09.11. - Keine Heimat für Elch und Wolf

gesehen auf www.frankenpost.de

Seit Tagen sorgt ein Elch in Wernberg-Köblitz (Landkreis Schwandorf) für Aufsehen. Immer öfter melden Jäger auch, dass „neue“ Tiere nach Bayern einwandern. Über die seltenen „Neubürger“ sprachen wir mit Professor Dr. Hartmut Wunderatsch aus Helmbrechts, der nicht nur passionierter Jäger, sondern auch Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Landesjagdverbandes ist.
Freuen Sie sich schon auf Ihren ersten Elch, der Ihnen im Frankenwald oder Fichtelgebirge über den Weg laufen wird ?

Hartmut Wunderatsch: Langsam, langsam. Dass seit der Grenzöffnung im Osten vermehrt Tiere, die es bislang hier nicht gab, durch den Bayerischen Wald streifen, mag ja sein. Aber der Elch wird sich wohl hier nicht halten können.

Was spricht dagegen ?

Hartmut Wunderatsch: Ein Elch fände hier zwar ausreichend Nahrung, aber er käme nie zur Ruhe. Das Fichtelgebirge und der Frankenwald sind viel zu zersiedelt und von Straßen zerfurcht. Elche benötigen riesige Flächen mit Seen und großen Sumpfgebieten, wo sie in Ruhe Leben können. Ich spreche da von Flächen in der Größe von Regierungsbezirken.

Tatsache ist jedoch, dass sich immer wieder als hier ausgestorben betrachtete Tiere in der Region aufhalten.

Hartmut Wunderatsch: Sie meinen den Luchs. Ja, dessen Vorkommen ist in der Tat belegt. Ich selbst habe im vergangenen Winter Luchsfährten gesehen. Ihn selbst habe ich allerdings nicht zu Gesicht bekommen.

In letzter Zeit ist auch immer mal wieder vom Marderhund die Rede.

Hartmut Wunderatsch: Auch den gibt es hier. In meinem Revier habe ich tatsächlich mal einen gesehen. Erst hielt ich ihn für einen Dachs, weil ich nicht mit einem Marderhund gerechnet hatte. Kurze Zeit später war mir klar, dass es tatsächlich einer war. Dass Marderhunde mittlerweile in der Region zu Hause sind, belegen auch zwei Abschüsse junger Tiere bei Stammbach.

Trügt der Eindruck oder stimmt es, dass sie sich über deren Vorhandensein weniger freuen als über das eines Elches ?

Hartmut Wunderatsch: Wir Jäger behandeln Marderhunde so wie den Fuchs. Das heißt, wir müssen eingreifen, damit diese keinen zu großen Schaden unter anderen Arten anrichten. Immerhin handelt es sich bei Füchsen oder Marderhunden um Beutegreifer, die hier keine natürlichen Feinde haben.

Jagdgegner behaupten, dass sich die Natur selbst reguliert, wenn man sie denn lässt.

Hartmut Wunderatsch: Das mag in riesigen Territorien wie der Tundra richtig sein. In einer bäuerlichen Kulturlandschaft ist dies allerdings nicht der Fall. Wenn wir wollen, dass hier die Tiere in etwa so häufig anzutreffen sind wie in einer völlig wilden Natur, müssen wir eingreifen. Ansonsten entsteht ein Ungleichgewicht. Zu sehen ist dies an den Elstern, deren Population in siedlungsnahen Räumen enorm angewachsen ist.

Die Jäger scheinen ihre Aufgabe gut zu erfüllen. Seit einiger Zeit gibt es hier ja sogar wieder Schwarzstörche.

Hartmut Wunderatsch: Die registrieren wir seit etwa 15 Jahren. Sie sind also wirklich nicht mehr außergewöhnlich.

Fehlt nur noch der Bär, der bereits wieder durch Teile Österreichs streift.

Hartmut Wunderatsch: Dass der wie vor 200 Jahren im Fichtelgebirge heimisch wird, bezweifle ich. Bären können hier ebenso wenig ungestört agieren wie Elche.

Aber wenigstens der Wolf wird sich hier doch wohlfühlen ?

Hartmut Wunderatsch: Da muss ich Sie leider ebenfalls enttäuschen.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008