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Bayern ist ein Touristenland. Und das hat sich mittlerweile auch im Tierreich
herumgesprochen. Längst verschwundene Arten machen sich hierzulande wieder
heimisch. Luchse, Wölfe und zuletzt auch Elche sind im Naturpark Bayerischer
Wald ausgemacht worden. Und weil nicht nur das Zusammenleben von Mensch und
Mensch, sondern auch das von Tier und Mensch gut geregelt sein will, hat der
bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller ein Papier für das Miteinander
vorgelegt, den Elchplan.
Der Elch hat nämlich Potenzial, sich zum
Problemtier zu mausern. Immer dann, wenn er auf der Straße steht.
"Typischerweise verharren die Tiere zunächst an Ort und Stelle und beobachten
die Situation", heißt es in dem Plan. Der Elch schaut zu. "Und er ist stur", wie
der Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Karl Friedrich Sinner, sagt. Er
weicht nicht. Das Fahrmanöver, das bald in deutschen Fahrschulen unterrichtet
werden könnte, heißt deshalb Elchtest: das plötzliche Ausweichen vor dem
Ungetüm. Damit es so weit nicht kommt, rät Sinner, besonnen zu
fahren.
Wie er auch überhaupt zur Besonnenheit im Umgang mit neu
eingewanderten Tierarten rät. Die Angst vor dem Wolf hält er für unbegründet.
Das Märchen Rotkäppchen stellt für den Wolf so etwas wie eine Rufmordkampagne
dar. "Der Wolf zieht sich sofort zurück, sobald er Menschen sieht", sagt
Sinner.
Schon seit Anfang der 1990er Jahre haben Spuren im Nationalpark
Bayerischer Wald auf einzelne Tiere verwiesen. Einen Wolf zu Gesicht zu
bekommen, ist selbst für Mitarbeiter des Parks ein seltener Anblick.
Zwischenfälle mit den Tieren habe es in den ganzen Jahren nicht gegeben. Und
wirklich viele Wölfe leben dort auch nicht. Gerade einmal vier oder fünf Tiere
vermutet Sinner im Park.
Genauso verhält es sich mit den anderen
Zuwanderern unter den großen Säugetieren. Es sind nur kleine, an einer Hand
abzählbare Gruppen. Luchse leben im Nationalpark vielleicht vier bis sechs. Erst
neulich verriet sich ein Weibchen mit seinen beiden Jungen durch Spuren im
Neuschnee, wie Sinner sagt.
Und von den Elchen, die nun aus dem
Tschechischen über die Grenze ohne Ausweispapiere einwandern, leben an der
Moldau um die 15 Tiere. Kein Grund also, von einer Invasion auszugehen. Im
Elchplan des Ministeriums wird schon einmal festgelegt, wer für die
Verbissschäden der Zuwanderer aufzukommen hat. Sie gelten wegen ihrer Größe
nämlich als gefräßig. Und Spaziergängern wird geraten, sich bei Begegnungen mit
dem Elch an dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei Rehen, Hirschen oder
Wildschweinen zu halten. Ob es allerdings die unter Schweden-Urlaubern so
beliebten Elch-Verkehrsschilder auf bayerischen Straßen geben wird, verrät der
Plan leider nicht.