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Es ist dunkel. Der Wald ist ruhig. Gemächlich trottet ein Elch
durch das Dickicht. Dann plötzlich zerreißt das Heulen von Wölfen
die Stille. Was vor über 150 Jahren in Brandenburgs Wäldern keine
Seltenheit war, war im letzten Jahrhundert so gut wie undenkbar:
Wolf und Elch galten als ausgerottet in der Mark. Wagten sich doch
einmal Einzeltiere her, wurden sie erbarmungslos erlegt.
Inzwischen hat sich viel geändert. Die Jagd auf Wölfe wurde in
Ostdeutschland 1990 nach der Wende verboten. Ein Rudel, das aus
Polen oder Sachsen stammt, hat sich inzwischen in der Lausitz
angesiedelt und schon eigene Junge bekommen.
Der Wolf ist nicht das einzige Großtier, das in die Mark
zurückkehrt. Weitere ausgerottete Arten schaffen – meist aus
Osteuropa – den Weg in die Region, und sie bleiben. Andere
Brandenburger Arten sind knapp ihrer Ausrottung entgangen.
Ein Überblick:
Wölfe
Er ist der Urahn des "besten Freunds" des Menschen. Das half ihm
aber nichts: Vor rund 180 Jahren wurde der Wolf in Brandenburg
gnadenlos ausgerottet – mit Treibjagden, Gift und Fallen. Jetzt ist
der Wolf wieder da. Ein Pärchen ließ sich im Gebiet eines einstigen
Truppenübungsplatzes in der Lausitz nieder und bekam im Jahr 2007
Junge. Um wie viele Wölfchen es sich handelt und ob sie noch leben,
ist unklar, da nur Spuren gefunden wurden.
Die Lausitz-Wölfe stammen aus Polen, obwohl es seit einigen Jahren
auch in Sachsen wieder Wölfe gibt. Noch zu DDR-Zeiten wurden
einwandernde Tiere gnadenlos abgeschossen. Seit den 90er Jahren
gilt in Deutschland zwar ein absolutes Jagdverbot, doch einige
Jäger halten sich nicht daran: 1991 stoppten illegale Kugeln die
ersten vier Rückkehrer. Die Angst vor dem Räuber, der sich gern
auch ein Schaf schmecken lässt, sitzt tief.
Wölfe haben in der Mark keine schlechten Lebensbedingungen, vor
allem die einstigen Militär-Übungsplätze gelten als ideal:
zusammenhängende Flächen mit viel Rotwild und Wildschweinen. "Wölfe
benötigen große Reviere von 100 bis 300 Quadratkilometern, daher
wird es immer nur eine geringe Zahl geben", so Dr. Dietrich Dolch,
Säugetier-Experte beim NABU. Ihr dauerhaftes Überleben in
Brandenburg ist daher nicht sicher – Autos und illegale Jagd
bedrohen den kleinen Bestand.
Bären
Berlins Wappentier ist das größte Raubtier Europas – seit fast 300
Jahren aber nicht mehr in Brandenburgs Natur zu finden. Der letzte
freilebende Braunbär wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erlegt. Zwar
bieten die ausgedehnten märkischen Wälder für Bären gute
Bedingungen, sie werden sich aber nicht so bald wieder in
Brandenburg niederlassen. Der Grund: Sie leben zu weit entfernt, in
Schweden, Rumänien und Slowenien. Die wenigen polnischen Bären
kommen nicht in Grenznähe. Daher wandern Bären – wenn überhaupt –
eher nach Süddeutschland ein.
Luchse
Auch der Luchs war früher in Brandenburg heimisch. Mit fast 1,20
Metern Länge ist er die größte Katze Europas. Mit dem Schwinden der
Wälder schwand aber auch sein Lebensraum, und den Rest erledigte
die Jagd: Ab 1850 gab es keine Luchse mehr in Deutschland, sie
siedelten sich erst hundert Jahre später an den Grenzen wieder an,
vor allem im Gebirge. In Brandenburg gibt es – trotz vereinzelter
Hinweise – noch keine dauerhaft lebenden Luchse. Das muss nicht so
bleiben: Die Wälder der Lausitz oder der Uckermark böten laut einer
Studie der Deutschen Wildtierstiftung Platz für rund 30 Tiere, denn
Luchse lieben große, straßenlose Waldgebiete. Da in Tschechien,
Polen und dem Harz wilde Luchse leben, gibt es vage Chancen für
ihre Rückkehr.
Elche
Etwas besser sieht es für den Elch aus. Der mit bis zu 2,30 Meter
Schulterhöhe und 800 Kilo Gewicht größte Hirsch der Welt liebt
Wälder mit Sümpfen und Seen in der Nähe. Der Elch gehört wie Wolf
und Luchs zur heimischen Fauna. Er wurde aber durch Jagd, Rodung
und Siedlungsbau vertrieben. Seit den 50er Jahren kommen immer
wieder Tiere aus Polen über die Oder zurück: Bisher gab es weit
über 100 Sichtungen – viele davon in der Schorfheide. Im Grunde
wäre das wasserreiche Brandenburg ein guter Ort für Elche – gäbe es
nicht den Straßenverkehr, denn die Tiere haben keine Angst vor
Autos. Laut NABU (über)leben daher nur wenige Elche dauerhaft in
der Mark, haben sich aber offenbar vermehrt: Im September 2007 sind
im Landkreis Dahme-Spreewald nicht nur zwei Elchkühe, sondern auch
ein Jungtier gesehen worden. Den Elch-Zuzug verstärken könnte, dass
Polen wegen der großen Zahl den Abschuss erlaubt hat.
