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04.09. - Und täglich grüßt der ElchSeit sechzig Jahren schon schmückt ein Elchkopf die Gaststube des 100
Jahre alten Restaurants "Neu-Helgoland". "Opa Ernst hat ihn angebracht", erzählt
Dagmar Tabbert (44), die Wirtin. Alle, die in die Küche oder das Büro eilen,
müssen das kolossale Tierhaupt passieren.
Eigentlich wollte sich die attraktive blonde Frau das Gastronomiegewerbe verkneifen. Sie ist selbst mit ihren Geschwistern in der Gastwirtschaft groß geworden. "So ein richtiges Familienleben kannten wir nicht. Alles drehte sich ums Geschäft", sagt sie. Deshalb lernte sie nach der Schule den Beruf Finanzkauffrau. Auch Schwester und Bruder pfiffen zunächst auf die Familientradition, die seit drei Generationen "Neu-Helgoland" hieß. Denn der zu DDR-Zeiten reine Saisonbetrieb galt als Knochenmühle. Doch der Ausflug ins "normale" Leben dauerte nicht lange. Nachdem Bruder Hajo auf Wunsch der Eltern dann doch noch von Lederschneider auf Kellner umsattelte und sogar den Gaststättenleiternachweis erwarb, kehrten auch Dagmar und ihr damaliger Ehemann buchstäblich an den heimischen Herd zurück. Beide wurden Koch. Sollte des "Paradies des Ostens", wie das Urberliner Ausflugslokal seit seiner Eröffnung im Jahr 1898 immer hieß, nicht untergehen, musste die nächste Generation ran. So pachtete Dagmar Tabbert 1986 von ihren in den Ruhestand gehenden Eltern den seit 1910 in Tabbertschem Besitz befindlichen Gasthof. Seitdem hat sich in Haus und Garten an der Müggelspree viel getan. Aus dem Saisonbetrieb wurde ein ganzjähriger. Die Heizungsanlagen wurden erneuert, Küche und Toiletten modernisiert. Gastzimmer, Veranden, kleiner und großer Saal sowie Biergarten veränderten nach und nach ihr Aussehen. Doch wie eh und je werden hier Molle und Korn gezischt, Apfelkuchen gegessen und die beliebten Eisbeine verdrückt. Senioren schippern mit dem Dampfer her, um das Tanzbein zu schwingen, und die echten Rockfans kommen bei den traditionellen Konzerten "Best of Ostrock" auf ihre Kosten. Chefin Tabbert hat ein gutes Händchen beim Aufspüren von Bands, die den Saal füllen. Ihre Kinder Niklas und Stefanie sind längst in Mutters Fußstapfen getreten: Sie kochen und kellnern. Die fünfte Generation Gastronomen wächst heran. Ein Ende ist nicht abzusehen. Demnächst wird der Familienbetrieb sogar noch erweitert: Nach dem Abriss des großen alten Saales im Biergarten entsteht ein kleines Hotel. |
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| © 1998 - 2012 Elke Rößler | Kontakt, Gästebuch, Forum | Update: 17.12.2008 |