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Wenn sich ein ausgewachsener Elch bewegt, so wirkt sein Gang
schwebend, elegant, irgendwie zerbrechlich. Einst war er auch im
Barnim heimisch, doch ist sein Wohlbefinden in den hiesigen von
Straßen durchkreuzten Wäldern genauso zerbrechlich, wie sein Gang
erscheint. Im Wildpark Schorfheide sind zwei Elche zu Hause.
Schmatz. Der rotwangige Apfel verschwindet unter der vorgewölbten
weichen Oberlippe der Elchkuh. Gemächlich frisst sich Lilly durch
den Trog, in dem sich Äpfel, Möhren und Trockenfutter häuft. Mit
den großen braunen Augen schaut sie selten aufs Fressen, ihre Ohren
drehen sich in verschiedene Richtungen. Sie ist aufmerksam. Immer.
„Elche sind Fluchttiere“, erklärt Imke Heyter, Geschäftsführerin
des Wildparks Schorfheide. Immer wieder spricht sie zwischen den
erklärenden Sätzen beruhigend auf das Tier ein. „Wir können auch
nicht sicher sein, ob Lilly trächtig ist.“ Die Elchkuh wird zu
jeder Zeit in etwa so „schlank“ sein wie ihre Artgenossen. „Wenn
sie angegriffen wird, kann sie genauso schnell flüchten wie die
anderen.“ Ein natürlicher Schwangerschaftsschutz, sozusagen.
Neben ihr im Futterhaus steht Moritz. Der Elchhirsch ist noch ein
Jüngling – auch deshalb ist sich Heyter nicht sicher, ob Lilly Ende
April einen kleinen Elch bekommt. Oder zwei kleine Elche, denn sie
hatte bereits dreimal Zwillinge. „Er hat ein paar Anläufe
unternommen, aber er ist noch jung und unerfahren.“ In der Brunft
hat es ihn nicht mehr in seinem Gehege gehalten und so wechselte er
zu Lilly. Seitdem sind sie unzertrennlich.
Das Fell, das in der Frühlingssonne braun schimmert, der sanfte
Blick, das friedliche Schmatzen, das alles lädt dazu ein, die Hand
auszustrecken und den Kopf des Tieres zu kraulen. Doch Imke Heyters
Hände bleiben hinter dem Zaun. „Der Elch ist kein Schmusetier“,
sagt sie. „Wenn er sich bedroht fühlt, stellt er sich auf die
Hinterbeine und versucht, einen mit den Vorderhufen zu erwischen.“
Einmal, bei der Fütterung, sah sich Heyter einer zwei Meter großen,
Anlauf nehmenden Elchmutter gegenüber. „Lilly ist einen
Scheinangriff auf mich gelaufen. Ich dachte, sie bricht durch den
Zaun“, erzählt sie und lacht. „Sie ist eben unsere kleine
Zicke.“
Elche sind normalerweise eher zurückhaltend, ängstlich. Sie sind
Sensibelchen. „Stress macht sie krank, deshalb kann man sie auch
nicht im Zoo halten“, sagt Heyter. „Jedenfalls nicht für lange
Zeit. Sie brauchen viel Platz und Rückzugsräume“ Im Wildpark haben
sie 17 Hektar zur Verfügung: Kiefern, Birken, hohe Gräser, Sumpf.
Die Anfälligkeit für Stress ist auch ein Grund, warum sich Elche in
Brandenburg in freier Wildbahn wohl nicht dauerhaft ansiedeln
werden. Aber einige gibt es, die wandern durch und bleiben auch
manchmal für längere Zeit.
Das bestätigt auch Jan Engel vom Landeskompetenzzentrum Forst
Eberswalde (LFE). „In der Schorfheide wandert ein Mädel durch den
Wald und sucht einen Mann“, erzählt er. „Ich habe sie drei oder
viermal gesehen, aber ich verrate nicht, wo genau.“ Wenn mehrere
Elche in Brandenburg sesshaft werden wollen, brauchen sie mehr, als
nur Kiefern. „Sie brauchen Bruchlandschaften, von allem ein
bisschen“, so Engel. Weiden, Pappeln, Ebereschen, seltener
Nadelhölzer.
Doch am liebsten stellen sie sich mitten in einen See und fressen
Wasserpflanzen. „Sie können ihre Nasenlöcher unter Wasser
verschließen“, sagt Imke Heyter. Elche sind auch gute Schwimmer.
Sie besitzen spreizbare Hufe (im Fachjargon „Schalen“) mit
Schwimmhäuten dazwischen. Damit sind sie auch gut auf sumpfigen
Böden unterwegs und sacken nicht ein. Bei einer halben Tonne
Körpergewicht eine entscheidende Voraussetzung.
Bei der Biologin Kornelia Dubiaš vom LFE laufen die Daten über
Elche in Brandenburg zusammen. Sie sieht eine mögliche Ansiedelung
von den riesigen Urhirschen in der Region eher kritisch. Gemeinhin
gelten Elche als „Waldverwüster“, weil sie es auf die jungen Triebe
und Knospen abgesehen haben. Auch für Autofahrer sei ein Elch als
Verkehrsteilnehmer ein unüberwindliches Hindernis. „Das Tier läuft
nicht weg, wenn etwas brummend auf ihn zurollt“, sagt Dubiaš. „Es
stellt sich wohl eher quer und wartet ab, was passiert.“
Elche werden ?schon wegen Stresses im Zoo ?nicht alt