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Elche fressen Wälder kahl und sind in zahlreiche Verkehrsunfälle
verwickelt. Zum Schutz der Wälder und Menschen will Neufundland die
Zahl der Tiere halbieren.
Um die Wälder im Gros-Morne- und Terra-Nova-Nationalpark
Neufundlands vor dem Kahlfraß durch Elche zu schützen, sieht sich
die Nationalparkbehörde gezwungen, durch Jagd die Zahl der Tiere in
den Parks drastisch zu senken. Nicht nur das Ökosystem in den
Nationalparks ist durch die steigende Elchpopulation bedroht. Auf
den Straßen der Provinz werden jährlich Hunderte Menschen bei
Verkehrsunfällen mit den massigen Tieren verletzt.
„Die Gesundheit der Wälder in den Nationalparks ist gefährdet, weil
Elche die jungen Bäume so stark abfressen, dass der Lebenszyklus
der Wälder unterbrochen wird“, beschreibt Peter Deering,
Wildmanager des Gros-Morne-Nationalparks, die Lage. „Parks Canada“
befürchtet die Ausbreitung kahler Flächen und Folgen für den
Vogelbestand und andere Pflanzen, letztlich eine Veränderung des
gesamten Ökosystems.
Elche wurden erst vor etwas mehr als 100 Jahren auf die Insel
Neufundland gebracht. Da sie keine natürlichen Feinde haben und es
nach Angaben der Bundesbehörde „Parks Canada“ keine
Elch-Krankheiten gibt, die den Bestand von Zeit zu Zeit reduzieren,
haben sie sich schnell vermehrt. Geschätzt wird, dass es auf der
111 000 Quadratkilometer großen Insel 150 000 Elche gibt. Durch den
1800 Quadratkilometer großen Gros-Morne-Nationalpark an der
Nordwestküste, einem Unesco-Welterbe, ziehen laut Deering bis zu
5000 Elche. Etwa die Hälfte von Gros-Morne ist Wald. Im kleinen
Terra-Nova-Park leben 150 bis 200 Tiere.
Zahl der Wildunfälle stark angestiegen
Im Herbst soll begonnen werden, durch die erstmalige Zulassung von
Jagd in den Nationalparks die Zahl der Tiere zu reduzieren. Über
mehrere Jahre hinweg soll der Bestand in Gros-Morne etwa halbiert
werden. Überlegt wurden Alternativen wie die Einführung von Wölfen,
der Bau von Zäunen, Geburtenkontrolle durch empfängnisverhütende
Mittel, die den Kühen gespritzt oder in Ködern verabreicht werden,
oder das Fangen von Tieren und ihre Umsiedlung. „Wir kamen aber zu
dem Ergebnis, dass diese Maßnahmen nicht effizient genug wären“,
sagt Peter Deering.
Naturschutzverbände pflichten „Parks Canada“ bei. „Es gibt klare
wissenschaftliche Beweise, dass die Elche das Ökosystem schädigen
und dies ein Grund ist, den Bestand zu reduzieren“, sagt Alison
Woodley von der Canadian Parks and Wilderness Society.
Nicht nur in den beiden Nationalparks ist der wachsende Elchbestand
ein Problem. In ganz Neufundland ist die Zahl der Wildunfälle mit
Elchen stark gestiegen. Im Jahr 2000 wurden 386 Elchkollisionen mit
Fahrzeugen registriert, zehn Jahre später waren es 741. „Im Schnitt
sterben im Jahr dadurch zwei Menschen, manchmal vier oder fünf“,
berichtet Eugene Nippard, der eine Bürgerinitiative gründete, die
von der Provinzregierung Initiativen zur Verbesserung der
Sicherheit auf den Straßen fordert. Nippard wird nie den
Sommerabend 2002 vergessen, als ein mehrere Zentner schwerer Elch
vor sein Auto lief und die Windschutzscheibe zertrümmerte. „Mein
Wagendach war aufgerollt wie eine Sardinenbüchse“, erzählt er. Sein
Freund auf dem Beifahrersitz musste mit einer Rettungsschere
befreit werden, er selbst kam mit Schnittwunden im Gesicht
davon.
Sammelklagen gegen die Provinz
„Nirgendwo auf der Welt gibt es eine solche Elchdichte, aber wir
haben keinen Meter Zaun entlang der Straßen“, klagt Nippard. Seine
Organisation fordert eine höhere Jagdquote und den Bau von
Schutzzäunen, Unterführungen und Brücken. Selbst bei bedächtiger
Fahrweise komme es zu schrecklichen Unfällen, sagt er denen, die zu
schnelles Fahren als Hauptgrund für die steigende Unfallzahl
sehen.
Druck kommt auch von juristischer Seite: Rechtsanwalt Ches Crosbie
hat im Namen von Opfern von Unfällen mit Elchen Sammelklage gegen
die Provinz erhoben. Er fordert Schadenersatz für Hunderte
Betroffene und Hinterbliebene. Die beiden Kläger, der 59-jährige
Hugh George und der 54-jährige Ben Bellow, werfen der Regierung
vor, die Elche zwar nach Neufundland gebracht, aber keine Maßnahmen
zur Verkehrssicherheit getroffen zu haben. George prallte am 5.
August 2010 mit seinem Auto gegen einen Elch, Bellows vor acht
Jahren. Sie erlitten Gehirn- und Wirbelsäulenverletzungen und
sitzen nun im Rollstuhl.