10.04. - Rückkehr der Wildtiere

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Es ist dunkel. Der Wald ist ruhig. Gemächlich trottet ein Elch durch das Dickicht. Dann plötzlich zerreißt das Heulen von Wölfen die Stille. Was vor über 150 Jahren in Brandenburgs Wäldern keine Seltenheit war, war im letzten Jahrhundert so gut wie undenkbar: Wolf und Elch galten als ausgerottet in der Mark. Wagten sich doch einmal Einzeltiere her, wurden sie erbarmungslos erlegt.

Inzwischen hat sich viel geändert. Die Jagd auf Wölfe wurde in Ostdeutschland 1990 nach der Wende verboten. Ein Rudel, das aus Polen oder Sachsen stammt, hat sich inzwischen in der Lausitz angesiedelt und schon eigene Junge bekommen.

Der Wolf ist nicht das einzige Großtier, das in die Mark zurückkehrt. Weitere ausgerottete Arten schaffen – meist aus Osteuropa – den Weg in die Region, und sie bleiben. Andere Brandenburger Arten sind knapp ihrer Ausrottung entgangen.

Ein Überblick:

Wölfe
Er ist der Urahn des "besten Freunds" des Menschen. Das half ihm aber nichts: Vor rund 180 Jahren wurde der Wolf in Brandenburg gnadenlos ausgerottet – mit Treibjagden, Gift und Fallen. Jetzt ist der Wolf wieder da. Ein Pärchen ließ sich im Gebiet eines einstigen Truppenübungsplatzes in der Lausitz nieder und bekam im Jahr 2007 Junge. Um wie viele Wölfchen es sich handelt und ob sie noch leben, ist unklar, da nur Spuren gefunden wurden.

Die Lausitz-Wölfe stammen aus Polen, obwohl es seit einigen Jahren auch in Sachsen wieder Wölfe gibt. Noch zu DDR-Zeiten wurden einwandernde Tiere gnadenlos abgeschossen. Seit den 90er Jahren gilt in Deutschland zwar ein absolutes Jagdverbot, doch einige Jäger halten sich nicht daran: 1991 stoppten illegale Kugeln die ersten vier Rückkehrer. Die Angst vor dem Räuber, der sich gern auch ein Schaf schmecken lässt, sitzt tief.

Wölfe haben in der Mark keine schlechten Lebensbedingungen, vor allem die einstigen Militär-Übungsplätze gelten als ideal: zusammenhängende Flächen mit viel Rotwild und Wildschweinen. "Wölfe benötigen große Reviere von 100 bis 300 Quadratkilometern, daher wird es immer nur eine geringe Zahl geben", so Dr. Dietrich Dolch, Säugetier-Experte beim NABU. Ihr dauerhaftes Überleben in Brandenburg ist daher nicht sicher – Autos und illegale Jagd bedrohen den kleinen Bestand.

Bären
Berlins Wappentier ist das größte Raubtier Europas – seit fast 300 Jahren aber nicht mehr in Brandenburgs Natur zu finden. Der letzte freilebende Braunbär wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erlegt. Zwar bieten die ausgedehnten märkischen Wälder für Bären gute Bedingungen, sie werden sich aber nicht so bald wieder in Brandenburg niederlassen. Der Grund: Sie leben zu weit entfernt, in Schweden, Rumänien und Slowenien. Die wenigen polnischen Bären kommen nicht in Grenznähe. Daher wandern Bären – wenn überhaupt – eher nach Süddeutschland ein.

Luchse
Auch der Luchs war früher in Brandenburg heimisch. Mit fast 1,20 Metern Länge ist er die größte Katze Europas. Mit dem Schwinden der Wälder schwand aber auch sein Lebensraum, und den Rest erledigte die Jagd: Ab 1850 gab es keine Luchse mehr in Deutschland, sie siedelten sich erst hundert Jahre später an den Grenzen wieder an, vor allem im Gebirge. In Brandenburg gibt es – trotz vereinzelter Hinweise – noch keine dauerhaft lebenden Luchse. Das muss nicht so bleiben: Die Wälder der Lausitz oder der Uckermark böten laut einer Studie der Deutschen Wildtierstiftung Platz für rund 30 Tiere, denn Luchse lieben große, straßenlose Waldgebiete. Da in Tschechien, Polen und dem Harz wilde Luchse leben, gibt es vage Chancen für ihre Rückkehr.

Elche
Etwas besser sieht es für den Elch aus. Der mit bis zu 2,30 Meter Schulterhöhe und 800 Kilo Gewicht größte Hirsch der Welt liebt Wälder mit Sümpfen und Seen in der Nähe. Der Elch gehört wie Wolf und Luchs zur heimischen Fauna. Er wurde aber durch Jagd, Rodung und Siedlungsbau vertrieben. Seit den 50er Jahren kommen immer wieder Tiere aus Polen über die Oder zurück: Bisher gab es weit über 100 Sichtungen – viele davon in der Schorfheide. Im Grunde wäre das wasserreiche Brandenburg ein guter Ort für Elche – gäbe es nicht den Straßenverkehr, denn die Tiere haben keine Angst vor Autos. Laut NABU (über)leben daher nur wenige Elche dauerhaft in der Mark, haben sich aber offenbar vermehrt: Im September 2007 sind im Landkreis Dahme-Spreewald nicht nur zwei Elchkühe, sondern auch ein Jungtier gesehen worden. Den Elch-Zuzug verstärken könnte, dass Polen wegen der großen Zahl den Abschuss erlaubt hat.

