08.11. - Sorgen um Carl Gustaf

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Elch bei Wernberg-Köblitz für Jagdpächter eine "biologische Sensation" - Weg des Tieres ungewiss

Wernberg-Köblitz. Im Kino lässt der Film "Es ist ein Elch entsprungen" derzeit die Kassen klingeln. Das Tier auf der Leinwand ist computeranimiert und zum Knutschen süß. In der Oberpfalz sorgt dagegen dieser Tage ein Elch aus Fleisch und Blut für Aufsehen. Jagdpächter Dr. Fritz Loew aus Wernberg-Köblitz hat den nordischen Vierbeiner in seinem Revier beobachtet und fotografiert.

Steht ein Elch auf dem Feld und schaut: Für den Jagdpächter Loew nicht nur eine freudige Sensation. (Bilder: hfz)
Loew macht sich mächtig Sorgen um den "armen Kerl", wie er sagt. Carl Gustaf hat er den Elch nach dem schwedischen König genannt.

Dass es ein Bulle ist, stellte der Mediziner am Sonntagabend fest, als er einen Kehlsack und sekundäre männliche Geschlechtsmerkmale an dem Tier entdeckte. Für ihn ist das Auftauchen von Carl Gustaf in der Region "eine biologische und wildkundliche Sensation".

Zunächst nur Abdrücke

Mitarbeiter des Bauhofes in Wernberg hatten am Donnerstag erstmals berichtet, ein ungewöhnlich großes Tier, wohl einen Hirsch, gesehen zu haben. Loew machte sich mit seiner Gattin Thekla und Mitjäger Harald Zwack auf den Weg in sein Revier Oberköblitz I.

Und tatsächlich: Zunächst fanden sie Abdrücke, wenig später bekamen sie in der Dämmerung Carl Gustaf aus rund 50 Meter Entfernung erstmals zu Gesicht. Am Wochenende sehen sie den Elch immer wieder auf einem Winterrapsfeld grasen. Hans-Erich Jenke aus Wernberg gelingen am Sonntagabend auf einem Jagdsitz schließlich Fotos von dem knuddligen Tier mit den langen, staksigen Beinen.

Ein Elch in der Oberpfalz - offiziell gab es das zuletzt vor zwölf Jahren. Damals wurde das Tier bei Grafenwöhr mit Rotwild verwechselt und erschossen. Im Landkreis Cham wurde im Sommer 2003 immer wieder von einem Elch berichtet, freilich ohne handfeste Beweise. Loew konnte nun in seinem Revier Carl Gustaf beim Grasen sogar filmen. Dem Kerl scheint es in dem Revier zu gefallen.

Der Elch und die Polizei

Am liebsten wäre Jagdpächter Dr. Fritz Loew, wenn Elch Carl Gustaf mit einem Betäubungsgewehr lahm gelegt und in einen Zoo oder seine Heimat gebracht werden würde. Dies dürfte, so Dr. Thomas Ferstl vom Veterinäramt Schwandorf, im besten Falle ein erfahrener Zootierarzt vornehmen - nachdem die Behörde grünes Licht gegeben hat. In Deutschland sei jedenfalls keine Elchhaltung erlaubt. Dies verbiete das Tierschutzgesetz. Wenn sich durch den Elch eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle, müsse sich auch die Polizei darum kümmern. Ferstl geht davon aus, dass der Bulle nicht aus Osteuropa, sondern möglicherweise aus Lohberg im Bayerischen Wald stamme. Dort gebe es seines Wissens nach Elche.

Schließlich könne der Eigentümer im Schadensfall haftpflichtig gemacht werden. Der Veterinär sieht die Elch-Geschichte auch nicht ganz bierernst. "Fragen Sie halt mal bei Ikea nach", meint er schmunzelnd wegen des Rätsels um den möglichen Besitzer.
Der Jagdpächter erklärt: "Hier ist es ähnlich wie in Schweden oder Finnland. Wir haben einen natürlich bewirtschafteten Bauernwald mit dichtem Unterbewuchs." Hört sich nach Jägerlatein an, begründet aber die möglichen heimaltlichen Gefühle von Carl Gustaf.

Stopp an der A 93

Nach Einschätzung von Loew dürfte der Elch aus Polen oder Weißrussland in die Oberpfalz gekommen sein. Das sind bis zu 1300 Kilometer Marsch, die Carl Gustaf in nächtlichen Etappen zwischen 25 und 30 Kilometern zurückgelegt haben muss. Knapp zwei Jahre alt dürfte der Wiederkäuer nach Einschätzung des Arztes sein.

Loew macht sich große Sorgen um das weitere Überleben des Elches: "Er wird versuchen, die Wanderung fortzusetzen." Diese endet zunächst an der durch Wildzäune gesicherten A 93, wenn er nicht die zwei Durchlässe unter der Autobahn findet.

Sollte es Carl Gustaf schaffen, ist auch die Naab kein Hindernis. Der Elch kann schwimmen. Lebensgefährlich wird es, wenn er versucht die noch nicht abgesicherte A 6 zu überqueren. In seiner ursprünglichen Heimat ist der Wolf der natürliche Feind des Elches. Bei uns droht dem extrem schüchternen und vorsichtigen Zeitgenossen neben dem Verkehr vor allem Gefahr durch Kollegen. "Ein veranwortungsvoller Jäger wird ihn aber sicher nicht verwechseln."

Am Montagabend mahnte er seine Hegegemeinschaft in einer Sitzung noch einmal zu Vorsicht. Geschossen werden darf Carl Gustaf ohnehin nicht, da er ganzjähriger Schonzeit unterliegt. Auch mögliche "Elch-Touristen" mahnt Loew zur Besonnenheit: "Ich will keinen Zirkus in meinem Revier." Ohnehin würde Carl Gustaf Menschen sehr schnell wittern und abhauen. Heute wird der Jäger wieder in sein Revier schauen. Vielleicht ist Carl Gustaf dann schon über alle Berge.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008