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Vor kurzem wurde eine Elchkuh nach einem Verkehrsunfall bei Grafenau getötet
In Deutschland gelten die Elche als ausgestorben. Einige scheinen aber über die
grüne Grenze nach Bayern einwandern zu wollen. Diese Problematik thematisiert
das Bayerische Fernsehen mit einer Sendung über „ein Elchleben“, bei dem der
erste Drehort wegen der Elchgeburt der Bayerwald-Tierpark in Lohberg
ist.
Dass ein Elchleben durch den Straßentod ziemlich kurz sein kann, hat
die Kollision der Artgenossin mit einem Auto bestätigt. „Der Jagdpächter
schätzte das Tier auf zwei Jahre“, berichtet die für die Dreharbeiten
verantwortliche TV-Journalistin Angela Graas. „Die Sendung, die Ende Oktober
ausgestrahlt wird, soll ein Elchleben von Kindesbeinen an erzählen“, erläutert
sie auf Anfrage. Sie möchte der Vermutung auf den Grund gehen, ob die Wanderer
eventuell Revierkämpfe hierher getrieben haben. Um die Beweggründe zu
analysieren, führt sie Interviews mit dem betroffenen Autofahrer, dem
Jagdpächter.
Auch Wolf und Luchs überfahren
„Da auf Wolf und Luchs
in etwa dasselbe Schicksal zutrifft, greifen wir auch deren Wiederansiedelung
auf“, gibt Angela Graas Auskunft. „Auch von diesen Spezies wurden zwei Tiere im
letzten Jahr überfahren, nämlich ein Luchsmännchen und ein männlicher Wolf in
Starnberg, der über die Alpen aus Italien eingewandert war“, so die
TV-Journalistin. Der Luchs sei ja bereits wieder heimisch. Übrigens hat sich die
Münchnerin schon ausgiebig mit der Materie beschäftigt. Beispielsweise verfilmte
sie das Buch „Luchswege“ des Wildbiologen Manfred Wölfl.
Der Elch sei ein
ausdauernder Wanderer und kümmere sich nicht um Grenzen. Deshalb halten es
Wildbiologen für wahrscheinlich, dass der schwerste unter den Hirschen in Bayern
wieder ein Zuhause finden könnte. Im Dreiländereck (Tschechien, Deutschland,
Österreich) haben sich einige der Tiere angesiedelt. Der Elch ist das von der
Schutzgemeinschaft Deutsches Wild deklarierte Tier des Jahres 2007. Als Anwärter
hierfür kommen nur solche Arten in Frage, die auf natürlichem Weg in ihre
deutsche Heimat zurückkehren. Elche können stattliche 800 Kilogramm auf die
Waage bringen. Bei einer Schulterhöhe von rund zwei Metern nehmen sie es leicht
mit der Größe eines Pferdes auf. Entsprechend gefürchtet sind in skandinavischen
Ländern und in Nordamerika Wildunfälle mit den Vertretern dieser
Spezies.
15 Tiere in Warteposition
Einiges spricht dafür, dass
Elche schon bald wieder zur bayerischen Tierwelt gehören könnten. Im
tschechischen Böhmerwald, gleich hinter der bayerischen Grenze, hält sich eine
Gruppe von schätzungsweise 15 Tieren auf. Große Entfernungen zurückzulegen, ist
für sie kein Problem. „Auch in Bayern sind in den vergangenen Jahrzehnten immer
wieder Elche aufgetaucht“, recherchierte die TV-Journalistin. Im November 2005
wurde ein Exemplar in der Nähe von Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf
gesichtet. Ein Jahr zuvor berichteten Augenzeugen von einem Exemplar bei Cham,
bei Waldkirchen und bei Osterhofen – vermutlich war es immer dasselbe
Tier.
Ebenfalls im Jahr 2004 meldete ein Förster bei Neureichenau im
Bayerischen Wald eine Begegnung mit einem solchen Riesenhirsch. So mancher
Irrläufer soll des Weiteren in einer bayerischen Tiefkühltruhe gelandet sein,
obwohl er laut Jagdgesetz hierzulande ganzjährige Schonzeit genießt.
Ein
Problem könnten Elche vor allem für Waldbesitzer darstellen, weil ein
ausgewachsenes Tier täglich zehn bis 15 Kilogramm junges Grün verputzt, unter
anderem auch die Triebe und Knospen von Laubbäumen. Großen Schaden richten sie
durch das Abschälen der Rinde junger Bäumchen an. Im Gegensatz zu Skandinavien
gibt es in Bayern noch keine Ausgleichsfonds für Elchschäden. Viele werden sich
nach Meinung von Wildbiologen ohnehin nicht ansiedeln, denn Elche sind
Einzelgänger, die normalerweise die Nähe von Menschen meiden.
Hindernisse
sind beseitigt
Der Grund für die Wanderschaft liegt vermutlich darin,
dass die Tiere in jenen Gebieten Europas, in denen sie überlebt haben,
konsequent geschützt werden und sich stark vermehrten. So stieg der
Populationsdruck und die Jungtiere suchen nach Möglichkeiten, ihren
ursprünglichen Lebensraum wieder zu ergattern. Vor dem Fall des Eisernen
Vorhangs hielten die stark gesicherten Grenzanlagen die Elche von Ausflügen ins
Nachbarland ab. Zusammen mit zwei Kollegen bekam Angela Graas am gestrigen
Mittwoch „Pia und Paul“, die Zwillingselche, hervorragend zu Gesicht und vor die
Linse.