Wisente
Das "Wildtier des Jahres 2008" hat nur dank der Zootierhaltung überlebt. Einst graste das über drei Meter lange, zwei Meter hohe und bis zu 1000 Kilogramm schwere Wildrind von Spanien bis Sibirien. Doch in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der letzte Wisent in freier Wildbahn erlegt. Weltweit gab es nur noch ein paar Dutzend Tiere, nur dank intensiver Zucht stieg die Zahl wieder auf 3500 an. In Brandenburg leben seit 2006 wieder Wisente in der Natur, aber nicht in freier Wildbahn: In der Döberitzer Heide bewohnt eine kleine Herde ein Freilandgehege. Dass Wisente wieder frei durch märkische Wälder streifen, ist unwahrscheinlich, sie brauchen bis zu 50 Kilo Nahrung am Tag.

Fischotter
Der Wassermarder ist Brandenburgs Wildtier-Erfolgsgeschichte. Noch gegen Anfang des 20. Jahrhunderts töteten Jäger rund 10.000 Otter pro Jahr wegen ihres dichten Fells, zu DDR-Zeiten machten Schadstoffe viele Tiere impotent. Dennoch: Die Otter überlebten in Brandenburg, in fast ganz Westeuropa starben sie dagegen aus. Glück für den Otter: Brandenburg hat nicht nur die größte Wasserfläche Deutschlands, sondern auch viele Verbindungen zwischen den Gewässern. Nach der Wende kam es statt zur Besserung zum Fast-GAU: Weil der Straßenverkehr stark zunahm, wurden auf einmal fast mehr Otter überfahren, als geboren. Die Politik reagierte: Brücken und Straßenübergänge bekamen Tunnel. Heute leben über 700 Otter in Brandenburg, Mecklenburg und Sachsen. Ihre Nachkommen wandern aus der Mark in Richtung Westen aus. Das müssen sie auch, sie brauchen Platz: Ein Otter-Revier ist 15 bis 20 Kilometer groß.

Adler
Drei Adlerarten leben in der Mark: Fisch-, See- und Schreiadler. Der Seeadler ist mit einer Höhe von fast einem Meter und einer Spannweite von bis zu 2,40 Metern der größte Greifvogel Nordeuropas. Der Fischadler wiegt nur zwei Kilogramm, kann aber bis zu einem Meter tief tauchen. Der Schreiadler ist ein Zugvogel, den sein Weg im Winter bis nach Südafrika führt. See- und Schreiadler fühlen sich laut Umweltministerium vor allem in der Uckermark wohl, der Fischadler in der Lausitz und Prignitz.

Um Brandenburgs Wappentier war es lange Zeit schlecht bestellt, obwohl Adler schon zu DDR-Zeiten geschützt waren. Doch der hohe Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, welche die Vögel über ihre Beutetiere aufnahmen, machte ihnen zu schaffen – so Dr. Kornelia Dobiáš von der Landesforstanstalt Eberswalde. Seit den 90er Jahren erholen sich die Bestände, die Zahl der Brutpaare steigt stetig an: auf derzeit 125 Seeadler- und fast 300 Fischadler-Paare. Damit brütet rund die Hälfte der mitteleuropäischen Fischadler in der Mark. Der Schreiadler ist dagegen das Sorgenkind der Vogelschützer: Er reagiert besonders empfindlich auf Umwelteinflüsse wie Lärm, und wird im Ausland bejagt. Seine ohnehin geringe Zahl verringerte sich von 30 auf 25 Brutpaare. Sein Überleben in der Region ist ungewiss.

Großtrappe
Früher nannte man die Großtrappe den märkischen Strauß. Mit bis zu 17 Kilo Gewicht sind die Männchen die schwersten Flugvögel der Welt. Vor 250 Jahren waren die Großtrappen so zahlreich in Brandenburg, dass sie gejagt und von Kindern von den Feldern getrieben wurde. Heutzutage leben nur noch wenige Tiere in den Schutzgebieten Havelländischer Luch, Fiener Bruch und Belziger Landschaftswiesen. Die moderne Landwirtschaft mit Lärm, Chemie und viel Betrieb sowie Fressfeinde wie Füchse und Krähen brachten die Tiere an den Rand der Ausrottung: Die Hennen brüteten die Eier nicht mehr aus, die Jungtiere fanden nicht genug zu fressen oder wurden gefressen. Doch die Trappe hat überlebt, sie ist sozusagen der Otter der Vogelwelt: Gab es Mitte der 90er Jahre nur noch etwa 50 Trappen in Brandenburg, so hat sich der Bestand inzwischen verdoppelt. Grund dafür sind mehr schonender Ackerbau und ein spezielles Auswilderungsprogramm.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 14.04.2008