07.03. - Brandenburger Elchtest

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Ganz ruhig stand der "Herr des Waldes" am Straßenrand. Das riesige Tier interessierte sich nicht für die auf der Autobahn vorbeirasenden Autos. Es war ein Elch - und die Kolosse stehen in Skandinavien ständig auf oder an der Straße und lassen sich nicht verschrecken. Doch diesmal suchte das Tier in Brandenburg, an der Autobahn kurz vor Frankfurt (Oder) nach Futter. Überraschte Autofahrer hatten das erste Mal im September die Polizei alarmiert. Anfangs glaubte man, sie hätten den Elch mit einem Hirsch verwechselt. Doch im Oktober fotografierten Polizisten das Tier bei Müllrose. "Das Foto ist leider nichts geworden", sagt Polizeisprecherin Dagmar Loose. Doch es sei definitiv ein Elch gewesen. "Er ist danach nicht mehr gesehen worden", sagte sie.

Einwander aus dem Osten

Es ist der letzte Elch, der nachweislich in Brandenburg gesichtet wurde, doch wahrscheinlich streift ein weiterer Vertreter dieser Hirschart durch die Wälder. Denn kurz vor dem Elch in Müllrose war ein verletztes Tier auch an der Oder im Norden des Landes gesichtet worden. Wegen einer Verletzung musste es erschossen werden. Weil die Tiere immer öfter in Deutschland auftauchen, wurden sie zum "Tier des Jahres 2007" gekürt. Experten rechnen damit, dass sich Elche langfristig wieder in Ostbrandenburg ansiedeln könnten. "Es gibt keine seriösen Zahlen, wie viele Elche es in Deutschland oder in Brandenburg gibt", sagt Gerd Schumann, Referatsleiter Artenschutz im Potsdamer Umweltministerium. "Es gab Jahre, in denen drei Elche gleichzeitig in Brandenburg waren." Die Tiere kämen immer mal wieder aus Polen herüber und gelangen auch nach Sachsen und Mecklenburg- Vorpommern. Bayern erreichen die Elche über den Böhmerwald.

"Seit den 70er-Jahren wurden auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik etwa 50 Elche gesichtet", sagt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes (LUA). Die meisten in Brandenburg. Das liege daran, dass die Tiere bei ihren Wanderungen den Wäldern folgen, die sich von Osteuropa nach Westen erstrecken. "Wenn sie sich wieder ansiedeln, dann zuerst in Brandenburg", sagt er. Denn das Land verfügt deutschlandweit über die größten unzerschnittenen Wälder. Der dünnbesiedelte Nordern des Landes kann so zu einem Anziehungspunkt für Elche werden.

In Polen leben etwa 4 000 Elche, die bis in die 90er-Jahre bejagt wurden. Dadurch stieg die Population nicht so schnell. Nun ist die Jagd aber verboten. Wenn die Bestände wachsen, werden mehr Elche nach Westen ziehen. Hiesige Waldbesitzer befürchten Schäden in ihren Beständen, weil die Tiere gern die Rinde junger Bäume fressen. "Es sind aber nur wenige Tiere", sagt Freude, "da wird der Schaden nicht groß."

Zum Problem könnten die Tiere aber für Autofahrer werden. Unfälle enden meist schwer. Wenn ein Auto eines der bis zu 800 Kilogramm schweren Tiere rammt, kommt das der Fahrt gegen eine Wand gleich. "Die Tiere stammen aus menschenleeren Waldgebieten, haben keine Erfahrung mit dem Verkehr", sagt Schumann. Darauf müssten sich die Menschen einstellen.

Vorsicht auf den Straßen

"Wir haben eine positive Grundhaltung zum Elch, denn Artenvielfalt ist wichtig. Wir lehnen ein Nützlichkeits- und Schädlichkeitsdenken ab", sagt Schumann. Es gebe sogar Elche im Großraum Warschau und dort breche der Verkehr wegen der Tiere auch nicht zusammen.

Wer ganz sicher in Brandenburg Elche sehen will, muss in den Wildpark Schorfheide bei Groß Schönebeck fahren. "Wir haben drei Elche", sagt Thomas Streicher. Sie bekommen regelmäßig Junge. "Das ist sehr selten in Gefangenschaft. Es klappt nur, weil sie im riesigen Freigehege viel Platz und Ruhe haben."





Kontakt, Gästebuch, Forum Update: 17.12.2008