nur die Insassen des Autos
wollten ihren Augen kaum trauen. Auch Jagdpächter Willi Christl
glaubte zunächst an „eine riesige Sau“, als ihm seine Jagdkameraden
nachts den Elchbullen mit dem Traktor in Arnschwang vor das
Kühlhaus fuhren. Erst als er in den Hof lief, um nachzuschauen,
wurde er aufgeklärt: „Nein, das ist ein Elch!“
Lässt man den traurigen Anlass einmal beiseite, liegt der Elch bei
Christl genau richtig. Der Jagdpächter ist gelernter Metzger und
der Elch wiegt rund 300 Kilo. „Das ist etwas wie ein kleiner
Stier“, sagt Christl, der am Montagnachmittag gerade dabei war, das
Tier zu zerlegen. Er will das Fleisch erst einmal eine gute Woche
abhängen lassen. So wie bei anderem Wild auch. Außerdem fragt er
seine Jagdkollegen, ob die etwas von dem Braten haben wollen. Denn
der Elch ist rund eineinhalb Jahre alt und hat entsprechend gutes
Fleisch. Aber aufgrund der Menge geht Christl davon aus, „dass auch
die Öffentlichkeit etwas davon bekommen wird.“
Soweit der traurige Anlass. Die positive Überraschung daran ist,
dass derzeit davon ausgegangen werden muss, dass sich mindestens
zwei Elche durch den Landkreis Cham bewegen. Erste Elchbegegnungen
hatten bereit Mitte Juni in Rittsteig und Anfang Juli dann in Cham
für helle Aufregung und Schlagzeilen gesorgt.
Günter Bauer, im Landratsamt auch für die Untere Jagdbehörde
zuständig, ist sich sicher, dass es mindestens noch einen Elch gibt
und der überfahrene ein anderes Tier ist. Der erste Elch ist
nämlich eine „Elchin“. Sie wurde einwandfrei identifiziert. Der
Jäger Anton Maurer aus Neukirchen beim Hl. Blut hatte das Tier am
dortigen Lamberg vom Hochsitz aus in aller Ruhe beobachtet: eine
Elchkuh! Auch dieses Tier ist knapp 300 Kilo schwer und eineinhalb
Jahre alt.
Maurer hat nicht geschossen. Das dürfte er auch nicht. Warum,
erklärt Günter Bauer: „Der Elch ist ein jagdbares Tier, hat aber
keine Jagdsaison. Damit ist es eine Straftat, darauf zu schießen
und wird hart geahndet.“
Elchdame als Zaungast
In Chammünster war die Elchdame damals über einen Zaun gesprungen
und hatte dabei ein ganzes Büschel Haare hinterlassen. Das hatte
sich sofort Jagdpächter Günther Roiger gesichert und eingefroren.
Sie sollen demnächst von Dr. Jörg Müller untersucht werden, der
Biologe im Nationalpark ist. Roiger fand damals auch einen
Hufabdruck. Als er hörte, dass in der Nacht zum Sonntag ein Elch
totgefahren worden ist, machte er sich sofort auf den Weg nach
Arnschwang zu Willi Christl, um dort weitere Haar und Gewebeproben
zu ergattern. Spätestens dann kann über eine DNA-Probe festgestellt
werden, woher die Tiere kommen.
Einzelne Elche wandern etwa alle fünf Jahre in den Landkreis ein.
Sie gelten aber als kleine Sensation, weil die Lebensbedingungen
hier eigentlich zu trocken und zu warm sind. In Bayern gibt es
dafür einen sogenannten „Elchplan“. Die Daten werden in München
gesammelt und ausgewertet. Die beiden Chamer Elche sind dort
bereits gemeldet.