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Ganz ruhig stand der "Herr des Waldes" am Straßenrand. Das riesige Tier
interessierte sich nicht für die auf der Autobahn vorbeirasenden Autos. Es war
ein Elch - und die Kolosse stehen in Skandinavien ständig auf oder an der Straße
und lassen sich nicht verschrecken. Doch diesmal suchte das Tier in Brandenburg,
an der Autobahn kurz vor Frankfurt (Oder) nach Futter. Überraschte Autofahrer
hatten das erste Mal im September die Polizei alarmiert. Anfangs glaubte man,
sie hätten den Elch mit einem Hirsch verwechselt. Doch im Oktober fotografierten
Polizisten das Tier bei Müllrose. "Das Foto ist leider nichts geworden", sagt
Polizeisprecherin Dagmar Loose. Doch es sei definitiv ein Elch gewesen. "Er ist
danach nicht mehr gesehen worden", sagte sie.
Einwander aus dem
Osten
Es ist der letzte Elch, der nachweislich in Brandenburg gesichtet
wurde, doch wahrscheinlich streift ein weiterer Vertreter dieser Hirschart durch
die Wälder. Denn kurz vor dem Elch in Müllrose war ein verletztes Tier auch an
der Oder im Norden des Landes gesichtet worden. Wegen einer Verletzung musste es
erschossen werden. Weil die Tiere immer öfter in Deutschland auftauchen, wurden
sie zum "Tier des Jahres 2007" gekürt. Experten rechnen damit, dass sich Elche
langfristig wieder in Ostbrandenburg ansiedeln könnten. "Es gibt keine seriösen
Zahlen, wie viele Elche es in Deutschland oder in Brandenburg gibt", sagt Gerd
Schumann, Referatsleiter Artenschutz im Potsdamer Umweltministerium. "Es gab
Jahre, in denen drei Elche gleichzeitig in Brandenburg waren." Die Tiere kämen
immer mal wieder aus Polen herüber und gelangen auch nach Sachsen und
Mecklenburg- Vorpommern. Bayern erreichen die Elche über den Böhmerwald.
"Seit den 70er-Jahren wurden auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik
etwa 50 Elche gesichtet", sagt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes
(LUA). Die meisten in Brandenburg. Das liege daran, dass die Tiere bei ihren
Wanderungen den Wäldern folgen, die sich von Osteuropa nach Westen erstrecken.
"Wenn sie sich wieder ansiedeln, dann zuerst in Brandenburg", sagt er. Denn das
Land verfügt deutschlandweit über die größten unzerschnittenen Wälder. Der
dünnbesiedelte Nordern des Landes kann so zu einem Anziehungspunkt für Elche
werden.
In Polen leben etwa 4 000 Elche, die bis in die 90er-Jahre bejagt
wurden. Dadurch stieg die Population nicht so schnell. Nun ist die Jagd aber
verboten. Wenn die Bestände wachsen, werden mehr Elche nach Westen ziehen.
Hiesige Waldbesitzer befürchten Schäden in ihren Beständen, weil die Tiere gern
die Rinde junger Bäume fressen. "Es sind aber nur wenige Tiere", sagt Freude,
"da wird der Schaden nicht groß."
Zum Problem könnten die Tiere aber für
Autofahrer werden. Unfälle enden meist schwer. Wenn ein Auto eines der bis zu
800 Kilogramm schweren Tiere rammt, kommt das der Fahrt gegen eine Wand gleich.
"Die Tiere stammen aus menschenleeren Waldgebieten, haben keine Erfahrung mit
dem Verkehr", sagt Schumann. Darauf müssten sich die Menschen
einstellen.
Vorsicht auf den Straßen
"Wir haben eine positive
Grundhaltung zum Elch, denn Artenvielfalt ist wichtig. Wir lehnen ein
Nützlichkeits- und Schädlichkeitsdenken ab", sagt Schumann. Es gebe sogar Elche
im Großraum Warschau und dort breche der Verkehr wegen der Tiere auch nicht
zusammen.
Wer ganz sicher in Brandenburg Elche sehen will, muss in den
Wildpark Schorfheide bei Groß Schönebeck fahren. "Wir haben drei Elche", sagt
Thomas Streicher. Sie bekommen regelmäßig Junge. "Das ist sehr selten in
Gefangenschaft. Es klappt nur, weil sie im riesigen Freigehege viel Platz und
Ruhe haben."