Pressemeldung
Der Musiker, Schriftsteller, Filmemacher und
Entertainer Helge Schneider erhält 2009 den Satirepreis GÖTTINGER
ELCH für sein Lebenswerk. Die Auszeichnung ist mit 3.333 Euro,
einer silbernen Elchbrosche und 99 Dosen „Original Göttinger
Elch-Rahmsüppchen“ dotiert. Die feierliche Verleihung, an der mit
den Biermösl Blosn auch die Preisträger des letzten Jahres
teilnehmen, findet am 5. Dezember 2009, 20.00 Uhr, im Deutschen
Theater Göttingen statt. Der Vorverkauf beginnt am 2. November
2009. Karten sind ausschließlich an der Kasse des Deutschen
Theaters, Tel. 0551 / 49 69 11, erhältlich (Öffnungszeiten: Mo-Fr
10.00-13.30 Uhr und 16.30-20.00 Uhr, Sa 11.00-14.00 Uhr).
Geehrt wird mit Helge Schneider ein „Ausnahmetalent und
Multikünstler“, wie es in der Begründung der Jury heißt, der „mit
seiner Verbindung von exzellenter Musik und kauzigem Entertainment
die Welt der komischen Künste bereichert und ihnen ganz neue
Ausdrucksformen geschenkt hat. Mit seinem unverwechselbaren, aus
dem Geist der Improvisation geborenen Sti setzt Helge Schneider den
Kontrapunkt zu den fabrikmäßigen Hervorbringungen des
massenmedialen Comedybetriebs. In seiner komischen Kunst
verschmelzen die Trivialitäten der Hoch- und die Preziosen der
Subkultur zu einer neuen Einheit, wachsen Sinn und Unsinn, Qualitä
und Quatsch zusammen, weil sie zusammengehören. So verwandelt er
Kitsch in Kunst, so mach er seit mittlerweile 35 Jahren ,Bonbons
aus Wurst’ und beweist mit anarchischem Humor, was echte Komik ist
– nicht Anpassung nämlich an einen gleichgeschalteten
Massengeschmack sondern: wahre, persönliche Freiheit. Helge
Schneider ist ein Genie auf eigne Hand.“
Der 1955 in Mülheim an der Ruhr geborene Helge Schneider wollte
schon im Vorschulalter Musiker und Clown werden. Er spielte bereits
als 13-Jähriger in einer Rockband und ging sei seinem 17.
Lebensjahr als Jazzpianist, Saxophonspieler und Sänger mit
wechselnden Musikgruppen auf Tournee und ins Plattenstudio. Seit
1977 arbeitet er endgültig als Berufsmusiker und Entertainer und
machte die aus dem Jazz entwickelte Improvisationskunst zu seinem
ureigenen Stil, der virtuoses Musizieren mit komischen Texten
verbindet. Bekannt wurde er als „singende Herrentorte“, die auf
ihren Konzerten das Niveau schlechter Schlagermusik so gekonnt
unterbot, dass es schon wieder gut war. Der große Durchbruch gelang
ihm in den 90ern mit den Hits „Katzeklo“ und „Es gibt Reis, Baby“.
Zugleich eroberte er mit der Westernparodie „Texas – Doc Snyder
hält die Welt in Atem“ das Kino und sicherte sich mit dem
Nonsens-Krimi „Zieh dich aus, du alte Hippe“ einen Platz in der
Literatur; später fand er mit „Mendy, das Wusical“ auch zum
Musical. Zuletzt brachte er die Autobiographie „Bonbon aus Wurst“
heraus – ein programmatischer Titel, da Helge Schneiders Kunst
wesentlich darin liegt, Grenzen aufzuheben, Unpassendes passend zu
machen und auszuprobieren, was geht: Hauptsache, es macht Spaß.
Vor dem GÖTTINGER ELCH erhielt Helge Schneider 1997 den
„Tegtmeier“-Preis der Stadt Hamm, 2000 den Deutschen Comedypreis in
der Sparte „Beste Musik-Comedy“, 2004 den Prix Pantheon und 2005
sowohl den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim
als auch den Ehrenpreis des Deutschen Comedypreises für sein
Lebenswerk. 2008 wurde er vom Bundesverband Klavier als
„Klavierspieler des Jahres“ ausgezeichnet, und der „Club der
Schlitzohren“ verlieh ihm das „Goldene Schlitzohr“. Für sein
Musikalbum „Es gibt Reis, Baby“ erhielt Helge Schneider 1994 eine
Goldene Schallplatte. Seit 2004 ist er Mitglied der Krimiautoren-
Vereinigung „Das Syndikat“.
Der Satirepreis GÖTTINGER ELCH wurde 1997 erstmals vergeben und
wird seit 1999 jährlich verliehen. Die bisherigen Preisträger waren
der Cartoonist Chlodwig Poth (1997), der Zeichner und
Schriftsteller Robert Gernhardt (1999), der Kabarettist Gerhard
Polt (2000), der Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt (2001), die
Karikaturistin Marie Marcks (2002), der Zeichner und Dichter F. W.
Bernstein (2003), der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger
(2004), der Komiker Otto Waalkes (2005), der Zeichner Hans Traxler
(2006), der Zeichner und Musiker Ernst Kahl (2007) sowie die
bayerischen Volksmusiker und Kabarettisten der Biermösl Blosn
(2008).
Der GÖTTINGER ELCH hat es sich zur Aufgabe gemacht, den guten Ruf
der komischen Künste zu festigen und das Ansehen der in Wort, Bild
und Ton tätigen Satiriker im deutschen Sprachraum zu mehren. Der
Preis hat seine Heimat nicht zufällig in Göttingen: Die Stadt hat
eine besondere Tradition in Sachen Satire, die im Jahrhundert der
Aufklärung mit dem genialen Aphoristiker Georg Christoph
Lichtenberg (1742–1799) beginnt und bis in die jüngste
Vergangenheit von den Wahl- Göttingern Robert Gernhardt und F.W.
Bernstein fortgeführt wurde. Einem sprichwörtlich gewordenen
Zweizeiler Bernsteins ist der Name des Satirepreises entlehnt: „Die
schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“
Die ELCH-Jury 2009 besteht aus: Antje Kunstmann, München,
Verlegerin; Hilmar Beck Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen;
Biermösl Blosn (Christoph, Hans und Michael Well) ELCH-Preisträger
2008; WP Fahrenberg, Ausstellungsbüro Göttingen; Achim Frenz,
Museum für Komische Kunst Frankfurt am Main; Peter Köhler,
Journalist und Schriftsteller, Göttingen; Martin Sonntag,
Caricatura Kassel; Hans Zippert, Schriftsteller und Publizist,
Oberursel.
Mehr über den ELCH und seine Preisträger unter: www.goettinger-elch.de