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FRANKFURT (ODER) Es ist schon schummrig. Auf der A 12 "fliegt" der Verkehr
vorbei. Doch hinter der Abfahrt Müllrose (Oder-Spree) drosseln Autofahrer das
Tempo. Sie vermuten keinen "Blitzer", sondern einen eher seltenen Gast in
märkischen Gefilden. Seit einigen Wochen macht es sich in der Dämmerung ein Elch
am Autobahnschutzzaun bequem. "Vielleicht überlegt er, wie er über die A 12
nordwärts kommt", schmunzelt Günter Hansleben. Das Tier stamme ursprünglich aus
Nordeuropa.
Der Elchfan aus der Prignitz ist seit Tagen mit Fernglas und
Fotoapparat unterwegs, um den legalen Einwanderer abzulichten. Das versuchten
auch schon zwei Polizeibeamte aus dem Schutzbereich Oder-Spree. "Aber erfolglos.
Die Bilder wurden nichts", sagt Polizeisprecher Detlef Lüben. Beide Kollegen
seien sicher, aus etwa 150 Metern einen Elch gesehen zu haben. Bezeugen könnten
dies schließlich auch rund 20 Märker, die sich seit Ende September ganz
aufgeregt in den Polizeiwachen der Region meldeten.
"Seine Augen leuchten
abends grün-gelb. Der Koloss muss über zwei Meter groß sein", mutmaßt Rita
Bachler, die den Elch gesehen haben will. Mehr Zeit zum Reden hat sie jetzt
nicht. Die Mit-Fünfzigerin steuert zielsicher einen Hochsitz im
Autobahn-Hinterland an. Frau Bachler ist im Elch-Fieber. Tourismusämter
berichten, dass Hobby-Elchkundler derzeit manch verwaisten Jäger-Ausguck in
Beschlag nehmen. Noch fühlen sich die Waidmänner aber nicht bedrängt, versichert
Revierförster Heiko Kosmale von der Oberförsterei Briesen. Sensationstourismus
bedeute für das Tier aber Stress. Überhaupt verstehe er die Aufregung um den
nordischen Hirsch nicht. "Elche verlaufen sich in der Brunstzeit immer mal
wieder zu uns", weiß Kosmale. "Dem Augenschein nach handelt es sich beim
jetzigen Gast um einen zwei Jahre alten Elchbullen auf Damensuche", erklärt Imke
Heyter, Chefin im Wildpark Schorfheide (Uckermark). Sie hat das einzige
gelungene Foto des Brandenburger Elches von einem Beerfelder Landwirt gesehen.
Heidrun Schöning vom Naturschutzbund (Nabu) Brandenburg berichtet von rund 120
Elch-Sichtungen in den letzten 50 Jahren. Elche wurden laut Nabu zuletzt auch in
Melchow (Uckermark) und Altranft (Märkisch-Oderland) gesehen. "Die Nordhirsche
sind gute Schwimmer und kommen problemlos über die Oder", so Schöning. Jana
Teubner von der Naturschutzstation Zippelsförde (Ostprignitz-Ruppin) sagt, der
Elch sei ein sehr scheues Tier. In Skandinavien, im Baltikum und Russland leben
heute rund 700 000 Elche.
Im Wildpark Schorfheide könnte man sich den
groß gewachsenen Vierbeiner auch als Partner für die eigene Elchkuh Lilly
vorstellen. Doch auf dem Weg in die Uckermark sei Vorsicht geboten, sagt Imke
Heyter. "Autoverkehr ist für einwandernde Elche die Haupttodesursache." Die
Polizei lässt die Angelegenheit einstweilen ruhen. "Der Elch wird von uns nicht
weiter verfolgt. Er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen", so Sprecher
Lüben.