11.04. - Elche werden zur Plage

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Elche fressen Wälder kahl und sind in zahlreiche Verkehrsunfälle verwickelt. Zum Schutz der Wälder und Menschen will Neufundland die Zahl der Tiere halbieren.

Um die Wälder im Gros-Morne- und Terra-Nova-Nationalpark Neufundlands vor dem Kahlfraß durch Elche zu schützen, sieht sich die Nationalparkbehörde gezwungen, durch Jagd die Zahl der Tiere in den Parks drastisch zu senken. Nicht nur das Ökosystem in den Nationalparks ist durch die steigende Elchpopulation bedroht. Auf den Straßen der Provinz werden jährlich Hunderte Menschen bei Verkehrsunfällen mit den massigen Tieren verletzt.

„Die Gesundheit der Wälder in den Nationalparks ist gefährdet, weil Elche die jungen Bäume so stark abfressen, dass der Lebenszyklus der Wälder unterbrochen wird“, beschreibt Peter Deering, Wildmanager des Gros-Morne-Nationalparks, die Lage. „Parks Canada“ befürchtet die Ausbreitung kahler Flächen und Folgen für den Vogelbestand und andere Pflanzen, letztlich eine Veränderung des gesamten Ökosystems.

Elche wurden erst vor etwas mehr als 100 Jahren auf die Insel Neufundland gebracht. Da sie keine natürlichen Feinde haben und es nach Angaben der Bundesbehörde „Parks Canada“ keine Elch-Krankheiten gibt, die den Bestand von Zeit zu Zeit reduzieren, haben sie sich schnell vermehrt. Geschätzt wird, dass es auf der 111 000 Quadratkilometer großen Insel 150 000 Elche gibt. Durch den 1800 Quadratkilometer großen Gros-Morne-Nationalpark an der Nordwestküste, einem Unesco-Welterbe, ziehen laut Deering bis zu 5000 Elche. Etwa die Hälfte von Gros-Morne ist Wald. Im kleinen Terra-Nova-Park leben 150 bis 200 Tiere.

Zahl der Wildunfälle stark angestiegen

Im Herbst soll begonnen werden, durch die erstmalige Zulassung von Jagd in den Nationalparks die Zahl der Tiere zu reduzieren. Über mehrere Jahre hinweg soll der Bestand in Gros-Morne etwa halbiert werden. Überlegt wurden Alternativen wie die Einführung von Wölfen, der Bau von Zäunen, Geburtenkontrolle durch empfängnisverhütende Mittel, die den Kühen gespritzt oder in Ködern verabreicht werden, oder das Fangen von Tieren und ihre Umsiedlung. „Wir kamen aber zu dem Ergebnis, dass diese Maßnahmen nicht effizient genug wären“, sagt Peter Deering.

Naturschutzverbände pflichten „Parks Canada“ bei. „Es gibt klare wissenschaftliche Beweise, dass die Elche das Ökosystem schädigen und dies ein Grund ist, den Bestand zu reduzieren“, sagt Alison Woodley von der Canadian Parks and Wilderness Society.

Nicht nur in den beiden Nationalparks ist der wachsende Elchbestand ein Problem. In ganz Neufundland ist die Zahl der Wildunfälle mit Elchen stark gestiegen. Im Jahr 2000 wurden 386 Elchkollisionen mit Fahrzeugen registriert, zehn Jahre später waren es 741. „Im Schnitt sterben im Jahr dadurch zwei Menschen, manchmal vier oder fünf“, berichtet Eugene Nippard, der eine Bürgerinitiative gründete, die von der Provinzregierung Initiativen zur Verbesserung der Sicherheit auf den Straßen fordert. Nippard wird nie den Sommerabend 2002 vergessen, als ein mehrere Zentner schwerer Elch vor sein Auto lief und die Windschutzscheibe zertrümmerte. „Mein Wagendach war aufgerollt wie eine Sardinenbüchse“, erzählt er. Sein Freund auf dem Beifahrersitz musste mit einer Rettungsschere befreit werden, er selbst kam mit Schnittwunden im Gesicht davon.

Sammelklagen gegen die Provinz

„Nirgendwo auf der Welt gibt es eine solche Elchdichte, aber wir haben keinen Meter Zaun entlang der Straßen“, klagt Nippard. Seine Organisation fordert eine höhere Jagdquote und den Bau von Schutzzäunen, Unterführungen und Brücken. Selbst bei bedächtiger Fahrweise komme es zu schrecklichen Unfällen, sagt er denen, die zu schnelles Fahren als Hauptgrund für die steigende Unfallzahl sehen.

Druck kommt auch von juristischer Seite: Rechtsanwalt Ches Crosbie hat im Namen von Opfern von Unfällen mit Elchen Sammelklage gegen die Provinz erhoben. Er fordert Schadenersatz für Hunderte Betroffene und Hinterbliebene. Die beiden Kläger, der 59-jährige Hugh George und der 54-jährige Ben Bellow, werfen der Regierung vor, die Elche zwar nach Neufundland gebracht, aber keine Maßnahmen zur Verkehrssicherheit getroffen zu haben. George prallte am 5. August 2010 mit seinem Auto gegen einen Elch, Bellows vor acht Jahren. Sie erlitten Gehirn- und Wirbelsäulenverletzungen und sitzen nun im Rollstuhl.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 11.04.2011