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Seit Tagen sorgt ein Elch in Wernberg-Köblitz (Landkreis Schwandorf) für
Aufsehen. Immer öfter melden Jäger auch, dass „neue“ Tiere nach Bayern
einwandern. Über die seltenen „Neubürger“ sprachen wir mit Professor Dr. Hartmut
Wunderatsch aus Helmbrechts, der nicht nur passionierter Jäger, sondern auch
Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Landesjagdverbandes ist.
Freuen Sie
sich schon auf Ihren ersten Elch, der Ihnen im Frankenwald oder Fichtelgebirge
über den Weg laufen wird ?
Hartmut Wunderatsch: Langsam, langsam. Dass
seit der Grenzöffnung im Osten vermehrt Tiere, die es bislang hier nicht gab,
durch den Bayerischen Wald streifen, mag ja sein. Aber der Elch wird sich wohl
hier nicht halten können.
Was spricht dagegen ?
Hartmut
Wunderatsch: Ein Elch fände hier zwar ausreichend Nahrung, aber er käme nie zur
Ruhe. Das Fichtelgebirge und der Frankenwald sind viel zu zersiedelt und von
Straßen zerfurcht. Elche benötigen riesige Flächen mit Seen und großen
Sumpfgebieten, wo sie in Ruhe Leben können. Ich spreche da von Flächen in der
Größe von Regierungsbezirken.
Tatsache ist jedoch, dass sich immer
wieder als hier ausgestorben betrachtete Tiere in der Region aufhalten.
Hartmut Wunderatsch: Sie meinen den Luchs. Ja, dessen Vorkommen ist in
der Tat belegt. Ich selbst habe im vergangenen Winter Luchsfährten gesehen. Ihn
selbst habe ich allerdings nicht zu Gesicht bekommen.
In letzter Zeit
ist auch immer mal wieder vom Marderhund die Rede.
Hartmut Wunderatsch:
Auch den gibt es hier. In meinem Revier habe ich tatsächlich mal einen gesehen.
Erst hielt ich ihn für einen Dachs, weil ich nicht mit einem Marderhund
gerechnet hatte. Kurze Zeit später war mir klar, dass es tatsächlich einer war.
Dass Marderhunde mittlerweile in der Region zu Hause sind, belegen auch zwei
Abschüsse junger Tiere bei Stammbach.
Trügt der Eindruck oder stimmt es,
dass sie sich über deren Vorhandensein weniger freuen als über das eines Elches
?
Hartmut Wunderatsch: Wir Jäger behandeln Marderhunde so wie den Fuchs.
Das heißt, wir müssen eingreifen, damit diese keinen zu großen Schaden unter
anderen Arten anrichten. Immerhin handelt es sich bei Füchsen oder Marderhunden
um Beutegreifer, die hier keine natürlichen Feinde haben.
Jagdgegner
behaupten, dass sich die Natur selbst reguliert, wenn man sie denn lässt.
Hartmut Wunderatsch: Das mag in riesigen Territorien wie der Tundra
richtig sein. In einer bäuerlichen Kulturlandschaft ist dies allerdings nicht
der Fall. Wenn wir wollen, dass hier die Tiere in etwa so häufig anzutreffen
sind wie in einer völlig wilden Natur, müssen wir eingreifen. Ansonsten entsteht
ein Ungleichgewicht. Zu sehen ist dies an den Elstern, deren Population in
siedlungsnahen Räumen enorm angewachsen ist.
Die Jäger scheinen ihre
Aufgabe gut zu erfüllen. Seit einiger Zeit gibt es hier ja sogar wieder
Schwarzstörche.
Hartmut Wunderatsch: Die registrieren wir seit etwa 15
Jahren. Sie sind also wirklich nicht mehr außergewöhnlich.
Fehlt nur
noch der Bär, der bereits wieder durch Teile Österreichs streift.
Hartmut Wunderatsch: Dass der wie vor 200 Jahren im Fichtelgebirge
heimisch wird, bezweifle ich. Bären können hier ebenso wenig ungestört agieren
wie Elche.
Aber wenigstens der Wolf wird sich hier doch wohlfühlen ?
Hartmut Wunderatsch: Da muss ich Sie leider ebenfalls
enttäuschen.