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„Das war eine Aktion der Hit-Umweltstiftung, wir
haben uns mit der Thematik nicht beschäftigt.“ Die „Thematik“, die
Nationalpark-Chef Henning Walter meint, ist eine Studie zur
möglichen Ansiedlung von Elchen im Nationalpark Eifel. Die Studie
ist nicht ganz taufrisch, sie wurde bereits im Herbst 2007
vorgelegt. Aber kaum jemand hat damals mitbekommen, dass die
Hit-Umweltstiftung ein solches Projekt ernsthaft untersuchen
ließ.
„Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung von Elchen im Nationalpark
Eifel“ ist die 40-seitige Studie überschrieben, die Dr. Heinrich
Spittler erstellte. Im Vorspann schrieb der Autor, dass die
„Absicht der Hit Umwelt- und Naturschutz Stiftung GmbH geradezu
konsequent“ erscheine, mit dem Elch einen gezielten
Ansiedlungsversuch vorzunehmen, „wobei an den Bereich des
Nationalparks Eifel gedacht ist“. So könne die Wiedereinwanderung
des Elches gefördert werden.
Diese großen Hirsche sind uns bislang eher aus Ost- und Nordeuropa
vertraut. Erinnert werden wir regelmäßig dann an die Viecher mit
der hängenden Lippe, wenn im Fernsehen gezeigt wird, wie sie
unbeeindruckt vom Autoverkehr auf den Straßen herumstehen.
Zwar attestiert die Studie dem Nationalpark eine grundsätzliche
Eignung für die Ansiedlung des Pflanzenfressers, aber optimal seien
die Lebensbedingungen nicht. Zudem werde es kaum möglich sein, die
Elche auf das ungünstig dreieckig zugeschnittene Nationalparkgebiet
zu begrenzen. Da seien durchaus Wildschäden beispielsweise in
landwirtschaftlichen Feldern zu erwarten. Da sich diese Schäden
kaum von denen durch Rotwild unterscheiden würden, sah der Autor
„ein gewisses Konfliktpotenzial“, insbesondere mit den angrenzenden
Jagdpächtern.
Zudem seien auch Gefährdungen des Straßenverkehrs absehbar. In
Schweden beispielsweise würden jährlich 5000 bis 6000
Verkehrsunfälle mit Elch-Beteiligung registriert. Zudem ist das
Straßenquerungsverhalten von Elchen gänzlich unkalkulierbar: Sie
wandern völlig losgelöst von bestimmten Tageszeiten, so wie es
ihnen gerade in den Sinn kommt. Dagegen würden am Ende nur Zäune
helfen. In jedem Fall sei mit erheblichen Sach- und Personenschäden
durch Unfälle zu rechnen: „Diese Gefahr ist eindeutig nicht
wegzudiskutieren.“
Mehr als 20 bis 50 Elche würde das Schutzgebiet alleine auch nicht
vertragen. Es sei fraglich, ob sich dieser eher kleine Bestand auf
den Nationalpark eingrenzen ließe. Angesichts der geringen
Stückzahl sei es auch offen, ob der Bestand dauerhaft existieren
könne oder degeneriere. Gegen die Elchansiedlung führte der
Fachmann auch aus, dass der Nationalpark „kein verkehrsberuhigter
Bereich ist“. Vielmehr führten zahlreiche Straßen mitten hindurch.
Daher sei mit weiteren „Verlusten“ im Bestand zu rechnen. Da das
Umland zudem mindestens so attraktiv für die Tiere sei wie das
Schutzgebiet selbst, rechnete der Experte mit einer Auswanderung,
und zwar bevorzugt ins benachbarte Ausland: Das belgische Hohe Venn
wäre vermutlich ein beliebtes Einwanderungsgebiet für die Tiere mit
den mächtigen Geweihen.
Die letztlich erlösende Botschaft findet sich auf Seite 19 der
Studie. Da wird darauf hingewiesen, dass es im Nationalpark
verboten sei, „Tiere einzubringen, auszusetzen oder anzusiedeln“.
Weiter heißt es, dass allein deshalb schon der Nationalpark Eifel
für die Ansiedlung von Elchen „im Prinzip“ nicht in Betracht komme.
Eine theoretisch mögliche Befreiung vom Verbot komme ebenfalls
nicht in Betracht, da diese Ansiedlung der Grundidee des
Schutzgebietes widerspreche, Natur Natur sein zu lassen. Insofern
darf sich auch der Steuerzahler freuen, dass die Elch-Idee von der
Nationalparkleitung nicht aufgegriffen wurde. Auf einen
Projektzeitraum von zehn Jahren kalkuliert, hätte das Vorhaben gut
eine Million Euro verschlungen. Auch ein zeitweilig von der
Nationalparkverwaltung in Betracht gezogenes Projekt zur Haltung
von Wisenten auf den Weidegründen am Kloster Mariawald hat sich
erledigt, wie Henning Walter bestätigte: „Mit Wisenten sind wir
nicht mehr beschäftigt.“ Statt selbst in die Viehzucht
einzusteigen, überlässt der Nationalpark das lieber den Landwirten.
An die wurden die Mariawalder Wiesen verpachtet.