Wisente
Das "Wildtier des Jahres 2008" hat nur dank der Zootierhaltung
überlebt. Einst graste das über drei Meter lange, zwei Meter hohe
und bis zu 1000 Kilogramm schwere Wildrind von Spanien bis
Sibirien. Doch in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der
letzte Wisent in freier Wildbahn erlegt. Weltweit gab es nur noch
ein paar Dutzend Tiere, nur dank intensiver Zucht stieg die Zahl
wieder auf 3500 an. In Brandenburg leben seit 2006 wieder Wisente
in der Natur, aber nicht in freier Wildbahn: In der Döberitzer
Heide bewohnt eine kleine Herde ein Freilandgehege. Dass Wisente
wieder frei durch märkische Wälder streifen, ist unwahrscheinlich,
sie brauchen bis zu 50 Kilo Nahrung am Tag.
Fischotter
Der Wassermarder ist Brandenburgs Wildtier-Erfolgsgeschichte. Noch
gegen Anfang des 20. Jahrhunderts töteten Jäger rund 10.000 Otter
pro Jahr wegen ihres dichten Fells, zu DDR-Zeiten machten
Schadstoffe viele Tiere impotent. Dennoch: Die Otter überlebten in
Brandenburg, in fast ganz Westeuropa starben sie dagegen aus. Glück
für den Otter: Brandenburg hat nicht nur die größte Wasserfläche
Deutschlands, sondern auch viele Verbindungen zwischen den
Gewässern. Nach der Wende kam es statt zur Besserung zum Fast-GAU:
Weil der Straßenverkehr stark zunahm, wurden auf einmal fast mehr
Otter überfahren, als geboren. Die Politik reagierte: Brücken und
Straßenübergänge bekamen Tunnel. Heute leben über 700 Otter in
Brandenburg, Mecklenburg und Sachsen. Ihre Nachkommen wandern aus
der Mark in Richtung Westen aus. Das müssen sie auch, sie brauchen
Platz: Ein Otter-Revier ist 15 bis 20 Kilometer groß.
Adler
Drei Adlerarten leben in der Mark: Fisch-, See- und Schreiadler.
Der Seeadler ist mit einer Höhe von fast einem Meter und einer
Spannweite von bis zu 2,40 Metern der größte Greifvogel
Nordeuropas. Der Fischadler wiegt nur zwei Kilogramm, kann aber bis
zu einem Meter tief tauchen. Der Schreiadler ist ein Zugvogel, den
sein Weg im Winter bis nach Südafrika führt. See- und Schreiadler
fühlen sich laut Umweltministerium vor allem in der Uckermark wohl,
der Fischadler in der Lausitz und Prignitz.
Um Brandenburgs Wappentier war es lange Zeit schlecht bestellt,
obwohl Adler schon zu DDR-Zeiten geschützt waren. Doch der hohe
Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, welche die Vögel
über ihre Beutetiere aufnahmen, machte ihnen zu schaffen – so Dr.
Kornelia Dobiáš von der Landesforstanstalt Eberswalde. Seit den
90er Jahren erholen sich die Bestände, die Zahl der Brutpaare
steigt stetig an: auf derzeit 125 Seeadler- und fast 300
Fischadler-Paare. Damit brütet rund die Hälfte der
mitteleuropäischen Fischadler in der Mark. Der Schreiadler ist
dagegen das Sorgenkind der Vogelschützer: Er reagiert besonders
empfindlich auf Umwelteinflüsse wie Lärm, und wird im Ausland
bejagt. Seine ohnehin geringe Zahl verringerte sich von 30 auf 25
Brutpaare. Sein Überleben in der Region ist ungewiss.
Großtrappe
Früher nannte man die Großtrappe den märkischen Strauß. Mit bis zu
17 Kilo Gewicht sind die Männchen die schwersten Flugvögel der
Welt. Vor 250 Jahren waren die Großtrappen so zahlreich in
Brandenburg, dass sie gejagt und von Kindern von den Feldern
getrieben wurde. Heutzutage leben nur noch wenige Tiere in den
Schutzgebieten Havelländischer Luch, Fiener Bruch und Belziger
Landschaftswiesen. Die moderne Landwirtschaft mit Lärm, Chemie und
viel Betrieb sowie Fressfeinde wie Füchse und Krähen brachten die
Tiere an den Rand der Ausrottung: Die Hennen brüteten die Eier
nicht mehr aus, die Jungtiere fanden nicht genug zu fressen oder
wurden gefressen. Doch die Trappe hat überlebt, sie ist sozusagen
der Otter der Vogelwelt: Gab es Mitte der 90er Jahre nur noch etwa
50 Trappen in Brandenburg, so hat sich der Bestand inzwischen
verdoppelt. Grund dafür sind mehr schonender Ackerbau und ein
spezielles Auswilderungsprogramm.