08.06. - Fernsehen filmt Elch-Zwillinge im Bayerwald

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Vor kurzem wurde eine Elchkuh nach einem Verkehrsunfall bei Grafenau getötet In Deutschland gelten die Elche als ausgestorben. Einige scheinen aber über die grüne Grenze nach Bayern einwandern zu wollen. Diese Problematik thematisiert das Bayerische Fernsehen mit einer Sendung über „ein Elchleben“, bei dem der erste Drehort wegen der Elchgeburt der Bayerwald-Tierpark in Lohberg ist.

Dass ein Elchleben durch den Straßentod ziemlich kurz sein kann, hat die Kollision der Artgenossin mit einem Auto bestätigt. „Der Jagdpächter schätzte das Tier auf zwei Jahre“, berichtet die für die Dreharbeiten verantwortliche TV-Journalistin Angela Graas. „Die Sendung, die Ende Oktober ausgestrahlt wird, soll ein Elchleben von Kindesbeinen an erzählen“, erläutert sie auf Anfrage. Sie möchte der Vermutung auf den Grund gehen, ob die Wanderer eventuell Revierkämpfe hierher getrieben haben. Um die Beweggründe zu analysieren, führt sie Interviews mit dem betroffenen Autofahrer, dem Jagdpächter.

Auch Wolf und Luchs überfahren

„Da auf Wolf und Luchs in etwa dasselbe Schicksal zutrifft, greifen wir auch deren Wiederansiedelung auf“, gibt Angela Graas Auskunft. „Auch von diesen Spezies wurden zwei Tiere im letzten Jahr überfahren, nämlich ein Luchsmännchen und ein männlicher Wolf in Starnberg, der über die Alpen aus Italien eingewandert war“, so die TV-Journalistin. Der Luchs sei ja bereits wieder heimisch. Übrigens hat sich die Münchnerin schon ausgiebig mit der Materie beschäftigt. Beispielsweise verfilmte sie das Buch „Luchswege“ des Wildbiologen Manfred Wölfl.

Der Elch sei ein ausdauernder Wanderer und kümmere sich nicht um Grenzen. Deshalb halten es Wildbiologen für wahrscheinlich, dass der schwerste unter den Hirschen in Bayern wieder ein Zuhause finden könnte. Im Dreiländereck (Tschechien, Deutschland, Österreich) haben sich einige der Tiere angesiedelt. Der Elch ist das von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild deklarierte Tier des Jahres 2007. Als Anwärter hierfür kommen nur solche Arten in Frage, die auf natürlichem Weg in ihre deutsche Heimat zurückkehren. Elche können stattliche 800 Kilogramm auf die Waage bringen. Bei einer Schulterhöhe von rund zwei Metern nehmen sie es leicht mit der Größe eines Pferdes auf. Entsprechend gefürchtet sind in skandinavischen Ländern und in Nordamerika Wildunfälle mit den Vertretern dieser Spezies.

15 Tiere in Warteposition

Einiges spricht dafür, dass Elche schon bald wieder zur bayerischen Tierwelt gehören könnten. Im tschechischen Böhmerwald, gleich hinter der bayerischen Grenze, hält sich eine Gruppe von schätzungsweise 15 Tieren auf. Große Entfernungen zurückzulegen, ist für sie kein Problem. „Auch in Bayern sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Elche aufgetaucht“, recherchierte die TV-Journalistin. Im November 2005 wurde ein Exemplar in der Nähe von Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf gesichtet. Ein Jahr zuvor berichteten Augenzeugen von einem Exemplar bei Cham, bei Waldkirchen und bei Osterhofen – vermutlich war es immer dasselbe Tier.

Ebenfalls im Jahr 2004 meldete ein Förster bei Neureichenau im Bayerischen Wald eine Begegnung mit einem solchen Riesenhirsch. So mancher Irrläufer soll des Weiteren in einer bayerischen Tiefkühltruhe gelandet sein, obwohl er laut Jagdgesetz hierzulande ganzjährige Schonzeit genießt.

Ein Problem könnten Elche vor allem für Waldbesitzer darstellen, weil ein ausgewachsenes Tier täglich zehn bis 15 Kilogramm junges Grün verputzt, unter anderem auch die Triebe und Knospen von Laubbäumen. Großen Schaden richten sie durch das Abschälen der Rinde junger Bäumchen an. Im Gegensatz zu Skandinavien gibt es in Bayern noch keine Ausgleichsfonds für Elchschäden. Viele werden sich nach Meinung von Wildbiologen ohnehin nicht ansiedeln, denn Elche sind Einzelgänger, die normalerweise die Nähe von Menschen meiden.

Hindernisse sind beseitigt

Der Grund für die Wanderschaft liegt vermutlich darin, dass die Tiere in jenen Gebieten Europas, in denen sie überlebt haben, konsequent geschützt werden und sich stark vermehrten. So stieg der Populationsdruck und die Jungtiere suchen nach Möglichkeiten, ihren ursprünglichen Lebensraum wieder zu ergattern. Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs hielten die stark gesicherten Grenzanlagen die Elche von Ausflügen ins Nachbarland ab. Zusammen mit zwei Kollegen bekam Angela Graas am gestrigen Mittwoch „Pia und Paul“, die Zwillingselche, hervorragend zu Gesicht und vor die Linse.





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008