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Zürich will nicht mehr über seine beiden Naherholungsgebiete im
Sihltal alleine herrschen. Vergangen sind die Zeiten, da die
Städter ihre kalten Stuben mit Holz aus dem Sihlwald heizten, das
einst auf Kanälen bis an den Werdmühleplatz geflösst wurde. Längst
ist der Sihlwald vom Holzlieferanten zum Erlebnisraum geworden.
Fortan soll er gemeinsam mit dem Wildpark Langenberg den «Naturpark
Zürich» bilden und für Erholung Suchende an Anziehungskraft
gewinnen.
Sihlwald und Wildpark liegen im Bezirk Horgen. Bis anhin
finanzierte die Stadt ihre Waldareale nahezu im Alleingang – mit
jährlich 3,8 Millionen Franken. Wenn aus den beiden
Naherholungsgebieten in gut einem Jahr der erste
«Naturerlebnis-Park» der Schweiz wird, reicht dieser Beitrag bei
weitem nicht mehr aus. Betrieb, Pflege sowie grössere
Unterhaltsarbeiten verursachen in den nächsten Jahren Investitionen
in zweistelliger Millionenhöhe. Deswegen möchte die Stadt eine neue
Stiftung mit neuen Partnern aus der gesamten Region ins Leben rufen
und ihr den Betrieb des Sihlwalds sowie des Wildparks Langenberg
anvertrauen. «Naturpark Zürich» wird sie heissen. In ihr nehmen
auch die Gemeinden des Bezirks Horgen, der Kanton und Pro Natura
Einsitz. Sie alle können bei der Gestaltung des
«Naturerlebnis-Parks» mitreden, müssen indes auch zahlen. Der
Bezirk Horgen leistet 220'000 Franken im Jahr, hinzu kommen 100'000
Franken vom Kanton und rund 20'000 von Pro Natura. Zürich wird
höchstens 3,8 Millionen Franken jährlich beitragen – also gleich
viel wie bis anhin. Am 1. Juni befinden die Stimmberechtigten über
diese Investition. Im Parlament war die Vorlage «Naturpark Zürich»
unbestritten, der Rat winkte sie mit 104:0 Stimmen durch.
Wildpark wird erweitert
Was bekommt der Steuerzahler zurück, wenn er den Kredit genehmigt?
«Mehr Leistung, aber weniger Kosten», sagte Stadtrat Martin Waser
(SP), als er gestern für den «Naturpark Zürich» die Werbetrommel
rührte. Weil sich neu mehrere Partner am Projekt beteiligen, steht
künftig mehr Geld für die Weiterentwicklung zur Verfügung. Eine der
dringlichsten Investitionen ist die Erneuerung des Westteils im
Wildpark Langenberg. Laut Projektleiter Christian Stauffer ist
vorgesehen, über die Albisstrasse eine Hängebrücke aus Holz zu
spannen. Sie soll den Besuchern den Gang zum Elch-, Wisent- und
Wildpferdgehege erleichtern. Heute ist das wenig begangene Areal
nur durch eine Unterführung erschlossen. Brücke und Ausbau des
Westteils kosten alles in allem 4,5 Millionen Franken. Spätestens
im Frühjahr 2009 möchte man mit den Arbeiten beginnen.
Dank der neuen Stiftung ist es möglich, das Angebot an
Naturerlebnissen zu erweitern. Beim Naturzentrum Sihlwald wird ein
«Wipfelpfad» eingerichtet, welcher durch die Baumkronen führt und
den bestehenden Waldlehrpfad ergänzt.
Dank Label auch Geld vom Bund
Landesweit ist der geplante «Naturpark Zürich» der einzige Kandidat
für einen «Naturerlebnis-Park» mit Gütesiegel. Gemäss Bundesamt für
Umwelt haben diese Pärke zwingend mitten in der Agglomeration zu
liegen und der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt unberührte
Lebensräume zu eröffnen. So umfasst die eine Hälfte des zehn
Quadratkilometer grossen Sihlwalds eine Erlebniszone, die andere
eine Kernzone. In dieser Kernzone bleibt die Natur sich selbst
überlassen. Eingriffe ins Ökosystem sind weit gehend untersagt.
Wanderer, Radfahrer und Reiter dürfen sich darin nur auf markierten
Routen bewegen - ähnlich wie im Nationalpark im
Unterengadin. Tafeln werden die Besucher über das Erlebnisangebot
ins Bild setzen und ihnen zeigen, was wo gestattet ist. Das Zürcher
Projekt dürfte damit die Vorgaben des Bundes erfüllen.
Sofern der Bund im Spätsommer dem «Naturpark Zürich» das Label
«Naturerlebnis-Park» verleiht, wird auch er das Projekt finanziell
unterstützen. Ausserdem erwartet die private Trägerschaft vermehrt
Spenden und Legate. Tiefbauvorsteher Martin Waser geht davon aus,
dass «das neue Modell die Stadt organisatorisch und finanziell»
entlastet. Ab 2019 lasse sich der jährliche Betriebsbeitrag von
höchstens 3,8 Millionen Franken gar reduzieren.