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In Wernberg-Köblitz gesichteter Elch könnte bei Bayreuth seine Kreise ziehen
Wernberg-Köblitz/Bayreuth. Die Verkehrsdurchsage am Freitagabend "Auf der A
9 bei Trockau bitte vorsichtig fahren, es befindet sich ein Elch auf der
Fahrbahn", ließ nicht nur die Autofahrer im Raum Bayreuth aufhorchen: Ist Carl
Gustav, der Elch, der im November letzten Jahres in Wernberg-Köblitz gesichtet
und fotografisch festgehalten worden ist, gen Bayreuth weiter gezogen?
Ein Verkehrsteilnehmerin meldet am Freitag gegen 21. 30 Uhr der
Verkehrspolizeiinspektion Bayreuth, dass sie bei der B 85, Ausfahrt Bayreuth Süd
- also unmittelbar vor Beginn des Stadtgebietes - einen Elch gesehen hat. Die
Polizisten sind verwundert. Nichtsdestotrotz macht sich eine Streife auf den
Weg.
Zu 90 Prozent
Zunächst gibt es keine Auffälligkeiten, doch
plötzlich bewegt sich etwas in der Grünfläche zwischen der B 85 und der A 9: Das
Tier steht dann einige Minuten neben dem Streifenwagen, trottet die Böschung
hinunter durch einen Teich, dreht sich noch einmal um und verschwindet zwischen
den Bäumen. Für die Polizisten ist klar: Der "Fleischberg" mit der Kopfhöhe
eines VW-Busses, der sich da über die Straße bewegte, muss ein Elch - mangels
Geweih besser gesagt eine Elchkuh - gewesen sein. Das Tier hat, bedingt durch
den ausgeweichten Boden in der Grünfläche, auch Spuren hinterlassen.
Von
den Polizisten werden in der Nacht mehrere Streifenfahrzeuge und der örtliche
Jagdpächter hinzugezogen, das Gelände wird mit Scheinwerfern abgesucht -
Fehlanzeige. Laut Jagdpächter Georg Pöhner kann er anhand der schräg
eingedrückten, auch mit Schotter vermischen Spuren nicht eindeutig sagen, dass
es sich um einen Elch gehandelt hat. Anhand der Schilderungen der Augenzeugen
ist er sich aber "zu 90 Prozent sicher". Rotwild würde sich viel scheuer
verhalten.
Ohne Geweih
War das Tier nun eine Elchkuh oder Carl
Gustav, der sich im November letzten Jahres aus dem Osten kommend vermutlich auf
dem Fernwechsel ins Revier Oberköblitz I "verirrt" hatte?
Auch hier ging
der örtliche Jagdpächter Dr. Fritz Loew, nachdem er das Tier zum ersten Mal
gesehen hatte, von einer Elchkuh aus. Als es ihm aber gelang, sich zusammen mit
einem Fotografen näher heranzupirschen, wurde anhand der Geschlechtsmerkmale
klar, dass es sich um einen jungen männlichen Elch, allerdings ohne Geweih
handelte. Auch Georg Pöhner bestätigt, dass europäische Elche kein ausladendes
Geweih, sondern oft nur "einen Knopf draufhaben".
Ob der von Dr. Loew
"Carl Gustav" getaufte Elch nach seiner Stippvisite in Wernberg-Köblitz die
Festspielstadt Bayreuth angesteuert hat? Für Dr. Loew ist nur sicher, dass Carl
Gustav im Januar dieses Jahres über die Autobahn wechselte und dann von Jägern
im Raum Hahnbach/Süß gesichtet wurde. Dem Vernehmen nach - für diese
Einschätzung hat Dr. Loew aber keine direkte Augenzeugen - soll sich der Elch
dann gen Grafenwöhr bewegt haben. Die "grobe Richtung" nach Bayreuth könnte dann
stimmen.
Eine letzte Sicherheit, dass Carl Gustav in Bayreuth seine
Kreise gezogen hat, gibt es bis dato nicht. Seine Visitenkarte hat er leider
nicht abgegeben, bevor er in die Dunkelheit entschwand.