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Elch bei Wernberg-Köblitz für Jagdpächter eine "biologische Sensation" - Weg
des Tieres ungewiss
Wernberg-Köblitz. Im Kino lässt der Film "Es ist ein
Elch entsprungen" derzeit die Kassen klingeln. Das Tier auf der Leinwand ist
computeranimiert und zum Knutschen süß. In der Oberpfalz sorgt dagegen dieser
Tage ein Elch aus Fleisch und Blut für Aufsehen. Jagdpächter Dr. Fritz Loew aus
Wernberg-Köblitz hat den nordischen Vierbeiner in seinem Revier beobachtet und
fotografiert.
Steht ein Elch auf dem Feld und schaut: Für den Jagdpächter
Loew nicht nur eine freudige Sensation. (Bilder: hfz)
Loew macht sich
mächtig Sorgen um den "armen Kerl", wie er sagt. Carl Gustaf hat er den Elch
nach dem schwedischen König genannt.
Dass es ein Bulle ist, stellte der
Mediziner am Sonntagabend fest, als er einen Kehlsack und sekundäre männliche
Geschlechtsmerkmale an dem Tier entdeckte. Für ihn ist das Auftauchen von Carl
Gustaf in der Region "eine biologische und wildkundliche
Sensation".
Zunächst nur Abdrücke
Mitarbeiter des Bauhofes in
Wernberg hatten am Donnerstag erstmals berichtet, ein ungewöhnlich großes Tier,
wohl einen Hirsch, gesehen zu haben. Loew machte sich mit seiner Gattin Thekla
und Mitjäger Harald Zwack auf den Weg in sein Revier Oberköblitz I.
Und
tatsächlich: Zunächst fanden sie Abdrücke, wenig später bekamen sie in der
Dämmerung Carl Gustaf aus rund 50 Meter Entfernung erstmals zu Gesicht. Am
Wochenende sehen sie den Elch immer wieder auf einem Winterrapsfeld grasen.
Hans-Erich Jenke aus Wernberg gelingen am Sonntagabend auf einem Jagdsitz
schließlich Fotos von dem knuddligen Tier mit den langen, staksigen
Beinen.
Ein Elch in der Oberpfalz - offiziell gab es das zuletzt vor
zwölf Jahren. Damals wurde das Tier bei Grafenwöhr mit Rotwild verwechselt und
erschossen. Im Landkreis Cham wurde im Sommer 2003 immer wieder von einem Elch
berichtet, freilich ohne handfeste Beweise. Loew konnte nun in seinem Revier
Carl Gustaf beim Grasen sogar filmen. Dem Kerl scheint es in dem Revier zu
gefallen.
Der Elch und die Polizei
Am liebsten wäre Jagdpächter
Dr. Fritz Loew, wenn Elch Carl Gustaf mit einem Betäubungsgewehr lahm gelegt und
in einen Zoo oder seine Heimat gebracht werden würde. Dies dürfte, so Dr. Thomas
Ferstl vom Veterinäramt Schwandorf, im besten Falle ein erfahrener Zootierarzt
vornehmen - nachdem die Behörde grünes Licht gegeben hat. In Deutschland sei
jedenfalls keine Elchhaltung erlaubt. Dies verbiete das Tierschutzgesetz. Wenn
sich durch den Elch eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle, müsse sich
auch die Polizei darum kümmern. Ferstl geht davon aus, dass der Bulle nicht aus
Osteuropa, sondern möglicherweise aus Lohberg im Bayerischen Wald stamme. Dort
gebe es seines Wissens nach Elche.
Schließlich könne der Eigentümer im
Schadensfall haftpflichtig gemacht werden. Der Veterinär sieht die
Elch-Geschichte auch nicht ganz bierernst. "Fragen Sie halt mal bei Ikea nach",
meint er schmunzelnd wegen des Rätsels um den möglichen Besitzer.
Der
Jagdpächter erklärt: "Hier ist es ähnlich wie in Schweden oder Finnland. Wir
haben einen natürlich bewirtschafteten Bauernwald mit dichtem Unterbewuchs."
Hört sich nach Jägerlatein an, begründet aber die möglichen heimaltlichen
Gefühle von Carl Gustaf.
Stopp an der A 93
Nach Einschätzung von
Loew dürfte der Elch aus Polen oder Weißrussland in die Oberpfalz gekommen sein.
Das sind bis zu 1300 Kilometer Marsch, die Carl Gustaf in nächtlichen Etappen
zwischen 25 und 30 Kilometern zurückgelegt haben muss. Knapp zwei Jahre alt
dürfte der Wiederkäuer nach Einschätzung des Arztes sein.
Loew macht sich
große Sorgen um das weitere Überleben des Elches: "Er wird versuchen, die
Wanderung fortzusetzen." Diese endet zunächst an der durch Wildzäune gesicherten
A 93, wenn er nicht die zwei Durchlässe unter der Autobahn findet.
Sollte
es Carl Gustaf schaffen, ist auch die Naab kein Hindernis. Der Elch kann
schwimmen. Lebensgefährlich wird es, wenn er versucht die noch nicht
abgesicherte A 6 zu überqueren. In seiner ursprünglichen Heimat ist der Wolf der
natürliche Feind des Elches. Bei uns droht dem extrem schüchternen und
vorsichtigen Zeitgenossen neben dem Verkehr vor allem Gefahr durch Kollegen.
"Ein veranwortungsvoller Jäger wird ihn aber sicher nicht
verwechseln."
Am Montagabend mahnte er seine Hegegemeinschaft in einer
Sitzung noch einmal zu Vorsicht. Geschossen werden darf Carl Gustaf ohnehin
nicht, da er ganzjähriger Schonzeit unterliegt. Auch mögliche "Elch-Touristen"
mahnt Loew zur Besonnenheit: "Ich will keinen Zirkus in meinem Revier." Ohnehin
würde Carl Gustaf Menschen sehr schnell wittern und abhauen. Heute wird der
Jäger wieder in sein Revier schauen. Vielleicht ist Carl Gustaf dann schon über
alle Berge.