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„Ich glaub’ mich knutscht ein Elch!“ Im Fläming ist
das ab sofort nicht mehr undenkbar. Die Wölfe haben sich ja, wie
berichtet, bereits hiesige Reviere angeschaut.
Von Sachsen-Anhalt her nun könnte der größte Hirsch der Welt
vordrängen. Jedenfalls hatte es bei der Polizeiwache Lutherstadt
Wittenberg am Ende des vergangenen Jahres entsprechende Meldungen
von der B 187 gegeben. Tatsächlich will ein jagdkundiger Beamter
die Trittsiegel (Abdrücke) erkannt haben. Vier Wochen später haben
gleich drei Autofahrer binnen eines Tages den Einwanderer an der A
9 unweit der Anschlussstelle Köselitz gesehen. „Es ist wohl ein
junger Bulle, der sich hier wohlfühlt“, sagt der Wittenberger
Kreisjägermeister Martin Gersch.
Es wäre nicht das erste Exemplar, das sich dort sehen lässt. Der
letzte Artgenosse musste seinen Besuch allerdings am 25. Mai 1975
auf der Autobahn nach Süden am Kilometer 63,5 mit dem Leben
quittieren. Lothar Hain zeichnete damals im Staatlichen
Forstwirtschaftsbetrieb Roßlau für die Jagd verantwortlich und war
somit für die Bergung des Unfallwildes zuständig. Er kann sich
genau erinnern. Um 22 Uhr habe das Telefon geläutet. „Zunächst
hielt ich das für einen Scherz“, berichtet der Forstmann. „Doch als
ich an Ort und Stelle war, lag vor dem eingedrückten Fahrerhaus
eines W 50 ein männlicher Elch.“ Forstmeister Ingolf Hahn, der
ebenfalls alarmiert worden war, hat das Tier sofort aufgebrochen.
Das Wildbret ist zur Wildsammelstelle nach Roßlau gebracht
worden.
Es sollte nach Untersuchung durch den Veterinär zum Verkauf
angeboten werden. Doch es gab keinen Preis für Elchfleisch, so dass
die Abteilung Handel und Versorgung beim Rat des Bezirkes Halle
(Saale) letztlich zustimmen musste, das Fleisch zum Rotwildpreis an
die Gastätte „ Jägerklause“ in Dessau zu liefern. Dort hängt
heutzutage noch das ausgestopfte Haupt des Elches, das angeblich
Glück bringen soll. In Erinnerung an das Ereignis wird dort am 19.
April wieder ein Elchfleischessen ausgerichtet.
Der bekannte Autoaufkleber mit dem Geweihträger muss also womöglich
nicht dauerhaft den Skandinavien-Urlaubern vorbehalten bleiben.
Womöglich ist es schon bald ein Fläming-Souvenir. Das wäre im Sinne
der Stiftung Naturlandschaften, die sich um die Ansiedlung müht.
„Wir machen einfach die Tore auf“, hatte jüngst Vorsitzender
Hans-Joachim Mader angekündigt. Allein neun Grünbrücken –
Stückpreis zwei bis vier Millionen Euro – sollen zwischen Lausitz,
Oder und Fläming errichtet werden, damit das Wild durch die Mark
streifen kann.
Auf der anderen Seite sind im Oderland 2007 nämlich schon Elche
gesichtet worden. Acht Stück bilden die kleine Population bei
Beeskow, wie die Fachzeitschrift „Unsere Jagd“ berichtet hat. Gerd
Schumann, Referatsleiter im Ministerium für Umwelt, ländliche
Entwicklung und Verbraucherschutz, vertritt eine andere Auffassung.
Er glaubt, dass die Abtrünnigen der 1200 polnischen Elche nicht
dauerhaft bleiben und hier vor Ort eine sich reproduzierende
Gemeinschaft bilden. Um das zu klären, sind alle Forstbehörden
gebeten, jeden Hinweis auf Elchpräsenz in der Mark zu melden. Marek
Rothe, stellvertretender Leiter des Belziger Betriebsteiles, und
seine Kollegen konnten noch keinen Beitrag liefern, wie er auf
MAZ-Anfage bestätigt hat. Doch bleiben sie wachsam.