08.07. - Das Projekt Elch ist vom Tisch

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„Das war eine Aktion der Hit-Umweltstiftung, wir haben uns mit der Thematik nicht beschäftigt.“ Die „Thematik“, die Nationalpark-Chef Henning Walter meint, ist eine Studie zur möglichen Ansiedlung von Elchen im Nationalpark Eifel. Die Studie ist nicht ganz taufrisch, sie wurde bereits im Herbst 2007 vorgelegt. Aber kaum jemand hat damals mitbekommen, dass die Hit-Umweltstiftung ein solches Projekt ernsthaft untersuchen ließ.

„Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung von Elchen im Nationalpark Eifel“ ist die 40-seitige Studie überschrieben, die Dr. Heinrich Spittler erstellte. Im Vorspann schrieb der Autor, dass die „Absicht der Hit Umwelt- und Naturschutz Stiftung GmbH geradezu konsequent“ erscheine, mit dem Elch einen gezielten Ansiedlungsversuch vorzunehmen, „wobei an den Bereich des Nationalparks Eifel gedacht ist“. So könne die Wiedereinwanderung des Elches gefördert werden.

Diese großen Hirsche sind uns bislang eher aus Ost- und Nordeuropa vertraut. Erinnert werden wir regelmäßig dann an die Viecher mit der hängenden Lippe, wenn im Fernsehen gezeigt wird, wie sie unbeeindruckt vom Autoverkehr auf den Straßen herumstehen.

Zwar attestiert die Studie dem Nationalpark eine grundsätzliche Eignung für die Ansiedlung des Pflanzenfressers, aber optimal seien die Lebensbedingungen nicht. Zudem werde es kaum möglich sein, die Elche auf das ungünstig dreieckig zugeschnittene Nationalparkgebiet zu begrenzen. Da seien durchaus Wildschäden beispielsweise in landwirtschaftlichen Feldern zu erwarten. Da sich diese Schäden kaum von denen durch Rotwild unterscheiden würden, sah der Autor „ein gewisses Konfliktpotenzial“, insbesondere mit den angrenzenden Jagdpächtern.

Zudem seien auch Gefährdungen des Straßenverkehrs absehbar. In Schweden beispielsweise würden jährlich 5000 bis 6000 Verkehrsunfälle mit Elch-Beteiligung registriert. Zudem ist das Straßenquerungsverhalten von Elchen gänzlich unkalkulierbar: Sie wandern völlig losgelöst von bestimmten Tageszeiten, so wie es ihnen gerade in den Sinn kommt. Dagegen würden am Ende nur Zäune helfen. In jedem Fall sei mit erheblichen Sach- und Personenschäden durch Unfälle zu rechnen: „Diese Gefahr ist eindeutig nicht wegzudiskutieren.“


Mehr als 20 bis 50 Elche würde das Schutzgebiet alleine auch nicht vertragen. Es sei fraglich, ob sich dieser eher kleine Bestand auf den Nationalpark eingrenzen ließe. Angesichts der geringen Stückzahl sei es auch offen, ob der Bestand dauerhaft existieren könne oder degeneriere. Gegen die Elchansiedlung führte der Fachmann auch aus, dass der Nationalpark „kein verkehrsberuhigter Bereich ist“. Vielmehr führten zahlreiche Straßen mitten hindurch. Daher sei mit weiteren „Verlusten“ im Bestand zu rechnen. Da das Umland zudem mindestens so attraktiv für die Tiere sei wie das Schutzgebiet selbst, rechnete der Experte mit einer Auswanderung, und zwar bevorzugt ins benachbarte Ausland: Das belgische Hohe Venn wäre vermutlich ein beliebtes Einwanderungsgebiet für die Tiere mit den mächtigen Geweihen.

Die letztlich erlösende Botschaft findet sich auf Seite 19 der Studie. Da wird darauf hingewiesen, dass es im Nationalpark verboten sei, „Tiere einzubringen, auszusetzen oder anzusiedeln“. Weiter heißt es, dass allein deshalb schon der Nationalpark Eifel für die Ansiedlung von Elchen „im Prinzip“ nicht in Betracht komme. Eine theoretisch mögliche Befreiung vom Verbot komme ebenfalls nicht in Betracht, da diese Ansiedlung der Grundidee des Schutzgebietes widerspreche, Natur Natur sein zu lassen. Insofern darf sich auch der Steuerzahler freuen, dass die Elch-Idee von der Nationalparkleitung nicht aufgegriffen wurde. Auf einen Projektzeitraum von zehn Jahren kalkuliert, hätte das Vorhaben gut eine Million Euro verschlungen. Auch ein zeitweilig von der Nationalparkverwaltung in Betracht gezogenes Projekt zur Haltung von Wisenten auf den Weidegründen am Kloster Mariawald hat sich erledigt, wie Henning Walter bestätigte: „Mit Wisenten sind wir nicht mehr beschäftigt.“ Statt selbst in die Viehzucht einzusteigen, überlässt der Nationalpark das lieber den Landwirten. An die wurden die Mariawalder Wiesen verpachtet.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 08.07.2011