08.11. - Elchbulle auf Damensuche

gesehen auf www.maerkischeallgemeine.de

FRANKFURT (ODER) Es ist schon schummrig. Auf der A 12 "fliegt" der Verkehr vorbei. Doch hinter der Abfahrt Müllrose (Oder-Spree) drosseln Autofahrer das Tempo. Sie vermuten keinen "Blitzer", sondern einen eher seltenen Gast in märkischen Gefilden. Seit einigen Wochen macht es sich in der Dämmerung ein Elch am Autobahnschutzzaun bequem. "Vielleicht überlegt er, wie er über die A 12 nordwärts kommt", schmunzelt Günter Hansleben. Das Tier stamme ursprünglich aus Nordeuropa.

Der Elchfan aus der Prignitz ist seit Tagen mit Fernglas und Fotoapparat unterwegs, um den legalen Einwanderer abzulichten. Das versuchten auch schon zwei Polizeibeamte aus dem Schutzbereich Oder-Spree. "Aber erfolglos. Die Bilder wurden nichts", sagt Polizeisprecher Detlef Lüben. Beide Kollegen seien sicher, aus etwa 150 Metern einen Elch gesehen zu haben. Bezeugen könnten dies schließlich auch rund 20 Märker, die sich seit Ende September ganz aufgeregt in den Polizeiwachen der Region meldeten.

"Seine Augen leuchten abends grün-gelb. Der Koloss muss über zwei Meter groß sein", mutmaßt Rita Bachler, die den Elch gesehen haben will. Mehr Zeit zum Reden hat sie jetzt nicht. Die Mit-Fünfzigerin steuert zielsicher einen Hochsitz im Autobahn-Hinterland an. Frau Bachler ist im Elch-Fieber. Tourismusämter berichten, dass Hobby-Elchkundler derzeit manch verwaisten Jäger-Ausguck in Beschlag nehmen. Noch fühlen sich die Waidmänner aber nicht bedrängt, versichert Revierförster Heiko Kosmale von der Oberförsterei Briesen. Sensationstourismus bedeute für das Tier aber Stress. Überhaupt verstehe er die Aufregung um den nordischen Hirsch nicht. "Elche verlaufen sich in der Brunstzeit immer mal wieder zu uns", weiß Kosmale. "Dem Augenschein nach handelt es sich beim jetzigen Gast um einen zwei Jahre alten Elchbullen auf Damensuche", erklärt Imke Heyter, Chefin im Wildpark Schorfheide (Uckermark). Sie hat das einzige gelungene Foto des Brandenburger Elches von einem Beerfelder Landwirt gesehen. Heidrun Schöning vom Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg berichtet von rund 120 Elch-Sichtungen in den letzten 50 Jahren. Elche wurden laut Nabu zuletzt auch in Melchow (Uckermark) und Altranft (Märkisch-Oderland) gesehen. "Die Nordhirsche sind gute Schwimmer und kommen problemlos über die Oder", so Schöning. Jana Teubner von der Naturschutzstation Zippelsförde (Ostprignitz-Ruppin) sagt, der Elch sei ein sehr scheues Tier. In Skandinavien, im Baltikum und Russland leben heute rund 700 000 Elche.

Im Wildpark Schorfheide könnte man sich den groß gewachsenen Vierbeiner auch als Partner für die eigene Elchkuh Lilly vorstellen. Doch auf dem Weg in die Uckermark sei Vorsicht geboten, sagt Imke Heyter. "Autoverkehr ist für einwandernde Elche die Haupttodesursache." Die Polizei lässt die Angelegenheit einstweilen ruhen. "Der Elch wird von uns nicht weiter verfolgt. Er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen", so Sprecher Lüben.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008