gesehen auf http://www.dradio.de/
Alle Tiere lieben Süßes, erzählt die Biologin Frida Hedin. Der Elch macht da
keine Ausnahme. Aber ausgerechnet Zucker will die schwedische Straßenbehörde
Vägverket im Winter künftig dem Salz beimischen, das nach Schneefall und bei
Eisglätte auf den Wegen des nordischen Landes für Sicherheit sorgen soll. Zucker
oder Melasse tauen zwar Schnee und Eis nicht auf, sorgen aber trotzdem für mehr
Reibung auf glatten Reichsstraßen.
Doch das Vorhaben könnte unangenehme
Folgen für die Autofahrer des nordischen Landes haben: Vom schmackhaften Zucker
im Salz angelockt, stünden die Tiere wohlmöglich zuhauf auf den Straßen des
Landes und leckten die gestreute Oberfläche ab, befürchtet die Biologin.
Die 550 Kilogramm schweren Tiere provozierten dabei Unfälle, die für
Mensch und Tier mit dem Tode enden können. Elche haben lange Beine. Beim Unfall
reißt das Auto die Beine weg, der Rest des Elches aber pflegt - dem Gesetz der
Masse-Trägheit folgend - sich nicht davon zu bewegen und landet folglich in der
Windschutzscheibe des Wagens. Das kann zum Tode des Fahrers führen, sollte der
Elch seinen Weg ins Wageninnere fortsetzen und ihn erschlagen. Was pro Jahr bis
zu 20 Mal der Fall ist. (Über die Zahl der getöteten Elche liegen keine
gesicherten Daten vor.) Um diese Zahl nicht dramatisch ansteigen zu lassen, kam
die Straßenbehörde auf die Idee, überhaupt erst einmal zu untersuchen, ob die
Elche das süß-salzige Streugut mögen. Das war die Aufgabe von Frida Hedin; die
Biologin testete die Vorlieben der Elche mit Salzlecksteinen:
Es gab zwei
verschiedene Lecksteine. Einer bestand zu 100 Prozent aus Natrium-Chlorid, also
Salz, der andere zu 75 aus Salz und zu 25 Prozent aus Glukose, also Zucker.
Eine Auswahl von beiden Lecksteinen befestigte die Biologin zunächst an
Wildtier-Raufen in der Forschungsstation Grimsö im Zentrum des Landes. Im
Abstand von je einer Woche wog sie die Steine, um festzustellen, an welchen die
Tiere mehr geleckt hatten.
Das Ergebnis war: Elche leckten mehr vom
Zucker-Salz Gemisch. Daher machten wir im Frühjahr 2007 einen weiteren Versuch.
Diesmal allerdings im Wildtiergehege Moose-Garden in Östersund. Anders
als auf freier Wildbahn wissen die Forscher hier, wie viele Tiere im Wildgehege
leben, und können daher genauer bestimmen, wie weit die Vorliebe der Elche für
den zuckerhaltigen Salzleckstein geht.
Die Differenz war sehr groß, die
Elche hatten wieder mehr vom Zucker-Salz-Stein geleckt.
Keine guten
Aussichten also für das Vorhaben der schwedischen Straßenbehörde Vägverket.
Deren Forscher suchen jetzt nach einem Ausweg.
Die schwedische
Straßenbehörde testet jetzt verschiedene Mischungen von Zucker und Salz, die
Versuche laufen noch bis zum Sommer 2008. Dann werden sie hoffentlich einen
Bericht vorlegen, wie das Projekt ausgegangen ist.